Peter Bergfeld redet nicht lange um den heißen Brei herum. "Die Fahrräder, die Ständer und auch das Dach drüber werden in den nächsten Tagen verschwinden", sagt der Betreuer des Info-Points der Deutschen Bahn zur ICE-Baustelle am Forchheimer Bahnhof. Notwendig ist das wegen des Baus eines neuen Fußgänger-Tunnels unter den Gleisen. Seit 31. März sind deshalb rund 80 Fahrrad-Abstellplätze und die neun Fahrrad-Garagen gesperrt.

Trotz der am 27. März angebrachten Verbotsschilder waren am Donnerstag um 14 Uhr noch 15 Drahtesel in diesem Bereich angekettet. Unklar ist, ob diese vor oder nach Anbringen der Verbotsschilder abgestellt wurden. Die Bahn macht diesbezüglich jedoch keinen Unterschied, will die Räder laut dem angebrachten Schild kostenpflichtig wegschaffen. Bergfeld: "Meistens sind das Fahrrad-Leichen. Die Firma, die die Unterführung baut, wird die Räder abschließen und deponieren. Wohin weiß ich derzeit nicht."

Eine Aussage, die folgendes, beispielhaftes Szenario möglich macht: Ein Berufspendler, der wie viele Siemens-Arbeiter mit dem Zug nach Forchheim reist und vom Bahnhof mit seinem dort abgestellten Rad weiterfahren möchte, könnte am ersten Arbeitstag nach zweiwöchigem Urlaub ratlos sein, da sein Fahrrad schlicht nicht mehr da ist.

"Wir würden das nicht so kurzfristig machen", sagt Brigitte Neubauer vom Forchheimer Ordnungsamt über die knapp zwei Wochen, die zwischen dem Beginn des Abstellverbots und dem geplanten Entfernen der Räder liegen. "Am Bahnhof würden wir eher zu vier Wochen tendieren."

Das Vorgehen der städtischen Behörde in solchen Fällen beschreibt Neubauer wie folgt: Dinge, die entfernt werden sollen, werden mit einem gelben Bändchen versehen und damit als Fundsache deklariert. Darauf steht eine Abholfrist. Wird der Gegenstand bis dorthin nicht vom Besitzer entsorgt, muss er ein halbes Jahr aufgehoben werden, ehe er versteigert oder verschrottet werden kann.


Stadt weist Verantwortung zurück

"Verwaltungstechnisch ist im Allgemeinen eine Frist von drei Wochen angebracht", teilt Britta Kaiser, Pressesprecherin der Stadt, offiziell mit. Allerdings, so Kaiser, sei die Stadt Forchheim bezüglich der Rad-Stellflächen, die sich auf dem Gelände der Deutschen Bahn befinden, gar nicht zuständig. "Wir haben keine Rechtsgrundlage, um auf Privatgelände aktiv zu werden, können also nichts machen."

Roland Brütting vom städtischen Straßenverkehrsamt erläutert: "Wenn ein Unternehmen uns als Verkehrsbehörde bittet, ein Straßenschild aufzustellen, dann können wir das auch auf Privatgrund tun und im Nachhinein auch die Vorschriften kontrollieren. Das ist aber in diesem Fall nicht passiert, keiner ist an uns herangetreten." Eine Verantwortung der Stadt dafür, dass es in Forchheim nun bis August 50 Stellplätze weniger geben wird (30 neue wurden von der Bahn Am Stahl geschaffen) und eventuell noch genutzte Räder weggebracht werden, weist er von sich.


Zu spät informiert?

Die Pressesprecherin erklärt: "Die Bahn baut hier ohne Not Druck auf", sagt Britta Kaiser, die darauf hinweist, dass die Stadt erst vor knapp zwei Wochen informiert wurde. "Dann ist es schwer, Ersatzflächen herzuzaubern." Allerdings habe man Kontakt mit der Bahn gehabt und gebeten, ein Schild mit einer Abholfrist aufzuhängen - und nicht nur eines, das zeigt, ab wann das Abstellen verboten ist.

Peter Bergfeld von der Deutschen Bahn hingegen argumentiert: "Die Zeit der Vorinformation war ausreichend. Dass die Räder wegmüssen, müsste sich ja auch herumgesprochen haben." Außerdem hält er die Stadt auf jeden Fall für zuständig. "Seit 15 Jahren schon gibt es eine Regelung, die besagt, dass die Fahrradständer in der Obhut der Kommunen liegen." Auf welche Regelung er sich dabei bezieht, blieb unklar. Bei der Stadt gab man an, von einer solchen Regelung nichts zu wissen.


Vorschlag: Räder auf den ZOB

Zum Thema Ersatz-Stellplätze schlägt Bergfeld folgendes vor: "Ich hätte die Ständer auf die Mittelinsel des ZOB gestellt. Da passt einiges hin." Roland Brütting antwortete auf FT-Nachfrage: "Den ZOB haben wir nach behindertengerechten Regeln platzoptimiert ausgebaut. Das ist auf keinen Fall durchführbar."



Ein Kommentar zum Thema von unserem Redaktionsmitglied Andreas Schmitt


Kein guter Zug der Eisenbahn

Wenn die Bahn ihren Plan umsetzt, die Fahrradschlösser ohne die öffentliche Bekanntgabe einer Frist aufbricht und die Räder an einen unbekannten Ort bringt, dann handelt das Unternehmen mehr als grenzwertig.

Freilich: Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Fahrrad-Dieb will sich das Unternehmen nicht an dem Eigentum anderer Leute bereichern. Die Räder müssen weg, damit eine Baumaßnahme voran geht und die Allgemeinheit nicht länger als nötig unter den Einschränkungen der Großbaustelle zu leiden hat. Das ist unstrittig.

In Ordnung ist das Vorgehen trotzdem nicht. Wie so oft hapert es an der Kommunikation. Warum es nicht schon vor einem Monat einen Aushang mit einer entsprechenden Frist gab. Warum man vom Betreuer des Info-Points nicht erfährt, wo die Räder hin gebracht werden. Beides bleibt das Geheimnis der Deutschen Bahn. Der neue Forchheimer Fußgänger-Tunnel ist ja nicht erst seit zwei Wochen geplant.

Und mit dem Abwälzen der Verantwortung auf die Stadt macht es sich die Bahn schlicht zu einfach - egal wie die rechtlichen Zuständigkeiten im Einzelnen aussehen. Das Problem ist eine Folge der Bahn-Baustelle. Also sollte sich auch die Bahn darum kümmern.

Es bleibt zu hoffen, dass dies nun geschieht. Etwa durch eine genaue Information, wann und wo man sein Rad abholen kann, und eine Entschädigung für das aufgebrochene Schloss.