Zwei Scheunen wurden veredelt

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Aus einer maroden Scheune in der Hauptstraße wurde ein schmuckes Anwesen. Foto: Richard Sänger
Aus einer maroden Scheune in der Hauptstraße wurde ein schmuckes Anwesen.  Foto: Richard Sänger
Das Treppenhaus in der ehemaligen Kummeth-Scheune Foto: sae
Das Treppenhaus in der ehemaligen Kummeth-Scheune  Foto: sae
 
Die Glaß-Scheune (mit Fachwerk) am Marktplatz Foto: Gä
Die Glaß-Scheune (mit Fachwerk) am Marktplatz  Foto: Gä
 
 
 
 
 
 
 
Helmut Glaß (rechts)
Helmut Glaß (rechts)
 
 
Anja Wettstein
Anja Wettstein
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
So sah das Anwesen Kummeth früher aus
So sah das  Anwesen Kummeth früher aus
 
So sah das Anwesen Kummeth früher aus
So sah das  Anwesen Kummeth früher aus
 
So sah das Anwesen Kummeth früher aus
So sah das  Anwesen Kummeth früher aus
 
So sah das Anwesen Kummeth früher aus
So sah das  Anwesen Kummeth früher aus
 
So sah das Anwesen Kummeth früher aus
So sah das  Anwesen Kummeth früher aus
 

Zwei historische Anwesen in der Herzogenauracher Innenstadt wurden am Tag der Städtebauförderung vorgestellt.

Zwei ehemalige Scheunen in der Innenstadt waren am Tag der Städtebauförderung Zielobjekt von Führungen. Die Bauwerke sind nach aufwändiger privater Sanierung einem neuen Nutzungszweck zugeführt worden: die Anwesen der Familien Glaß am Marktplatz 10 a und in der Hauptstraße 65. Beide Objekte sind öffentlich gefördert worden.
In der Scheune der Familie Glaß wurden zwei neue Wohnungen geschaffen, und damit zusätzlicher Wohnraum in der Innenstadt, was die Organisatoren aus dem Rathaus besonders freut. Die Scheune der Familie Kampe, ehemals eine Bäckerei, beherbergt nun gewerbliche Räume im Erdgeschoss und eine Wohnung im Obergeschoss. Anja Wettstein (Planungsamt) und Judith Jochmann (Stadtmarketing) hatten zwei Führungen organisiert, bei denen der Heimatverein mit historischen Hintergrundinformationen helfend zur Seite stand.


Objekt Marktplatz

Es ist eine mächtige Scheune am Marktplatz, die zum Ensemble der früheren Brauerei Glaß gehörte und bis nach dem Zweiten Weltkrieg auf fünf Stockwerken genutzt worden ist. Das stattliche Bauwerk wurde durch das Besitzerehepaar Annita und Helmut Glaß nach rund siebenjähriger Planungszeit Ende 2017 fertiggestellt. Architekt Ralf Nadler und Jürgen Rattmann von der gleichnamigen Herzogenauracher Baufirma gaben den Besuchern Auskunft über die Probleme bei der Umsetzung des Projekts. So galt es nicht nur, die Scheune für zwei Wohnungen umzubauen. Als schwierig erwiesen sich die Auflagen bezüglich des Brandschutzes und der Isolierung in dem Gebäude, das nach einem Großbrand im Jahr 1913 ausschließlich für die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufgebaut worden war.
Vorbesitzer, Landwirt und Brauer Philipp Glaß, hatte 1934 die Brauerei stillgelegt und sich ausschließlich auf die Schweinezucht und die angrenzende Gastwirtschaft konzentriert. Er setzte seinen Neffen Helmut zum Erben ein, der nun den Umbau gestemmt hat. Dabei galt es unter anderem auch den Denkmalschutz zu berücksichtigen. So wurden beispielsweise auch Reste des inneren Stadtmauerrings in das restaurierte Anwesen mit integriert.
Weiträumig sind der Wohnbereich. "Der lädt zum Tanzen ein", merkte ein Besucher an. Und auch die sanitären Anlagen und die Holzböden sind im Glass'schen Scheunen-Neubau vom Feinsten. Vom Kirchenplatz her bietet sich dem Betrachter ein markanter Anblick auf das Anwesen. "Und wenn die Blätter der umgebenden Bäume gefallen sind, so kann ich bei offenen Kirchentüren bis zum Hochaltar der Pfarrkirche schauen", so Helmut Glaß, den die Kirchenglocken dank der perfekten Isolation des Gebäudes keinesfalls aus dem Schlaf reißen. Und auch für das Alter hat der Bauherr vorgesorgt: Ein eigener Schacht lässt die Möglichkeit, einen Behindertenaufzug nachträglich einzubauen.


Objekt Hauptstraße

Das zweite Anwesen der Besichtigungstour führte die Besucher in das Anwesen Hauptstraße 65 der Familie Kampe. Rund 40 Jahre stand der Komplex, vor allem die marode Scheune der früheren Bäckerei Kummeth, den älteren Herzogenaurachern besser bekannt als Bäckerei Freudenberger, in der Kritik der Nachbarn. Die Freudenberger, aus der Oberpfalz stammend, waren eines der ältesten Bäckergeschlechter in der Stadt und hier bereits seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar.
Die alte Scheune, sie stammt aus dem 18. Jahrhundert, war mit dem fast verfallenen breiten Eingangstor 40 Jahre lang schlichtweg ein Schandfleck im Stadtbild. "Nach den Fronleichnamsprozessionen, die hier vorbeiführten, bin ich regelmäßig auf den miserablen Bauzustand des Anwesens angesprochen worden", sagte Bürgermeister German Hacker. Nach der dreijährigen Sanierungsphase nach Plänen des Schwabacher Architekten Helmut Rester, bei der sogar das Scheunendach ca. 30 Zentimeter angehoben werden musste, steht heute ein schmuckes Anwesen am östlichen Ende Hauptstraße.
"Wir mussten aus der Scheune noch jede Menge altes Heu entsorgen; da hat niemand nach dem Brandschutz gefragt", erklärte Michael Kampe, der alle Auflagen zusammen mit seinem Architekten zum Wohlwollen des Brandschutzes gelöst hat. Längst ist im Untergeschoss das Versicherungsbüro von Sigfried Reinhardt eingezogen und die darüber liegende Wohnung wartet inzwischen auf ihre Mieter. Das ehemalige Bäckereigebäude ist ebenso in zartem Grün gehalten wie die einstige Scheune und bietet zwei Wohnungen über einem großen Gewölbekeller, den sich der Hausherr perfekt zum Weinkeller eingerichtet hat.
Karin und Michael Kampe, zwei echte Franken, haben anlässlich einer Stadtführung mit dem Heimatverein ihre Liebe zur Stadt entdeckt und spontan beschlossen, sich im Herzen der Stadt eine Bleibe zu suchen. Und aus dem Wunsch ist nun Wirklichkeit geworden, auch wenn es mit den Behörden, vor allem mit dem Denkmalschutz heiße Diskussionen gegeben hat.
"Anfangs hat man uns nur zugestanden, den Balkon mit dem Freiluftklo abzureißen. Später ging es dann etwas leichter und man schloss immer wieder Vergleiche." Lobend erwähnt Realschullehrer Kampe die hervorragende Zusammenarbeit mit den städtischen Ämtern. "Das war perfekt, wie alle auf uns zugegangen sind und uns geholfen haben", lobte der Besitzer.
Die Teilnehmer an beiden Touren waren angetan von dem, was man dank der Förderungen, der Unterstützung durch die Stadt und des eigenen Mutes innerhalb der Innenstadt bewegen kann. Und so bleibt zu hoffen, dass weitere Besitzer älterer städtischer Anwesen dem Vorbild von Helmut Glaß und Michael Kampe folgen werden, um das Stadtbild in der Innenstadt weiterhin aufzuwerten.



Der Tag der Städtebauförderung


Allgemein Das Bundesbauministerium, die Länder, der Deutsche Städtetag und der Städte- und Gemeindebund laden jährlich alle Kommunen, die mit Mitteln der Städtebauförderung an der Gestaltung ihrer Städte und Gemeinden arbeiten, zur Mitwirkung am Tag der Städtebauförderung ein. Er fand heuer zum vierten Mal statt. Mehr als 500 angemeldete Kommunen aus ganz Deutschland zeigten mit 650 Veranstaltungen, wie die Programme der Städtebauförderung das Lebensumfeld der Bürger positiv verändern und wie sie sich in die Entwicklung der eigenen Stadt einbringen können.

Lokal Die beiden Herzogenauracher Bauvorhaben wurden in enger Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde realisiert. Die Förderung erfolgt im Rahmen des Städtebauförderungprogramms Aktive Stadt- und Ortsteilzentren.