Es tut sich was in der Innenstadt von Höchstadt. Hauptstraße, der Platz Am Graben und der Bereich am Vogelseck sind neu gestaltet. Auch die alte Bausubstanz wird an der einen oder anderen Stelle kräftig aufgehübscht. Nicht nur die Stadt hat in den vergangenen Jahren durch die Sanierung älterer Bauwerke ihren Teil dazu beigetragen, auch Privatleute lassen sich den Erhalt älterer Häuser etwas kosten, wie aktuell am "Töpfla" und an dem Haus am Stadtturm verfolgt werden kann. Aber es gibt auch Grenzen.

Das von der Stadt erworbene Anwesen Untere Brauhausgasse 6, gegenüber dem unter Schutz stehenden Kommunbrauhaus, könnte jetzt zum Streitobjekt zwischen der Stadt Höchstadt und dem Landesamt für Denkmalpflege werden. Die Denkmalschutzbehörde hat diese schon länger nicht mehr bewohnte und inzwischen einsturzgefährdete Doppelhaushälfte in die bayerische Denkmalliste aufgenommen. Die Stadt könne jetzt zwar noch fachliche Einwände vorbringen, entschieden werde aber von der Fachbehörde, sagt Denkmalschutzexperte Karl Gattinger vom Landesamt auf Anfrage des FT.


Zeuge für Tatkraft der Höchstadter

In seiner nächsten Sitzung am kommenden Montag um 18 Uhr im Kommunbrauhaus hat der Stadtrat Gelegenheit, solche Einwände vorzubringen. Wie Gattinger in einer ausführlichen Stellungnahme an die Stadt mitteilt, gehört die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtete Doppelhaushälfte "zu den wenigen Gebäuden in Höchstadt, die aus der unmittelbaren Zeit nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges erhalten sind". Das Haus sei "ein wertvoller baulicher Zeuge für die Tatkraft der Höchstadter Bürger", die 1632/33 ihre völlig zerstörte Stadt wieder aufgebaut haben.

Darüber hinaus dokumentiere das "nahezu unverändert erhaltene Wohnhaus anschaulich die Lebens- und Wohnverhältnisse in einem kleinen fränkischen Marktflecken während der frühen Neuzeit". In der Baubeschreibung besonders erwähnt werden die Segmentbögen über den Fenstern und der Haustür, die aus Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert stammt. Die ursprüngliche Raumaufteilung sei in beiden Geschossen auch noch vorhanden.


Deutliche Worte

Auf heftige Kritik stößt die Unterschutzstellung bei Höchstadts Zweitem Bürgermeister Günter Schulz (SPD), der am Freitag Bürgermeister Gerald Brehm (JL) vertrat. Schulz kündigt für die Stadtratssitzung deutliche Worte an. "Ich war in dem Haus drin. Was da schützenswert sein soll, verstehe ich nicht", sagt Schulz mit Blick auf die Kosten, die eine Sanierung nach Denkmalschutz-Richtlinien mit sich bringen würde. Konkrete Pläne für das Haus gibt es laut Schulz noch nicht

Man könne doch nicht jedes alte Haus unter Schutz stellen, meint Schulz und hegt fast schon den Verdacht, die Denkmalschutzbehörde würde "krampfhaft versuchen, Objekte zu finden". Für den Zweiten Bürgermeister werde hier der Stadtrat vom Landesamt für Denkmalpflege entmündigt.