Es ist der planerische Knackpunkt des ganzen Großprojekts Stadt-Umland-Bahn (StUB): Wo soll die Straßenbahn einmal über den Wiesengrund im Regnitztal zwischen Erlangen, Alterlangen und Büchenbach kommen?

"Ein heißes Eisen", nannte es Erlangens OB Florian Janik (SPD) bei einem "Lokalforum" im Redoutensaal am Donnerstagabend. Vertreter des StUB-Zweckverbands und der Planungsbüros informierten interessierte Bürger über Optionen der Regnitzquerung.

An möglichen Trassen mangelte es nicht: Ganze 13 Varianten unterlagen der Prüfung der Fachleute. Auch mancher Bürgervorschlag ist dabei. Die 13 Varianten wurden nun auf fünf eingedampft, im März soll eine Vorrangvariante feststehen. Im Sommer will man den Antrag auf ein Raumordnungsverfahren geschnürt haben. Dann prüft die Regierung von Mittelfranken.

Doch vorher gibt es vieles abzuwägen. Neben Naturschutzfragen - davon gibt es im Regnitzgrund einige - wird auch geprüft, welcher Trassenverlauf bei Kosten und Nutzen am besten abschneidet. Wie erreicht die StUB einmal die meisten Fahrgäste? Wo liegen die effektivsten Haltestellen? Wie kommt die Bahn am schnellsten voran? Was bedeutet das preislich bei Bau und Betrieb?

Fest steht jetzt schon, dass es ohne Beton im Wiesengrund nicht gehen wird. "Egal, wo wir den Regnitzgrund queren: Es braucht immer einen Neubau. Ohne geht es nicht", sagt Florian Gräf, Technischer Leiter des StUB-Zweckverbands.

Drei Möglichkeiten

Neubau heißt: Es braucht entweder eine komplett neue oder einen Ausbau einer bestehenden Brücke, je nach Variante. Grob gesagt, gibt es drei Möglichkeiten der Regnitzüberquerung.

Erstens: Im Norden, auf Höhe des Hochhauses "Langer Johann" über den Dechsendorfer Damm. Hier würde die bisherige Brücke um eine Spur ergänzt, die dann ausschließlich die StUB sowie Busse nutzen dürften.

Zweitens: Die StUB könnte im Süden über den Büchenbacher Damm fahren, als Verlängerung der Paul-Gossen-Straße. Auch hier gilt: Es würde keine vorhandene Pkw-Spur gestrichen, sondern die Brückenerweiterung gelte exklusiv für den ÖPNV, sprich StUB und Busse.

Dechsendorfer und Büchenbacher Damm hätten einen Vorteil, sagt Daniel Große-Verspohl, Geschäftsleiter des StUB-Zweckverbands. Es sei "charmant", weil man mit den bestehenden Brücken arbeiten könne.

Anders bei der Variante drei: Die "mittlere Regnitzquerung". Hier müsste eine völlig neue Brücke gebaut werden. Entweder man würde die Wöhrmühlinsel queren oder man würde die Brücke an der A 73-Ausfahrt Erlangen-Zentrum (Werner-von-Siemens-Straße) verlängern. Letzteres gilt als Hauptvorschlag der Planer, die aber alle fünf Varianten weiter prüfen wollen.

Auwald und Seelöcher, die Mückenfledermaus und der große Abendsegler müssen sie berücksichtigen. Ebenso den Hochwasserschutz sowie die Rolle für Naherholung und städtisches Mikroklima. "Naturschutz ist das Wesentliche. Aber mit allen Varianten wird es gewisse Eingriffe in Schutzgebiete geben", sagt Große-Verspohl.

Bei allen Optionen wird als Ausgangspunkt die Güterhallenstraße (Arcaden) angenommen, von wo aus man die Bahngleise unterfahren würde. Eine Version sieht einen Abstecher zu den Großparkplätzen vor. Angedacht wurde auch eine Route, die von den Arcaden durch die Fußgängerzone über Hugenotten- und Schlossplatz bis zum Martin-Luther-Platz führt und dort Richtung Dechsendorfer Damm abbiegt. Doch wegen der zu schmalen Pfarrstraße wird diesem Weg keine Chance eingeräumt - was mancher Besucher des "Lokalforums" bedauerte.

Ost-Ast: Er ist wieder da

Nicht nur in Erlangen wird an der StUB geplant. 14 Kommunen im Osten der Stadt versuchen, den Ost-Ast wiederzubeleben. Sie wollen den Anschluss an die Gräfenbergbahn. Buckenhof, Uttenreuth, Eckental, Heroldsberg und Forchheimer Gemeinden wie Neunkirchen stützen sich auf neue Prognosen zu gestiegenen Pendlerzahlen. 2015 noch im landkreisweiten Bürgerentscheid abgelehnt, wollen die Kommunen mit dem Ost-Ast nun selbst aktiv werden. Bis Ende des Jahres haben sie Zeit, um eine mögliche Planung einzubringen. Nun sollen Studien her, ob das Vorhaben Sinn macht. 60.000 Euro wollen die Kommunen hierfür ausgeben.

Verglichen mit den StUB-Gesamtplanungskosten ist dies wenig. Hier rechnet man mit fast 40 Millionen Euro. Der Bau der StUB im bisherigen Streckenverlauf soll an die 300 Millionen Euro kosten. 90 Prozent sollen von Bund und Land kommen. An Werktagen ist ein 10-Minuten-Takt vorgesehen. Von Büchenbach nach Herzogenaurach wird voraussichtlich im 20-Minuten-Takt gefahren. Aussagen zur Fahrtzeit gibt es noch nicht.

Auf der Webseite des Zweckverbands Stadt-Umland-Bahn kann man sich detailliert über das Infrastrukturprojekt informieren.