Die Christbäume hat er bereits verstaut. Irgendwo im Lager, ganz hinten, zwischen all den anderen Dekorationsartikeln und den Kisten mit der Aufschrift: Weihnachten. Sebastian Lang rückt eine Kiste nach hinten. In seinem Spielzeuggeschäft, das er vor gut zwei Jahren im Aischpark-Center eröffnet hat und das nun wegen des Lockdowns erst einmal bis zum 10. Januar geschlossen ist, wechselt gerade das Sortiment. Denn das Weihnachtsgeschäft, sagt Lang, sei für ihn in diesem Jahr passé. "Es tut mir in der Seele weh, aber was hilft's."

Der bundesweite Lockdown trifft den Spielzeugladen hart, den Lang zusammen mit seinem Bruder Michael betreibt. Etwa 30 Prozent des Umsatzes fehlen ihm am Jahresende in der Kasse, sagt er. Schließlich seien die letzten fünf bis sechs Tage vor Weihnachten die wichtigsten im Jahr. "Wir arbeiten das ganze Jahr auf dieses Geschäft hin, wir besuchen Messen und bestellen die neuesten Spielzeugartikel für die Kinder." Der Ärger ist bei Lang deshalb ziemlich groß.

40 000 Einzelhändler haben zu

Doch damit steht der Unternehmer nicht alleine da. Rund 40 000 Einzelhändler mussten am vergangenen Mittwoch ihre Läden schließen. Der Handelsverband Bayern schätzte den Umsatz für die Monate November und Dezember vor Beginn des Lockdowns auf rund 14 Milliarden Euro. Damit hätte man das Vorjahresniveau trotz der Corona-Pandemie sogar noch leicht überschritten, wie Pressesprecher Bernd Ohlmann erklärt. Nun aber werde man sich mit weniger abfinden müssen.

Wie hoch die finanziellen Einbußen genau sein werden, könne Ohlmann nicht abschätzen. Sicher sei, dass durch den Lockdown ein großer Teil des Geschäfts ins Internet abwandern werde. Der Handelsverband rechnet mit einem Onlineumsatz von rund drei Milliarden Euro in diesem Jahr, das entspricht fast einem Drittel mehr als noch im Jahr zuvor. Allein 40 Prozent davon fallen dem Internetriesen Amazon zu. "Das Christkind kommt heuer per Mausklick."

Internethandel legt stark zu

Die Pandemie verdeutliche, wie wichtig es ist, einen gut gemachten Internetauftritt zu haben, sagt Ohlmann. "Der Einzelhandel muss online noch stärker präsent sein." Rund 80 Prozent aller Einzelhändler in Bayern besitzen eine Homepage. Doch höre er immer wieder, dass sich manch Unternehmer gegen eine Onlinepräsenz entscheidet. Wer jedoch im Internet nicht gefunden wird, kann auch im Lockdown keinen Umsatz machen. So sieht es Ohlmann. Und weil der Freistaat nun auch noch das sogenannte Click and Collect - im Netz bestellen, im Laden abholen - gestrichen hat, befürchtet der Pressesprecher, dass sich die Lage im Einzelhandel verschärfen werde.

Der Manager des Aischpark-Centers Tim Grevelhörster sieht das Ganze weniger dramatisch. Durch die offene Bauweise des Einkaufszentrums in Höchstadt habe man schließlich einen großen Vorteil gegenüber den geschlossenen Shoppingmeilen. Die Kunden erledigen ihre Einkäufe meist an der frischen Luft, weswegen sich das Geschäft in den Wochen vor dem Lockdown auf hohem Niveau bewegt habe, sagt Grevelhörster.

Manager sieht ein verlorenes Jahr

Die Bauweise des Zentrums habe dazu beigetragen, dass die Einzelhändler starke Umsätze einfuhren. Zwar könne Grevelhörster keine genauen Umsatzangaben machen. Die Auslastung des Parkplatzes vor dem Aischpark-Center sei aber bis vor dem harten Lockdown "sehr gut" gewesen. Um an die Umsätze des Vorjahresgeschäfts heranzukommen, reiche es jedoch nicht, sagt er.

Dass es für manche Geschäfte dennoch schwierig werden könne, wenn der Lockdown länger als bislang vorgesehen andauere, weiß Grevelhörster. Genau wie Bernd Ohlmann hofft auch er, dass sich das Weihnachtsgeschäft ins neue Jahr verschieben werde. Etwa ein Viertel aller Geschenke, die unter dem Weihnachtsbaum liegen, sind laut Ohlmann Geschenkgutscheine. Diese könnten zum "Problemlöser" für die Einzelhändler werden, da sie noch lange nach dem Lockdown einlösbar sind. "Ich gehe davon aus, dass wir nach dem Dreikönigstag einen Ansturm auf die Läden erleben werden", sagt er.

Hoffung beruht auf nächstem Jahr

Sebastian Lang glaubt nicht an einen solchen Ansturm - schon gar nicht in seinem Geschäft. Schließlich seien viele Spielzeuge extra für die Weihnachtszeit angeschafft worden, sogenannte Trendartikel, die eben nur an Weihnachten funktionieren und danach weg müssen. Außerdem profitiere sein Geschäft von der vorweihnachtlichen Stimmung enorm. "Für manche spielen da die Preise eine kleinere Rolle."

Lang hofft, dass sich die Lage im nächsten Jahr normalisiert. An einen großen Umsatz zu Ostern glaubt er zwar nicht. Aber das Weihnachtsgeschäft, das werde hoffentlich wieder besser ausfallen, sagt er. Dann werde er ins Lager steigen und die Dekorationskisten nach vorne holen. Er wird den Laden schmücken und auch die Weihnachtsbäume wieder aufstellen. Abgenommen werde die Dekoration dann frühestens nach den Weihnachtsferien, zumindest wenn es nach Sebastian Lang geht.