Die Kindertagesstätte St. Martin hat ihren ersten Öffnungstag nach zwei Wochen Ferien und das neue "Kindergartenjahr" beginnt. Die beiden Betreuerinnen Juliane Fischer und Petra Körber spannen zusammen mit Hausmeister Otto Oppelt über dem Sandkasten eine Markise auf.

Die Stimmung ist ausgelassen, rundherum spielen Kinder im Sandkasten oder fahren Kettcar durch den großen Garten. "Die Kinder dürfen gestaffelt für jeweils eine Stunde im Freien spielen", erklärt Fischer. "Damit der Hygiene-Abstand eingehalten wird, dürfen wir die Gruppen nicht mischen. Eigentlich ist es Schade, denn draußen ist es jetzt am Schönsten."

Die Kinderpflegerinnen organisieren eine Menge an Unternehmungen mit ihren Schützlingen in der Natur, damit die Kleinen schon von früh auf mit der Tier- und Pflanzenwelt der Heimat in Berührung kommen. Dazu gehören das Stockbrot-Grillen in der Lias-Grube, Apfelsaft-Pressen am Bauernhof oder ein Besuch im Wildpark Hundshaupten. "Unsere Kinder wissen, dass Milch nicht aus dem Tetra Pak kommt", sagt Petra Körber.

Es ist nie zu spät für den Traumjob

Körber hat ihren ganz eigenen Weg in die Kindertagesstätte gefunden. Die gelernte Schneiderin hat sich in der Mitte ihres Lebens dazu entschlossen, mit Kindern zu arbeiten. "Ich habe es genossen, meine eigenen Kinder großzuziehen. Die Kleinen liegen mir am Herzen", erklärt sie.

Durch Zufall hat Körber von der Möglichkeit einer externen Ausbildung zur Kinderpflegerin erfahren. Die Voraussetzung für eine Anmeldung für die Externen-Prüfung an der Berufsfachschule in Forchheim im Bereich Kinderpflege waren allerdings 800 Praktikumsstunden. "Ich habe mich da schon etwas komisch gefühlt als erwachsene Frau ein Praktikum zu machen, aber es hat sehr viel Spaß gemacht", erzählt Körber. 14 schriftliche Prüfungen und zusätzliche praktische Abnahmen musste sie bestehen. "Ich habe mich selbstständig auf alle Prüfungen vorbereitet und dafür alte Schulbücher und Material von bekannten Lehrern für Fächer wie Deutsch, Naturwissenschaften oder Psychologie verwendet".

Als Prüfung musste sie eine Konfettipizza

Als praktische Aufgabe musste Körber beispielsweise im Fach Gestaltung ein Bild mittels verschiedener kreativer Zeichentechniken erstellen und beim Kochen hat sie mit einer 16-Jährigen, die ein Kindergartenkind spielen sollte, eine Konfettipizza gebacken.Die Mühe aber hat sich gelohnt. "Es war purer Zufall und Glück, dass ich jetzt mit Juliane in der gleichen Gruppe arbeiten darf, in der schon meine Kinder damals waren", sagt Körber.

Weiterbildung nach 27 Jahren

Auch Juliane Fischer hat im vergangenen Jahr eine Weiterbildung auf sich genommen. "Ich habe mich nach 27 Jahren Berufserfahrung als Kinderpflegerin beim Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft in Bamberg zur pädagogischen Fachkraft weitergebildet", erzählt Fischer. Nachdem die Berufsbezeichnung der Kinderpflegerin, zu deren Berufsbild die fachliche Unterstützung des Erziehers gehört, in "Ergänzungskraft" umgewandelt wurde, ist die Entscheidung endgültig gefallen.

So unterschiedlich die Wege der beiden doch sind, was ihren Beruf besonders macht, darüber sind sich Fischer und Körber einig: "Jeder Tag ist anders und man bekommt viel von den Kindern zurück", sagt Fischer. "Die Kinder zeigen ihre Dankbarkeit durch Zuneigung, sind meistens offen und ehrlich. Es ist eindeutig die Liebe zu den Kindern."