"Einem Nackten kann man nicht in die Tasche greifen", heißt es. Das Finanzamt kann es es doch: "16,3 Millionen Besucher öffentlicher Saunabäder in Deutschland werden nach dem Willen der Länderfinanzministerien mit drastischen Preiserhöhungen rechnen müssen", warnt der Deutsche Sauna-Bund. Was die Saunabesucher und Betreiber von der klammheimlich beschlossenen Steueranpassung halten und wie sie damit umgehen, dazu hörten wir uns im Forchheimer Königsbad und in den Saunabädern der Region um.

Der Deutsche Sauna-Bund mit seinen rund 850 Mitgliedern vertritt öffentliche und private Saunabetreiber sowie Hersteller und Händler von Saunabedarf. Nach Berechnungen der Vereinigung wird es in den öffentlichen Saunabädern wegen der Steuererhöhung zu erheblichen Besucherrückgängen kommen.Allein die Zahl der Saunabesucher, die wöchentlich in die Sauna gehen, wird nach Verbandsangaben um knapp zehn Prozent sinken.

Empörte Saunabesucherinnen

Das negative Echo aus der Damensauna im Forchheimer Königsbad untermauert die Befürchtung des Saunabundes. Einmal in der Woche treffen sich die "Dienstagsfrauen", um zu relaxen. Doch angesichts der Steuererhöhung und einem drohenden Preisanstieg ist's mit der Entspannung vorbei. Gertrud (59) nimmt kein Blatt vor den Mund: "Ich werde mir keine Jahreskarte mehr kaufen, wenn die Sauna wegen der Steuererhöhung teurer würde." Und eine andere Stammkundin droht: "Ich würde dann nach Bamberg in die Sauna gehen."

Forchheimer Stadtrat entscheidet

Der Gedanke an Besucherrückgänge dürfte den Chef des Forchheimer Königsbades in's Schwitzen bringen. Ob die Mehrwertsteuererhöhung an die Besucher voll weiter gegeben werde, darüber müsse der Stadtrat noch eine Entscheidung treffen, erklärt Walter Mirschberger. Die Frage nach einer Erhöhung der Sauna-Eintrittspreise sei natürlich auch im Zusammenhang mit dem Verhalten der Mitbewerber zu sehen.

Im Herzogenauracher "Atlantis" hat man noch keinen Plan zur künftigen Preisgestaltung. Nachdem der Beschluss über die Abschaffung der bisherigen Umsatzsteuerermäßigung erst in jüngster Zeit gefasst worden sei, "haben wir die Thematik jetzt erst seit zwei Wochen auf dem Radar", erklärt Jürgen Bauer, der Geschäftsführer der Herzo-Bäder und Verkehrs GmbH. Es sei klar, dass durch die Abschaffung der Umsatzsteuerermäßigung die Kosten ansteigen. "Wenn wir keine Preiserhöhung durchführen, würden die hinzukommenden Steuerprozente voll auf die Marge durchschlagen", erklärt Bauer und unterstreicht: "Man kann nicht einfach 12 Prozent wegschlucken." Man werde die Angelegenheit bei der nächsten Aufsichtsratssitzung im November entscheiden, sagt der Atlantis-Geschäftsführer. Besucherrückgänge befürchtet er jedenfalls nicht: "Unsere Preise sind sehr wettbewerbsfähig." Warum die Steuern im Saunabereich angehoben werden (der Schwimmbetrieb bleibt mit sieben Prozent Umsatzsteuer ermäßigt - Anm. d. Red.) ist auch dem Atlantis-Geschäftsführer schleierhaft: "Politik ist oft nicht nachvollziehbar".

Bambados erhöht die Preise nicht

Die Konkurrenz in Bamberg hat ihre Entscheidung bereits getroffen und damit ein Signal gesetzt. Jan Giersberg, Sprecher des von den Bamberger Stadtwerken betriebenen Wellnessoase "Bambados" versichert: "Wir können unseren Besuchern heute schon zusagen , dass es zum 1. Januar keine Preiserhöhungen geben wird." Das Bambados halte seine Tarife "konstant günstig", betont Giersberg - "und dies, obwohl wir seit Sommer einige Attraktionen mehr haben." So sei der Saunabereich aufgewertet worden, was das Thema "Wohlfühlen" betreffe. Auch der Gastronomiebereich sei durch einen neuen Pächter attraktiver worden.Für das dreistündige Saunieren zahlen Erwachsene nach Angaben des Bambados 14 Euro. Die Tageskarte koste 17 Euro. Außerdem werde eine Geldwertkarte für 400 Euro angeboten, die bis zu 20 Prozent Rabatt auf den Eintrittspreis ermögliche.

Zu Lasten der Gesundheit

Der Sprecher des Deutschen Saunabundes, Hans-Jürgen Gensow, zeigt sich verärgert, dass der einstimmige Beschluss von Bund und Ländern zur Abschaffung der Umsatzsteuerermäßigung für Saunabetriebe schon 2013 gefasst worden sei, aber erst jetzt durch die Behörden kommuniziert werde. "Bevor dies im Bundessteuerblatt steht, versuchen wir nochmals alle dafür zu sensibilisieren, was es bedeutet, wenn man auf die 19 Prozent zusteuert", betont Gensow. Die mit dem Saunabaden verbundenen Präventionsziele, wie Erkältungsvorbeugung, Stressabbau und Krankheitsvermeidung werden dadurch ausgehebelt, warnt der Saunabund. Geschäftsführer Rolf-Andreas Pieper: "Dies kann der Gesetzgeber eigentlich nicht wollen, denn schließlich wurde die Umsatzsteuerermäßigung auf den Saunaeintritt aus gesundheitspolitischen Gründen eingeführt". Insgesamt entstehe nach Schätzungen des Saunabundes der Branche ein volkswirtschaftlicher Schaden von mehr als 200 Millionen Euro.

Bädersterben befürchtet

Ein Großteil der 2150 öffentlichen Saunabäder komme in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten, befürchtet der Saunabund. Der erwartete Rückgang der Besucher würde nach Ansicht der Vereinigung darüber hinaus in den Städten und Gemeinden ein "Bädersterben" hervorrufen, da gut besuchte Saunaanlagen als Bestandteil öffentlicher Bäder wesentlich zu deren Finanzierung beitrügen.