Die Spannung ist groß, nicht nur bei Pater Heinz Weierstraß in der Kirchengemeinde St. Johannes Bosco. Denn die Synode der katholischen Bischöfe begann mit einem kleinen Beben: Der polnische Monsignore Krzysztof Charamsa, Mitglied der Glaubenskongregation, hatte sein Coming-Out vor der Weltpresse inszeniert und die Kirche aufgefordert, ihre Haltung gegenüber Homosexuellen zu ändern.

"Es ist eines der Themen, mit dem sich die Synode befassen wird, ich bin gespannt", sagt Heinz Weierstraß. Persönlich habe er aber "keine konkreten Wünsche" an die Synode. "Ich warte ihren Verlauf ab."
Nach ihren Erwartungen an die Synode gefragt, nennen die Katholiken an der Basis vorrangig das Thema wiederverheiratete Geschiedene. "Ich erwarte mir, dass der Streit weiter geht", sagt Stefan Ahr, Pastoralreferent in Hl. Dreikönig Burk. "Wenn der Papst das Ideal der Ehe hochhält, hat er Recht. Aber zum Traum von der Ehe gehört auch das Scheitern." Daher sei es "theologisch notwendig", darauf zu reagieren. "Glücklich wäre ich", sagt Stefan Ahr, "wenn jetzt ein Weg gefunden wird, Geschiedenen den Weg zu allen Sakramenten zugängliche zu machen."
Dietmar Denzler, Pastoralreferent in Verklärung Christi, beobachtet, dass die Kirche "in den letzten Jahrzehnten mehr auf die Leute hört und lernen will". Ob beim Thema Geschiedene oder Homosexuelle - es gebe keine absoluten Positionen mehr: "Die einzelnen Biografien und die Stufigkeit werden betont", sagt Denzler: "Der Lernprozess der Kirche wird daran deutlich, dass teilweise gelungenes Leben anerkannt wird."


Ein Leben lang bestraft?

Für diesen Lernprozess engagiert sich auch der Forchheimer Männerkreis Don Bosco, der sich der Eigenverantwortung der Gläubigen verschrieben hat. Vorsitzender Eduard Nöth ist wie Stefan Ahr der Auffassung, dass "die Debatte um die Homosexualität in der Kirche nicht das zentrale Thema der Synode sein wird". Dass aber beispielsweise jemand, der mit 25 heirate und sich mit 30 Jahren scheiden lasse, "ein ganzes Leben lang dafür bestraft wird, das darf nicht länger sein", sagt der langjährige CSU-Landtagsabgeordnete. "Ich hoffe, dass eine pragmatische Lösung rauskommt. Ich bin optimistisch und habe große Hoffnung in Bezug auf die Synode."
Auch für homosexuelle Paare müsse eine "praktikable Lösung" gefunden werden, fordert Nöth: "Es ist nicht anders möglich, wenn man an den Herrgott glaubt und seine Güte." Stefan Ahr formuliert es so: "Wenn sich ein Paar liebt, darf das nicht als Defizit betrachtet werden. Liebe kann kein Defizit sein, das gilt für wiederverheiratete Geschiedene ebenso wie für Homosexuelle."


Zweifel an der Wende

Gerade im Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen "sollte die Kirche lockerer werden, es müsste schon lange was passieren", sagt Pater Klaus Weigand. (St. Michael Heroldsbach). Allerdings verfolgt er die aktuellen Beratungen seiner Glaubensbrüder mit Skepsis: "Auch wenn ich es mir wünsche, glaube ich nicht, dass die aktuelle Synode eine Wende bringen wird."
Der Fall Charamsa sei noch "zu frisch", aber er werde nicht ohne Folgen bleiben. Klaus Weigand: "Das beschäftigt die Leute schon: Wie geht man damit um? Wird er fallen gelassen? Das kann man nicht machen."
Ob es nun der Umgang mit Geschiedenen, Homosexuellen oder mit dem Zölibat sei - "da muss ein Ruck durch die Kirche gehen", fordert der Pater aus Heroldsbach: "Was wir predigen, Liebe und Barmherzigkeit, müssen wir auch umsetzen."