Ein Zeuge nach dem anderen betrat am zweiten Prozesstag das Landgericht Bamberg. Verhandelt wurde die Imbiss-Brandstiftung mit Versicherungsbetrug in einer Novembernacht in Kirchehrenbach. Zum Prozessauftakt, am 3. Juli, hatten die Angeklagten, der 41-jährige Imbissinhaber und sein 19-jähriger Mitarbeiter, den jeweils anderen als Anstifter beschuldigt. Da sich zum Zeitpunkt des Brandes eine geöffnete Gasflasche in der Nähe des Feuers befand, herrschte Explosionsgefahr des Gebäudes. In diesem leben die Familie des Imbissinhabers, zwei Syrer sowie die Familie der Nebenklägerin. Sie erlitt eine Rauchgasvergiftung und trat als Zeugin auf.

Obermieter schildern Details

Die junge Frau lebt mit ihrer Familie über dem Imbiss. Ihr Zimmer wurde besonders stark beschädigt. Die Wut sitzt tief. Sie gab an, die Renovierungskosten bislang aus eigener Tasche gezahlt zu haben. Zudem leidet sie unter den Folgen des Brandes, hat Hustenanfälle und muss aufgrund einer Posttraumatischen Belastungsstörung Antidepressiva und Schlafmittel nehmen.

Wenn sie an die Nacht zurückdenkt, sieht sie "Novembernebel" im eigenen Zimmer. Mehr sei ihr nicht im Gedächtnis geblieben. Außer, dass sie bei Minusgraden in kurzer Schlafkleidung aus dem Haus flüchtete. Draußen stellte sie fest, dass die Familienmitglieder des Angeklagten warme Straßenkleidung getragen haben, "als hätten sie darauf gewartet".

"Das kam mir komisch vor", sagte auch ihr Stiefvater. Er bemerkte den Brand gegen drei Uhr, weil die Feuermelder piepten. "Ich bin runter, habe gesehen, dass der Imbiss brennt und habe sofort alle aus dem Haus geklingelt." Darauf habe der Angeklagte direkt reagiert. "Ich habe mich gewundert, dass er sofort an die Sprechanlage ist. Da schläft man ja und braucht etwas", sagte der 61-Jährige.

Merkwürdig fand er auch, dass der Inhaber in Angesicht des Brandes keine Reaktionen zeigte. "Ich habe das nicht verstanden, das ist doch seine Existenz. Ich habe dann gefragt, ob er nicht die Feuerwehr rufen will." Auch auf die Explosionsgefahr habe er ihn hingewiesen.

Der 41-jährige Angeklagte schüttelte während der Vernehmung des Nachbarn immer wieder mit dem Kopf. Der 61-Jährige richtete seine letzten, zornigen Worte daher direkt an ihn: "Wenn man Scheiße baut, dann muss man auch gerade stehen 'für." Er sei sich sicher, dass der Inhaber schuldig ist: Zum Verhältnis zwischen den beiden Angeklagten sagte er zuvor, dass der jüngere Angeklagte dem Betreiber "hörig" gewesen sei.

Gab es Schulden und Schutzgeld?

Der Angeklagte hatte Geldprobleme. Mehrere Zeugen sagten aus, dass das Geschäft nicht gut lief und es Streitigkeiten zwischen dem Inhaber und dem Lieferanten gab. Auch musste der 41-Jährige nach kurzer Zeit ein Pachtverhältnis auflösen, das er aufgrund eines Offenbarungseides ohnehin nicht formal geführt hatte. Am Abend vor dem Brand hat er die Kasse dann komplett geleert.

Ein Polizist hegte dennoch den Verdacht, dass es sich um einen unerwarteten Anschlag eines Schutzgelderpressers gehandelt haben könnte. Ihm gegenüber habe der Angeklagte bestätigt, einen Feind zu haben. Das würde erklären, wieso der Betreiber bei Explosionsgefahr im Haus war und nicht reagiert habe. "Vielleicht war damit ja eine offene Rechnung beglichen."

Schwierige Zeugenvernehmung

Ob er etwas von den Schulden wüsste, wollte Richter Markus Reznik vom Bruder des Angeklagten wissen. Dieser verneinte, verstrickte sich im Lauf der Anhörung aber in viele Widersprüche. "Sehr glaubwürdig", scherzte Verteidiger Maximilian Glabasnia. Auch die Befragung der Stieftochter des Bruders warf mehr Fragen auf als es Antworten gab. Sie sagte, die Nichte des Inhabers und die Freundin des 19-jährigen Mitarbeiters zu sein. Ob der Bruder des Angeklagten im juristischen Sinne ihr Stiefvater ist, wusste sie nicht. Dennoch wollte sie vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. "Wir sind verlobt", ließ sie über den Dolmetscher verkünden, als es um die Beziehung zum Jüngeren ging. "Ist das überhaupt rechtskräftig?", warf Verteidiger Christian Barthelmes ein. Reznik zog sich zur Besprechung zurück, ließ das Recht dann gelten. Auch viele der anderen Familienmitglieder verweigerten die Aussage.

Explosionsgefahr beabsichtigt?

Umso mehr Hoffnung wurde in die Aussagen der Einsatzkräfte gesteckt. Dabei ging es um die Propangasflaschen und deren Position. Ein Feuerwehrmann gab an, dass die Flaschen nicht angeschlossen waren, was ungewöhnlich sei. Zudem standen sie dicht am Feuer. Dieses war mit 30 Zentimetern Höhe aber eher harmlos. Nach dem Heraustragen der Flaschen hörte sein Kollege ein Zischen und drehte den Verschluss zu. "Die war nach oben hin vereist", was auf einen längeren Gasaustritt hindeutet.

Ob die Explosion mutwillig in Kauf genommen wurde und wer die Flaschen abgestellt hat, blieb weiterhin unklar. Klarheit soll heute und in vier Folgeterminen geschaffen werden. Ein Urteil wird für den 25. Juli erwartet.