Er wurde 1908 erbaut, weil die Bürger auch abends Wasser holen wollten. 1909 wurde er zum ersten Mal als Osterbrunnen geschmückt und seither jedes Jahr wieder. Damit ist der Brunnen im Aufseßer Ortsteil Haag mit 105 Jahren der nachweislich älteste Osterbrunnen der Fränkischen Schweiz. Die Anwohner feierten das unrunde Jubiläum mit einem Glas Sekt.

Im Aufseßer Ortsteil Haag wurde das Wasser vom Brunnen im Schloss Unteraufseß geholt. Da der Burgherr das Schlosstor schon am späten Nachmittag geschlossen hatte, saßen die Haager regelmäßig auf dem Trockenen. Da kam Pfarrer Georgulius Kelber auf die Idee, eine Wasserleitung vom Dorf hoch zu legen, wo laut Ortschronist Dietmar Stadter schon 1902 eine Wassergenossenschaft unter Federführung des "Barons" Hermann Freiherr von und zu Aufseß gegründet worden war. 13 Haushalte schlossen sich per Vertrag der Wasserleitung an, die 1908 gebaut wurde.

Mit Hand- und Spanndiensten, Pickel und Schaufel zogen die Brunner einen Graben am Schlossberg hoch und verlegten die Wasserleitung. Die Kosten dafür (inklusive Brunnen) betrugen rund 10.000 Mark. Dort wo heute der Parkplatz des Kindergartens ist, befand sich der Hochbehälter, zu dem das Wasser mit einem "Widder" hochgepumpt wurde. Von dort aus lief es wieder leicht bergab zu den 13 angeschlossenen Haushalten.

Anfangs viele Störungen

Mit der Wasserleitung gab es anfangs viele Störungen. In strengen Wintern musste die zugefrorene Leitung öfters aufgetaut werden. Dazu wurde die Leitungsführung aufgegraben und so lange ein Reisigfeuer darüber "geschürt", bis die Leitung wieder frei war. Als wieder einmal kein Wasser in den Häusern ankam, stellten die Bürger nach ausgiebiger Suche fest, dass ein Frosch am Wasserhochbehälter in die Wasserleitung eingeklemmt war und das Rohr verstopfte.

Am Karsamstag, den 10. April 1909, so ist es in der Wasserchronik festgehalten, ist der Brunnen mit Fichtenbäumchen und weißen, unbemalten Eierschalen erstmals geschmückt worden. An die Zeit des "Wasserholens" erinnert dann neben den mit Eierschalen behangenen vier Fichtenbäumchen eine "Reef", ein länglicher Blecheimer, der auf den Rücken geschnallt wurde. In ihm wurde früher das Wasser mühsam von der Quelle geholt. In der Aufseßer Pfarrbeschreibung von 1909 findet sich folgender Hinweis auf den Osterbrunnen.

"In der Osternacht um 12 Uhr wird auf dem Kirchhof gesungen. Neben Quellen und Brunnen wird eine Fichte aufgestellt und mit Ostereiern behängt. In der Ostersamstagsnacht bekommen die Burschen von den Mädchen Ostereier. Gibt ein Mädchen einem Burschen keines, so tanzt er nicht mit ihr bis nächstes Ostern".

Da Aufseß in diesem Jahr 900 Jahre der Ersterwähnung feiert, dachten sich die Haager Bürger, "Feiern, das können wir auch". Kurzerhand wurde nach dem Schmuck des Osterbrunnens eine Flasche Sekt aufgemacht, in Erinnerung daran, dass 13 Haushalte seit 105 Jahren alljährlich den Brunnen gegenüber dem heutigen Kindergarten schmücken.


Der Wassermangel war allgegenwärtig


Das Problem Wassermangel gab es früher vielfach in der Fränkischen Schweiz. Vor allem auf den Hochflächen, weil Quellen ja bergab in die Täler fließen und nie auf die Hochfläche.

Eine Lösung Der Bau von "Hüllen", kleinen Weihern, in denen Regenwasser gesammelt wurde, funktionierte nur für das Vieh. Das kostbare, saubere und lebensnotwendige Nass musste mühsam vom Tal auf die Höhe geschafft werden. In Aufseß war der Weg nicht so weit, wie zum Beispiel in Engelhardsberg (Riesenburgquelle) oder gar in Gößweinstein (drei Stempfermühlquellen), zu denen die Gößweinsteiner den weitesten Weg hatten.

Das Gedenken In Erinnerung an wasserarme Zeit werden heute in über 200 Orten mehr als 400 "Osterbrunnen" geschmückt. In der Regel bleiben die geschmückten Brunnen bis zwei Wochen nach Ostern stehen. Sie stehen auch für den Beginn der Tourismussaison und haben daher hohe wirtschaftliche Bedeutung.