Evelyn Eberhorn schiebt keine Senioren mit dem Rollstuhl durch den Park. Sie spielt auch nicht Karten oder bringt Essen auf Rädern. Evelyn Eberhorn hilft, in dem sie ihre Zeit verschenkt. "Es ist manchmal gar nicht so leicht auszuhalten, nichts zu tun", sagt die Heroldsbacherin über ihre Besuche bei Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben.

"Oft genießen sie es einfach nur, dass ich bei ihnen sitze und manchmal ihre Hand halte", sagt Evelyn Eberhorn, die seit 2009 ehrenamtliche Hospizhelferin und eine von 37 Freiwilligen ist, die im Landkreis Forchheim derzeit für den Christlichen Palliativdienst des Caritasverbandes unterwegs sind.

35 Frauen und zwei Männer im Alter von 38 bis 75 Jahren, die dann helfen, wenn Ärzte keine Hilfe mehr sein können. "Meistens kommen wir ein bis zweimal pro Woche für ein bis zwei Stunden. Wenn es zu Ende geht aber auch öfter, da bleiben wir in Einzelfällen auch mal über Nacht", erzählt Evelyn Eberhorn über ihre Tätigkeit, die kaum einer sieht, aber dennoch so wichtig ist. "Wir geben ihnen ein Leben im Sterben", sagt die Hospizhelferin, die ihre Kraft aus dem Glauben schöpft und zudem ein Ritual pflegt. "Wenn ich nach Hause komme, wasche ich meine Hände, ziehe mich um und lasse das Erlebte dadurch zurück."


Hospizhilfe seit zehn Jahren

Seit zehn Jahren gibt es die Hospizhilfe der Caritas. Pro Jahr fahren die Freiwilligen etwa 8500 Kilometer durch den Landkreis und leisten dabei circa 1200 Arbeitsstunden.

Koordiniert werden die Einsätze von Sieglinde Graf und Sieglinde Simmerlein. Die beiden Frauen erhalten die Anfragen von Hausärzten, Sozialdiensten, Altenheimen oder Privatpersonen. Anschließend prüfen sie den jeweiligen Einzelfall vor Ort und überlegen, welche Helferin oder welcher Helfer passen könnte. Wichtige Faktoren sind dabei nicht nur Zeit und Ort, sondern auch individuelle Interessen. "Zum Beispiel, ob jemand gläubig oder musikalisch ist", erläutert Sieglinde Graf. Den genauen Ablauf machen dann die Hospizhelfer und die Angehörigen miteinander aus.

Brigitte Widmann, deren mittlerweile verstorbener Vater einige Zeit lang von einer Hospizhelferin begleitet wurde, zeigt sich noch heute begeistert. "Auch dank der Hospizhelferin hat er trotz schwerster Gebrechen fast bis zuletzt seinen Humor beibehalten", erinnert sich die Forchheimerin.

"Sie hatte oft eine Gitarre dabei, dann haben sie zusammen gesungen. Und er hat ihr auch Dinge erzählt, die er uns Kindern nicht sagen wollte", berichtet Brigitte Widmann über die Helferin, die anschließend auch ihre Mutter im Altenheim betreute. "Sie war wertvoll für die ganze Familie."


Ausbildung groß geschrieben

In Geschichten wie diese hat der Caritasverband im vergangenen Jahrzehnt 100 000 Euro investiert. "Zwar zahlen auch die Krankenkassen Geld, aber es bleiben immer Kosten übrig", erklärte Caritas-Geschäftsführer Peter Ehmann während eines Pressegesprächs anlässlich des Palliativdienst-Jubiläums am Mittwoch. "Unsere Arbeit ist insbesondere eine Befreiung für Menschen in den ländlichen Bereichen des Landkreises, wo oft noch die Meinung vorherrscht, dass man dazu verpflichtet ist, sich selbstständig um Eltern oder Verwandte zu kümmern", sagte Alfons Galster aus dem Caritas-Vorstand.

Ein Großteil der bereitgestellten Gelder fließt in die Hospizhelfer-Ausbildung. Interessierte bestreiten einen Grundkurs, in dem es in 35 Einheiten um die eigene Persönlichkeit geht. Dem schließt sich ein Aufbaukurs mit 46 Einheiten rund um die Themen Gesprächsführung, Seelsorge und Patientenverfügungen an. Zehn Praktikumsstunden runden das Programm ab. Danach können die Freiwilligen mithelfen, die Lebensqualität von Menschen am Lebensende zu erhöhen.


Jubiläumsprogramm zum "Zehnjährigen" des Caritas-Palliativdienstes

Donnerstag, 23.03.2017
Beratung über Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht durch Herrn Göbel
Ort: Im Chorrraum der St. Anna-Kirche in Forchheim
Zeit: 15:00 Uhr

Freitag, 31.03.2017
Künstlerisch gestalteter Kreuzweg mit musikalischer Untermalung durch die Gruppe "Januela"
Ort: In der St. Anna-Kirche in Forchheim
Zeit: 18:00 Uhr

Donnerstag, 04.05.2017
"Halt auf freier Strecke" - Film im Kinocenter Forchheim
Anschließend stellt sich Fr. Dr. Schneider vom SAPV-Team Ihren Fragen
Ort: Kinocenter Forchheim (Foyer, Treffpunkt)
Zeit: 18:00 Uhr (Veranstaltung erfolgt in Zusammenarbeit mit der KEB Forchheim)

Juni 2017
Projekt: Hospiz macht Schule!
In Kooperation mit Grundschulen

Freitag, 30.06.2017
Jubiläums-Gottesdienst in der St. Martin Kirche in Forchheim durch
Pfarrer Emge mit Einladung zum anschließenden Imbiss
Zeit: 18:00 Uhr

Donnerstag, 6.7.2017
Beratung über Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht durch Herrn Göbel
Ort: Im Chorrraum der St. Anna-Kirche in Forchheim
Zeit: 15:00 Uhr

Mittwoch, 19.07.2017
Vortrag "Die Rechte der Sterbenden" durch Herrn Dr. Hanke, Vorsitzender des Hospizverein Fürth
Ort: Im großen Saal der St. Anna-Kirche Forchheim
Zeit: 18:00 Uhr (Veranstaltung erfolgt in Zusammenarbeit mit der KEB Forchheim)

Freitag, 6.10.2017
Gedenkgottesdienst für alle Verstorbenen aus den Begleitungen des Hospizdienstes und der Sozialstation der Caritas Forchheim
Ort: St. Anna-Kirche Forchheim
Zeit: 18:00

Freitag, 13.10.2017
Start Grundkurs zur Ausbildung neuer Hospizbegleiter
Verschiedene Einheiten bis zum 14.11.2017
Ort und Zeit werden noch Bekanntgegeben.

Donnerstag, 16.11.2017
Beratung über Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht durch Herrn Göbel
Ort: Im Chorrraum der St. Anna-Kirche in Forchheim
Zeit: 15:00 Uhr