Im Naturschutzgebiet Ehrenbürg wird mit der Mittelwaldpflege eine alte Form der Waldbewirtschaftung gepflegt, von der im Idealfall Mensch und Natur gleichermaßen profitieren. Jetzt hatte Andreas Niedling, der Gebietsbetreuer für Schutzgebiete im Landkreis Forchheim, zu einem Ortstermin auf Kirchehrenbacher Seite des Walberlas geladen. An der Besprechung vor Ort nahmen Forstdirektor Michael Kreppel, vom Amt für Landwirtschaft und Forsten, der zuständige Forstrevierleiter Bertram Stielper, Daniel Schenk sowie Forstanwärter Micha Maisenbach teil. Rainer Gebhardt vertrat die Gemeinde Kirchehrenbach.

Die Form der Waldbewirtschaftung folgt in Kirchehrenbach einer über 500 Jahre alten Tradition. Deutschlandweit ist diese Form dagegen inzwischen fast ausgestorben.

Durch die Verbreitung von Öl zum Heizen der Häuser ist in den vergangenen Jahrzehnten die Mittelwaldnutzung stark zurückgegangen.
Früher hatte die Mittelwaldpflege für viele Menschen noch ihren Charme. Kein Holzspalten war nötig, und dann fiel da auch noch viel Reißig an. In ganz Deutschland wird nur noch etwa ein Prozent der Wälder als Mittel- oder Niederwald genutzt.

Ähnliche Nutzungsformen finden sich unter anderen in Leutenbach, Drosendorf oder Kauernhofen. Die Mittelwaldpflege wird im Raum Kirchehrenbach auf einer Waldfläche von 150 Hektar angewandt. Jedes Jahr wird vom gemeindlichen Waldausschuss zusammen mit dem zuständigen Forstrevierleiter Bertram Stielper ein Teil des Gemeindewalds ausgewählt und zur Nutzung freigegeben.
Dieser wird anschließend in etwa gleich große Parzellen, den sogenannten Gerten, aufgeteilt. In der Folge machen sich viele Rechtler auf den Weg, um den Wald zu besichtigen. In einer Verlosung werden die Gerten dann verteilt.

Bis zu 100 Jahr

Das geschah in Kirchehrenbach heuer am 4. Dezember. Die Arbeiten am Berg haben bereits begonnen, die Einschläge sind deutlich sichtbar. Insgesamt werden jährlich sechs Hektar vergeben.

Etwa alle 15 Meter soll ein Baum stehen bleiben und auch geschützt werden. Der Großteil der Bäume, vor allem Linden, Haseln und Hainbuchen verkraften den Rückschnitt ohne weiteres. Sie treiben einfach wieder aus. Die Stöcke selbst können laut Niedling bis zu 100 Jahre alt werden. Sie bilden Refugien für Käfer, Insekten oder auch Schmetterlinge. Für Stielper hat diese Bewirtschaftungsform viele Hinweise. "Mittel- und Niederwälder sind sonnendurchflutete Waldtypen, die seltenen licht- und wärmeliebenden Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten", sagt auch erNiedling.

Schlicht zu dunkel

Am Walberla profitierten besonders das Stattliche Knabenkraut, eine seltene Orchidee, oder auch die Fränkische Mehlbeere, die weltweit nur in der Fränkischen Schweiz vorkommt, von der Mittelwaldpflege.

Ein Hochwald wäre für diese Fauna schlicht zu dunkel. Aufgrund des Nutzens für die Natur wird die Nieder- und Mittelwaldbewirtschaftung auch mit staatlichen Zuschüssen gefördert. In Oberfranken wurden Verträge über 770 Hektar Mittelwald abgeschlossen, davon allein 230 Hektar auf der Ehrenbürg.
"Wir sind froh, in Kirchehrenbach die Rechtler zu haben, die Arbeit ist sehr intensiv", betont Stielper. Die Steilhänge erlauben oft nur Handarbeit. Erholungssuchende sollten beim Anblick der relativ kahlen Flächen nicht erschrecken, sagt Bertram Stielper und verweist auf den großen Vorteil für Mensch und Natur.