Ein ungünstig geparkter Autoanhänger, Plakate mit Stinkefinger, ein Clownsgesicht, das ganze auch in sozialen Netzwerken dokumentiert: Richterin Birgit Griem umriss am Mittwoch nur kurz die Vorgeschichte eines offenbar schon seit längerem schwelenden Nachbarschaftsstreits in Adelsdorf.

Der Konflikt eskalierte schließlich in einer Sommernacht im Juli vergangenen Jahres, so dass sich gestern das Amtsgericht Erlangen damit befassen musste. Auslöser: eine mutmaßlich zum wiederholten Male umgestoßene Mülltonne. Der 57-jährige Inhaber geriet darüber derart in Rage, dass er seinem Nachbarn ins Gesicht schlug und noch einen Schlag hinterher gab, als dieser bereits am Boden lag. Dem Opfer wurden im Krankenhaus eine Gehirnerschütterung, ein Schleudertrauma sowie Prellungen im Gesicht und am Oberkörper attestiert. Er war fast zwei Wochen arbeitsunfähig.

Falsche Verdächtigung

Doch Körperverletzung war gestern nicht der einzige Anklagepunkt. Der Polizeistreife vor Ort erzählte der übergriffig gewordene Mann auch, sein Nachbar sei gerade erst mit dem Auto nach Hause gekommen - und zwar betrunken. Wie sich jedoch zweifelsfrei - auch anhand von Videoaufnahmen zweier Kameras an der Garage des Opfers - belegen ließ, steuerte nicht er, sondern seine Frau das Auto. Diese war nüchtern. Also kam noch das Delikt der falschen Verdächtigung hinzu.

Für beides, die Schläge und die Bezichtigung der Trunkenheitsfahrt, bekam der Mann am Mittwoch sieben Monate auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 500 Euro. Zuvor hatte er alle Punkte eingeräumt, wenn auch nicht den Vorwurf, mit Fäusten und Füßen zugeschlagen zu haben. Er habe lediglich die flache Hand benutzt. Das Geständnis wirkte sich mildernd aufs Urteil aus. Und es bewegte Nebenklage und Staatsanwaltschaft zu einem Deal. Ergebnis: 2000 Euro Schmerzensgeld. Ebenfalls positiv für den 57-Jährigen: Er war nicht vorbestraft.

Kehrt jetzt Frieden ein?

Richterin Griem nutzte ihr Urteil zum Versuch einer Befriedung: "Es wäre gut, wenn heute eine echte Zäsur eintritt." Sie warb darum, abzurüsten und Provokationen zu unterlassen. Sie sollten lernen, miteinander auszukommen. "Sie sehen sich ja spätestens wieder, wenn sie gleich heimkommen und in ihren Carport fahren." Man müsse "nicht gleich einen Stein im Magen haben, wenn man nur das Auto des anderen hört."

Erst nach mehrmaligem Nachfragen der Richterin konnte sich der Angeklagte zu einem echten "Entschuldigung" durchringen. Etwas leiser, in Richtung seines Nachbarn am anderen Ende des Gerichtssaals, fügte er hinzu: "Wir haben uns ja vorher auch geduzt."