• Baiersdorf: Gaffer beobachten Rettungsaktion eines Schwimmers am Ausee 
  • Mann wird in Klinik gebracht und stirbt
  • Feuerwehr Röttenbach, Wasserwacht Erlangen und Polizei Erlangen-Land unter anderem beteiligt

Die Feuerwehr Baiersdorf hat am Dienstag (28. Juni 2022) einen Einsatz am Baiersdorfer Ausee erlebt, der den Einsatzkräften in zweierlei Hinsicht nachgeht. Ein 74-jähriger Mann war beim Schwimmen untergegangen und musste vom Grund geborgen werden - ein belastender Einsatz, wie Pressesprecher Sebastian Weber inFranken.de erklärt. Hinzu kam die Schaulust einiger Badegäste, deren Anzahl im Laufe der Zeit sogar anstieg.

Baiersdorf: Mann wird aus See geborgen - 15 Einsatzkräfte müssen Stelle vor Gaffern abschirmen

Am Dienstagnachmittag setzte eine Frau den Notruf ab, weil ihr Ehemann von der Wasseroberfläche verschwunden war, so der Bericht der Feuerwehr Baiersdorf. Die Integrierte Leitstelle alarmierte daraufhin die nötigen Rettungskräfte. Die Feuerwehr Baiersdorf brachte bereits wenige Minuten nach der Alarmierung ihr Boot zu Wasser, während parallel dazu mehrere Feuerwehrleute schwimmend nach dem Mann suchten.

Nach kurzer Zeit konnten diese ihn in rund vier Metern Tiefe orten, sodass Taucher der Feuerwehr Erlangen ihn ans Ufer bringen konnten, heißt es weiter. Weil der Mann kein Lebenszeichen von sich gab, begann die eingeflogene Notärztin mit einer dreißigminütigen Wiederbelebung, so Weber. 

Das Verhalten der anderen Badegäste verärgerte die Feuerwehr, wie Weber zum Ausdruck bringt: "Fünf bis sechs Leute blieben im Umkreis von zehn Metern schamlos auf ihren Plätzen liegen und schauten dem Einsatz zu. Wir und die Polizei hatten keine Zeit, alles abzusperren." 15 Einsatzkräfte seien nötig gewesen, um den Mann vor "ungenierten, teilweise sogar splitterfasernackten" Gaffern mit Decken abzuschirmen, schreibt Kreisbrandinspektor Stefan Brunner in einem Bericht auf Facebook. 

Kreisbrandinspektor wütend nach Einsatz: "Sagt mal, Leute, geht's noch?"

Manche hätten sich sogar mit dem Fahrrad oder zu Fuß mitten hindurchbewegt oder seien mit Bierflasche in der Hand zwischen den Einsatzkräften sitzen geblieben. "Es wurden nicht weniger", so Weber. Auch vom Wasser aus hätten einige versucht, einen Blick zu erhaschen. "Sagt mal, Leute, geht's noch? Habt Ihr den letzten Funken Anstand verloren? Kann man da sich nicht einfach dezent anziehen, aus dem Weg gehen und den Rettungskräften den Weg freimachen und -halten?", so der wütende Appell Brunners.

Zwar sei der Einsatz nicht direkt behindert worden, so Weber. Doch das Verhalten findet er ethisch und moralisch bedenklich. "Man kommt sich doch eigentlich blöd vor, wenn man von den Einsatzkräften angeschaut wird und möchte doch dann den Platz räumen." Diese Einstellung war bei den Schaulustigen allerdings Fehlanzeige. "Denkt mal bitte darüber nach! Danke! Es wäre schön, wenn wir sowas nicht wieder erleben müssten!", so Brunner.

Nach einer knappen Stunde wurde der Mann mit einem Rettungswagen zur weiteren Behandlung in eine Klinik transportiert, erklärt die Feuerwehr Baiersdorf. Hier verlor er den Kampf um sein Leben

An dem Einsatz waren der bodengebundene Rettungsdienst des BRK Erlangen und das BRK Fürth, die Wasserwacht Erlangen, der DLRG Dechsendorf und Erlangen sowie die Polizei Erlangen-Land beteiligt. In einer Nachbesprechung arbeiteten die Feuerwehrleute mit den überwiegend jungen Kolleg*innen die Erlebnisse auf, um einer psychischen Belastung entgegenzuwirken.