Die erste Hälfte der archäologischen Arbeiten rund ums Schloss ist geschafft. Im Innenbereich der Schlossanlage, die einst ja eine Burg gewesen sein dürfte, sind die so genannten Schürfen geschlossen. Jetzt geht's im östlichen Schlossgraben weiter.
Rechtzeitig vor dem Mittelalterfest sind ja die Gruben direkt im Schlosshof verfüllt worden. Dort hat man den Bergfried gesucht, der Ausschlag geben sollte darüber, dass da im Mittelalter einst eine Burg gestanden hat - als Vorgängerbau des Schlosses. Das Fundament eines solchen Turms hat man auch gefunden (der FT berichtete ausführlich am 21. Juli, "Hier stand der Turm der Burg"). Jetzt sind im nordwestlichen Schlossgraben Fundamente der Burgmauer aufgetaucht. Und direkt am bestehenden Stück der mittelalterlichen Ringmauer haben sich Spuren gefunden, die auf einen Vorgängerbau hindeuten. Alles muss noch untersucht werden.
Rätselhaft bleibt laut Aussage des Grabungsleiter Marco Goldhausen auch ein Kellergang, der entdeckt worden ist und der wohl bis in das 16. Jahrhundert hinein genutzt wurde. Der befindet sich direkt an der Ringmauer, die am Hintereingang zum Schlosshof ans Schloss grenzt. Dort soll künftig die Touristikinfo ihren Platz haben.
Der Gang führt ein paar Meter weit, der Rest ist verschüttet. Er geht wohl hinüber in den östlichen Schlossgraben. Laut Keramikfunden dürfte er ab dem 17. Jahrhundert aufgegeben worden sein, vermutet Goldhausen. Und was hat es damit auf sich, war das mal ein Geheimgang? Davon geht der Chefarchäologe nicht aus. Möglicherweise diente er früher zur Entwässerung.
Auf der anderen Seite, im westlichen Schlossgraben, haben sich Reste der Burgmauer gefunden. Nach dem Turm ist dieses Fundament ein weiterer Zeuge dafür, dass hier mal eine Burg gestanden hat - vermutlich eine Wasserburg, worauf der Graben ja hindeutet. Die ältesten Spuren gehen ins zwölfte Jahrhundert zurück. Darunter ist auch eine Keramikscherbe, die in der Schürfgrube im Schlosshof gefunden wurde.
Die jetzt gefundenen Steinquader dienten als Fundament der Burgmauer, die aus dem Mittelalter stammt und von der ja der östliche Teil noch steht. Hier sollen noch weitere größere Grabungen erfolgen, bevor das Rathaus im Frühjahr 2019 abgebrochen wird. "Wir wollen das komplett freilegen", sagte Goldhausen. Immerhin sind die Quadersteine wohl mindestens ein halbes Jahrtausend alt. Am Wochenende war die Grube noch zu, da standen Zelte des Mittelalterfestes darauf - wie passend!


Alles wird dokumentiert

Sicher ist, dass die Ergebnisse der Grabungen allesamt dokumentiert werden, Teile der Funde sollen für die Nachwelt erhalten bleiben, möglicherweise in Form einer Dauerausstellung bei der Stadt. Die eigentlichen Fundstellen werden verschüttet und verbaut - denn darüber kommt das neue Rathaus zum Stehen. Dass sich diese Arbeiten verzögern könnten, davon gehen weder die Archäologen noch der Bürgermeister bislang aus. Eine echte Sensation hat man offenbar nicht gefunden.Auch nicht den legendären Königshof. Diese Suche geht weiter.