"Kommen Sie doch mal bitte in den Keller". Corinna Wodarz blickt in ein Zimmer des Stadtmuseums und sucht Irene Lederer. Die Kunsthistorikerin aus Höxter ist dabei, knapp 400 Exponate zu platzieren, die sie mitgebracht hat. Alles Originale aus den 70-er Jahren, bunt und schrill wie die damalige Zeit. So sind auch die Krawatten, die sie aneinandergereiht hat. "Kennen Sie jemand, der die binden kann wie damals?"

Die promovierte Kunsthistorikerin ist Leihgeberin eines großen Teils der kommenden Ausstellung im Stadtmuseum am Kirchenplatz. Da geht es in die Zeit von Flower-Power und Weltraumdesign. Der Ausflug in die Vergangenheit mit dem Titel "Fragt Dr. Sommer" wird am Mittwoch eröffnet. Kürzlich war der Gast gemeinsam mit Irene Lederer und Christian Hoyer vom Stadtmuseum mit dem Aufbau befasst.

Corinna Wodarz hat kistenweise Sachen mitgebracht. Sie hat eifrig gesammelt, was in die Zeit passt, diese Epoche gut widerspiegelt und eben auch aus der genannten Zeit stammt. "Ich will nicht sagen, ich habe alles", sagt sie. Aber trotzdem: Sie hat wirklich schi er alles - außer Autos. Für das Herzogenauracher Stadtmuseum hat sie bis zu 400 Exponate ausgesucht, insgesamt verfügt ihre 70-er Sammlung über mehr als 2000 Stücke.


20 000 Objekte gesammelt

Und die gesamte Zahl all ihrer Schätze liegt bei mehr als 20 000 Objekten. Denn die Frau aus dem Weserbergland hat sich nicht nur auf die 70-er Jahre spezialisiert, sondern hat ein ganzes Jahrhundert zusammengetragen: Von 1890 bis 1990 reicht das Spektrum, also von der Industrialisierung bis zur Wiedervereinigung. Darüber hinaus gibt's in ihrem Anwesen auch noch Lego und Playmobil. Ihre Lagerflächen freilich sind knapp, sagt sie schmunzelnd. Und so muss sie sich bei der Suche quer durch Flohmärkte oder Haushaltsauflösungen schon beschränken.

Bei einer Ausstellung über die Wirtschaftswunderzeit der 50-er Jahre hat sie die Herzogenauracher Museumsmacher schon mal unterstützt. Und so kam die Leiterin Irene Lederer auf die Idee, die Sammlerin auch jetzt um Mithilfe zu bitten. Reichlich Material hätte sie auch über die 60-er, sagt die Leihgeberin beim Aufbau am Donnerstag. Doch viele Museen wollen das wohl nicht, weil es etwas langweilig sei, meint sie. Und fügt hinzu: "Die 70-er Jahre sind viel spannender."


Überall kleben Prilblumen

Ist es doch die Zeit der Schlaghosen und Hot Pants, der Plastikmöbel und großformatigen Tapeten in knalligen Farben, und der Prilblumen, die überall kleben. Und es ist die Zeit, in der man noch ungestraft "tschüssikowski" sagen darf, wie Irene Lederer anmerkt.

In den Leihgaben der Frau Wodarz findet sich das alles wieder. Das Wählscheibentelefon, die Ritsch-Ratsch-Klick-Pocketkamera, das Comic-Heft mit Alfred E. Neumann auf dem Cover, die Kinder vom Bahnhof Zoo und die Abenteuer von Perry Rhodan. Ganze Zimmerecken hat sie eingerichtet, mit knallig buntem Style der Designverrückten, aber auch mit den Sperrmüllmöbeln der Hippie-Generation. Aber auch die Welt der Musik und Unterhaltung ist umfangreich. Wim Thoelke und Boney M. finden sich da. Und Abba natürlich. An der Wand hängt ein Che-Guevara-Poster.

Die Sammlerin hat einen besonderen Bezug zu diesem Jahrzehnt. Ist sie als Kind doch in den 70-ern aufgewachsen. Und sie ist der Meinung, dass damals tatsächlich vieles einfacher gewesen sei als heute. "Da lernten sich die Leute aus den unterschiedlichsten Schichten kennen", sagt sie. "Da spielte es keine Rolle, wer was hatte oder machte." Und der gesellschaftliche Kontakt sei auch leichter gewesen. Das Fernsehen hatte drei Programme und Smartphones gab es nicht.

Vervollständigt wird die Ausstellung mit Leihgaben von Herzogenauracher Bürgern. Dazu zählen, wie Irene Lederer anmerkt, vor allem viele Fotos, aber auch einzelne Stücke aus der Zeit.


Über die 70-er Jahre: "Fragt Dr. Sommer"

Die neue Ausstellung des Stadtmuseums über die 70-er Jahre, die Zeit von Flower-Power und Weltraumdesign, nennt sich "Fragt Dr. Sommer"

Die Ausstellung wird am Mittwoch, 9. Mai, um 19 Uhr eröffnet. Es musiziert das Ensemble "The RCR 70s Project".

Geöffnet ist vom 10. Mai bis 22. Juli zu folgenden üblichen Öffnungszeiten: Donnerstag 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr, zusätzlich an Christi Himmelfahrt und Pfingsten.

Der Eintritt kostet zwei Euro (ermäßigt 1,50 Euro), Familien zahlen 4,50 Euro