Watzinger übernimmt die HSG Erlangen/Niederlindach

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Der erfahrene Trainer Klaus Watzinger will bei der HSG Erlangen/Niederlindach das vorhandene Potenzial ausschöpfen und etwas nachhaltiges schaffen. Foto: privat
Der erfahrene Trainer Klaus Watzinger will bei der HSG Erlangen/Niederlindach das vorhandene Potenzial ausschöpfen und etwas nachhaltiges schaffen. Foto: privat

Walter Anheuer hat sich eine Auszeit verschrieben und räumt den Trainerstuhl beim Bezirksoberligisten für einen 68-Jährigen mit viel Erfahrung.

Knapp drei Jahre lang war Walter Anheuer Cheftrainer bei den Handball-Herren der HSG Erlangen/Niederlindach und schaffte es in dieser Zeit, die Truppe zu einer gestandenen Bezirksoberliga-Mannschaft zu formen. In der kommenden Spielzeit wird Anheuer aber nicht mehr an der Seitenlinie stehen. Zum einen, weil er sich schon länger mit dem Gedanken getragen hatte, eine Handball-Pause einzulegen. Zum anderen, weil er nicht an die vom Verein präferierte Idee einer Doppelspitze glaubte. "Zwei gleichberechtigte Trainer. Ich glaube nicht, dass das funktioniert hätte. Vor allem, weil die Handball-Philosophien von Klaus Watzinger und mir doch sehr unterschiedlich sind."

Deshalb nimmt sich Anheuer schon jetzt die angedachte Auszeit. "Ich trete kürzer, und in einem Jahr schaue ich, ob mir etwas fehlt. Mir hat die Arbeit bei der HSG sehr viel Spaß gemacht. Aber jetzt ist vielleicht die Zeit für neue Impulse." Diese soll Klaus Watzinger geben, der bis Mai noch bei den Handballerinnen der TS Herzogenaurach in der 3. Liga in der Verantwortung stand. Der erfahrene Trainer mit B-Schein will mit der HSG keine kleinen Brötchen backen und offenbart im Gespräch, was er seiner neuen Mannschaft zutraut.

Wie sind Sie zum Trainerposten bei der HSG Erlangen/Niederlindach gekommen?

Klaus Watzinger: Ein Mitglied des Mannschaftsrats hat mich Anfang Juni im Dänemarkurlaub kalt erwischt und angefragt. Ich habe Bereitschaft signalisiert, aber nur, wenn sowohl Mannschaft als auch Verein bereit sind, etwas zu investieren. Aber natürlich wollte ich mir das Ganze vorher auch anschauen.

Wie sind die ersten Eindrücke von Verein und Mannschaft, wie wurden Sie aufgenommen?

Ich kenne den Vorsitzenden Manfred Rühl schon sehr lange, und auch der erste Kontakt mit dem Mannschaftsrat und Vorstand Torben Schindler war positiv. Schnell wurden Einigungen bei den gegenseitigen Vorstellungen erzielt. Außerdem habe ich gespürt, dass großes Interesse besteht, sich in etwas einzuarbeiten, das für alle Beteiligten großes Engagement bedeutet. Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich nicht von Anfang an einen positiven Eindruck bekommen hätte.

Wie steht es in der Mannschaft um Qualität, Teamgeist oder Umfeld?

Vom Teamgeist habe ich ein sehr gutes Gefühl. Die Mannschaft versucht, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Die Spieler sind auch außerhalb des Trainings in Kontakt und ich habe das Gefühl, dass sich alle sehr gut verstehen. Das ist kein Haufen von Individualisten. Im Umfeld muss ich vieles erst noch kennenlernen, aber ich weiß, dass bei der HSG jeder für jeden arbeitet. Alle sind da, wenn sie gebraucht werden. Und natürlich hätte ich den Trainerjob auch nicht angenommen, wenn ich nicht nach den ersten Trainingseinheiten gesehen hätte, dass ein ziemlich gutes Potenzial vorhanden ist und man etwas aufbauen kann.

In der Vorsaison landete die HSG im Mittelfeld der Tabelle. Wie sehen Ihre Ziele aus? Ich möchte im vorderen Feld dabei sein, kann das aber noch nicht richtig abschätzen, da mit Marco Loncar und Lars Boolzen zwei wichtige Speiler nicht mehr zur Verfügung stehen. Dennoch glaube ich, dass wir meine Spielidee gut umsetzen können. Es häng davon ab, wie schnell wir das Erarbeitete in den Punktspielen umsetzen können. Aber eine konkrete Zielsetzung möchte ich erst im November ansetzen. Aber nur gegen den Abstieg spielen oder auf einen Mittelfeldplatz hinzuarbeiten, ist für mich keine Option.

Wie würden Sie sich als Trainer beschreiben? Worauf legen Sie Wert?

Ich habe eine bestimmte Vorstellung vom Handballspiel, die ich - abhängig von der Mannschaft, die mir zur Verfügung steht - umsetzen möchte. Ich möchte Spieler mit Teamgeist, die dem Trainer vertrauen, und verlange präzises Arbeiten. Ist das nicht der Fall, kann ich schnell ungeduldig werden. Es fängt beim Torwart an, geht über die Abwehr und die Einzelarbeit bis in die Kleingruppe und die gesamte Mannschaft: Die Leute müssen bereit sein mitzuziehen, weil sonst bin ich nicht der richtige Mann. Oder anders formuliert: Ich akzeptiere nicht, wenn jemand sein eigenes Ding durchziehen will. Dennoch möchte ich den Spielern Freiraum geben, ihre individuellen Stärken einzubringen. Aber es muss sich am Gesamtkonzept orientieren.

Wie zufrieden Sind Sie mit der bisherigen Vorbereitung?

Die Einstellung der Mannschaft ist super gut, da gibt es überhaupt keine Frage. Die Trainingsbeteiligung war zuletzt nicht optimal, was aber der Urlaubszeit geschuldet ist. Das ehe ich als ein Problem, dass sich in die Saison ziehen wird. Ansonsten hat sich die Mannschaft in der Vorbereitung gut entwickelt und viele Dinge, die ich sehen will, bereits gut umgesetzt. Aber natürlich sind wir erst am Anfang, und ich bin gespannt, wie wir die bisherigen Inhalte beim Trainingsturnier am Wochenende zeigen können.

Was macht den Trainerjob aus? Ich habe meine Karriere als Trainer schon recht früh begonnen. Mir ist es besonders wichtig, dass ich die Dinge, die ich selbst gelernt habe, weitergeben kann. Es ist das Beste, das einem als Trainer passieren kann, wenn man den entsprechenden Erfolg erkennt und wenn man sieht, dass sich die Mannschaft auf das Training einlässt, interessiert ist, intensiv arbeitet, sich selbst engagiert und am Ende etwas Tolles zustande kommt. Mir kommt es drauf an, dass die Mannschaft gut spielt. Ob das dann erfolgreich ist, ist eine andere Sache. Aber wenn ich sehe, dass das, was ich vermitteln will, bei den Spielern ankommt und das Ganze mit Spaß verbunden ist, dann wird mir das auch zurückgegeben. Dann hab ich Spaß am Job - und das ist das Wichtigste.

Wie schätzten Sie die Bezirksoberliga Ostbayern ein? Es sind einige Teams dabei, die sich aus höherklassigen Mannschaften speisen wie der TV Bruck II und der HC Erlangen II. Diese Vereine haben nicht so große Ambitionen in der Liga. Dann gibt es einige Mannschaften, die schon lange in dieser Liga sind. Die TS Herzogenaurach kann ich nicht so gut einschätzen, da sie einige Spieler verloren hat, genau wie bei den Regensburgern. Wenn ich die Liga aus Sicht der HSG betrachte und mir überlege, was wir erreichen können, dann bin ich mir sicher, dass wir von der Qualität her vorn dabei sein könnten. Im Durchschnitt ist das Niveau nicht überragend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Mannschaften dabei sind, die die Dinge so machen wie wir jetzt. Jedoch ist meine Einschätzung sehr vage, da ich nur ansatzweise Spiele gesehen habe. Wenn wir das umsetzen, was wir zurzeit trainieren, läuft alles in die richtige Richtung.