Männer und Kinder essen kein Gemüse, noch nicht einmal beim Grillen. Das ist ein allgemein bekanntes Phänomen. Harald Kreutzer (46) aus Baiersdorf bedauert das, versteht aber die Problematik: "Das Gemüse verbrennt, fällt durch den Grillrost oder nimmt viel zu viel Platz weg." Ein Fan von Aluminiumschalen ist der Assistenzarzt des Klinikums Forchheim sowieso nicht: "Es gibt zu viele medizinische Erkenntnisse, die zeigen, dass Aluminium gesundheitsschädlich ist."

Aus privatem Interesse heraus hat er deswegen nach einer Lösung dieses Problems gesucht - und gefunden: Ein Würfel, den man auf den eigentlichen Grill legt. "Erst dachte ich an eine Kugel, in die man das Grillgut füllt, aber die würde natürlich vom Grill herunterrollen." Die nächstliegende Form war dann der Würfel, durch die gleichen Kantenlängen verteilt sich die Hitze gleichmäßig. Also bastelte Harald Kreutzer mit seinem Nachbarn einen ersten Prototyp aus Edelstahlgittern vom Baumarkt. Das Zusammengebastelte überzeugte und Kreutzer wand sich an seinen alten Schulfreund Ralph Kräuter, der als Designer einen perfekten Partner darstellte.

Über einen weiteren Zwischenschritt entstand dann die fertige Erfindung Kreutzers: der Barbecube. Ein kleiner Edelstahlcontainer mit vier geschlossenen Seiten und zwei Seiten mit Grillrost. "Vorbild für die geschlossenen Seiten war der spanische Plancha-Grill", erklärt Kreutzer, "der Edelstahl ist der Beste auf dem Markt, lebensmittelecht und spülmaschinenfest."

Das Grillgut wird auf einer Seite in den Würfel gefüllt und dann auf den Grill gelegt. "Durch die verschiedenen Seiten kann man wunderbar mit der Hitze spielen", sagt Kreutzer.

Nach und nach probierte der Baiersdorfer dann andere Dinge mit dem Würfel aus und fand heraus, dass man auch Obst und Fleisch im Würfel grillen kann: "Zum Beispiel die Königsdisziplin: Hühnchen gefüllt mit Feta und Basilikum, ummantelt von Schinken. Da hoffe ich immer, dass es klappt. Das Besondere am Würfel ist aber, dass man auf kleinstem Raum mehrere Gerichte gleichzeitig grillen kann. Das Gemüse bleibt knackig und das Fleisch wird wunderbar zart."

Das Fleisch ins Gefängnis

Bei den Grillprofis in Internet-Foren stieß Kreutzer auf ein geteiltes Echo. Ein Portal probte und lobte den Barbecube, während andere erstaunt fragten: "Das Fleisch ins Gefängnis? Pack lieber das Gemüse hinter Gitter und schaff mehr Platz fürs Fleisch."

Aber Kreutzer testet seine Erfindung sowieso lieber an Familie und Freunden "Vor ein paar Wochen habe ich eine große Grillparty geschmissen und 40 Kollegen und Freunde mit den Würfeln begrillt. Das war stressig, hat aber geklappt."

Zuerst hat Kreutzer dann die Würfel im Bekannten- und Kollegenkreis verschenkt, "unsere Grundidee war nicht, damit Geld zu machen, sondern eine neue Art des Grillens zu schaffen". Aber die Nachfrage wurde so groß, dass es die Barbecubes jetzt auch über seine Website zu bestellen gibt. Harald Kreutzer berichtet: "Wir kommen teilweise gar nicht mehr hinterher, das Produkt hat sich verselbstständigt. Wir haben schon Barbecubes nach Israel, Schweden, Österreich und in die Schweiz verschickt."

Um ein zu hohes Risiko zu vermeiden, lassen Kreutzer und Kräuter die Würfel nur in überschaubaren Mengen produzieren und finanzieren die neuen Würfel vom Gewinn der Verkauften. Dabei sahen die Verkaufsaussichten erst gar nicht so rosig aus. In verschiedenen Fachgeschäften zeigte Kreutzer seine Erfindung vor und wurde "angesehen, als hätte ich heute noch nicht alle Medikamente genommen. Es ist eben schwer, die Funktionen des Würfels nur theoretisch zu erklären".

Die Familie hilft mit

Mittlerweile läuft das zum Geschäft gewordene Hobby aber bestens. "Meine Frau Sarit hilft mir sehr und schreibt die Rechnungen", erzählt Kreutzer, "und meine Kinder Jasmin (10) und Daniel (5) sagen auch ihre Meinung, zum Beispiel welche Farben sie für den Internetauftritt am besten finden."

Als Assistenzarzt hat Kreutzer zwar beruflich jede Menge zu tun und nur knapp bemessene Freizeit, aber die Arbeit am Projekt Barbecube macht ihm Spaß: "Wann sonst hat man die Chance, ein Produkt von seiner Geburt an zu begleiten? Außerdem macht das Grillen mir Freude, wenn ich dastehe und auf die glühenden Kohlen schaue, dann kann ich gut über den Tag nachdenken."

Harald und Sarit Kreutzer, die sich während seines Medizinstudiums in Israel kennenlernten, arbeiten gerade auch noch an einem Grillkochbuch mit den besten Rezepten für den Würfel. "Dazu gehören klassisches Grillgemüse, Halloumni-Käse mit Pilzen und viele Fleischgerichte, außerdem verschiedene Saucen dazu", erzählt Sarit Kreutzer.

Harald Kreutzer deutet an, noch an weiteren Grill-Erfindungen zu feilen, will aber noch nicht mehr verraten. Vielleicht gibt es also schon zur nächsten Grill-Saison ein weiteres Produkt aus der Doktor-Kreutzer-Linie.