An manchen Tagen unterbricht Stefan Pieger seine Arbeiten in der Werkstatt und geht hinauf ins Atelier. Er betrachtet das Bild, das er am Vorabend gemalt hat und kehrt zurück in die Werkstatt: "Dann bringe ich jedesmal eine gute Stimmung mit runter".

Diese Szene ist typisch für das Leben des 44-Jährigen. Die Schreinerei ist sein Brotberuf. Mit dem systematischen Malen hat der Autodidakt erst 2011 begonnen. Noch sei er sich nicht sicher, "ob ich den Reifegrad erreicht habe, mich als Maler zu präsentieren." Daher überkomme ihn, wenn er an der Werkbank stehe, mitunter das Bedürfnis, nach seinen Bildern zu sehen. - und er geht hinauf ins Atelier.

Seine Bilder, die er mit Öl auf Pappel-Pressspan-Platten malt, zeigt er manchmal in privaten Kreisen. Aber eine öffentliche Ausstellung habe er noch nicht gewagt. "Ich taste mich langsam nach außen." Die Doppelexistenz Piegers als Handwerker und Portraitmaler drückt sich auch in zwei Namen aus: Als Schreiner heißt er Stefan Pieger. Als Künstler greift er auf den Namen seines Urgroßvaters zurück, der Wagner-Meister war, fränkisch: "da Wonga". Der Hausname der Urgroßvaters dient dem Ur-Enkel als Künstlername.

Sein Freund Rudi habe eine Malschule, erzählt da Wonga. Rudi habe ihm "die wichtigsten Kniffe gezeigt". Den Rest eignete sich da Wonga selbst an. Anfangs habe er sich an Landschaften versucht. Aber jetzt malt er nur noch Portraits: Seine Frau, seine Töchter, seine Freunde; berühmte Menschen wie Perlmann, Pavarotti, Obama, Hundertwasser.

Aber auch bedrückende Themen malt da Wonga: Ein Flüchtlingskind, das tot am Strand liegt; seine eigene Großmutter, wie sie im Sterben liegt. "Alles, was mir dunkel vorkommt, was mir Angst oder was mich traurig macht, muss ich verarbeiten, indem ich es kurz zu fassen kriege."

Ein Selbstportrait zeigt Stefan Pieger nackt und amputiert am Boden liegend. Sein Bein habe er nach einer Knochenkrebs-Erkrankung verloren, erzählt er in einem Nebensatz, um gleich wieder zu seinem Lieblingsthema zurückzukehren: " Am liebsten male ich meine Idole - in erdigen Farben." Nelson Mandela und Maria Montessori gehören dazu. Aktuell hat er sich den Sänger Herbert van Veen vorgenommen. "Das sind Leute, die mir aus der Seele sprechen." Da Wonga nennt sie "Freunde, die nix von mir wissen." Hauptsächlich male er sie aus einem Grund: "Es erfüllt mich."