W er regelmäßig bei Laufveranstaltungen in der Region startet, der begegnet interessanten Menschen. Querläufer Jochen Brosig vom FSV Großenseebach trifft sich mit einigen dieser ganz unterschiedlichen Laufsportler auf deren Lieblingslaufrunde. Beim "Lauf gegen den Krebs" in Erlangen lernte er 2018 Jutta Mützer kennen, die er beim Mountainman in Österreich besuchte.

L aufen in den Bergen gibt mir die Kraft und den Ausgleich zum Alltag. Zusammen mit meinem Freund Michael werden wir uns der Herausforderung des "Mountainmans" stellen. Bei der Startnummernausgabe werden wir von der Organisatorin Mützer persönlich begrüßt. Jutta rutschte über ihre berufliche Tätigkeit im Marketing in diesen Bereich. So lernte sie ehemalige Profisportler kennen und machte viele Bekanntschaften im Olympiaumfeld. Alle Olympiasportarten hat sie im Vorfeld selbst getestet. Zum Beispiel einen Fechtkurs mit dem deutschen Fechter des Jahrhunderts, Alexander Pusch. Und Skispringen auf der Kinderschanze mit Jens Weißflog.

Querläufer:

Wie bist du zum Trailrunning gekommen?

Jutta Mützer: In den USA bemerkte ich einen Trend. Dort liefen Leute einen Hindernisparcour, warfen sich in den Dreck, hatten Spaß. Daraus entstand zuerst der "Wolfsman" und dann der Hindernislauf "Runterra" - mittlerweile mit über 2500 Startern. Das weckte schließlich mein Interesse am Trailrunning.

A m Vorabend treffen sich die Teilnehmer zur Pre-Race-Info in der Rambazamba-Bar. Ausführlich werden die Strecken vorgestellt. Sicherheit hat oberste Priorität. Die Gemeinde Großarl ist mit im Boot. Der Leiter der Bergwacht gibt die letzten Sicherheitshinweise. Die Rufnummer der Bergrettung ist auf jeder Startnummer aufgedruckt. Ein Mobiltelefon ist ebenso Pflicht wie eine Rettungsdecke und ein Erste-Hilfe-Set. Ebenso gehört ein eigener Trinkbecher zur Ausrüstung. Andere reden über Nachhaltigkeit, hier wird sie gelebt. Keine Plastikbecher an den Verpflegungsstellen.Verpackungen der Gels und Riegel müssen mit der Startnummer versehen werden. Wird Müll mit der Startnummer gefunden, erfolgt eine Strafgebühr.

Was ist für dich das Besondere am Trailrunning?

Die Verbindung zwischen Sport und Natur. Die Urkraft der Berge spüren. Jeder Trail und jeder Berg ist anders. Die unterschiedliche Landschaft, bergauf und dann wieder bergab. Das ist abwechslungsreich und spannend.

E ntgegen der Wetterprognose sieht es am Lauftag gut aus. Gewitter sollen ausbleiben. Voller Erwartung stehen wir um 6 Uhr am Start. Rudi und Stephan, bekannt vom Spindellauf und Regensburg-Marathon, sorgen für Stimmung und gute Laune. Der Countdown läuft, Kuhglockengeläute schickt uns auf die Strecke. Erst die Trailrunner, danach die Hiker (Wanderer) und zum Schluss die Teilnehmer mit Hund.

Die nächsten zwölf Kilometer geht es die "Himmelsleiter" hinauf. 1200 Höhenmeter über Wurzeln, Steine und Geröll. Weiter durch Matsch, Wiesen und Bachläufe kommen wir zu den ersten Schneefeldern, die wir überqueren. Die Sonne scheint durch die Wolken, der Wind pfeift mir um die Ohren und Michael ruft: "Der Mountainman ist ein richtiges Brett."

Wie entstand der Mountainman?

Nach sieben Jahren Robben durch die Schlammlöcher dieser Welt machte ich eine Auszeit in den Bergen. Dort fand ich meinen neuen Weg bei Trailläufen. Die Idee wuchs. Trailrunner und Hiker können teilnehmen. Die Verpflegung findet an den Hütten statt. Der Umweltgedanke ist uns wichtig. Es gibt keine Plastikbecher. Die Mitnahme von Hunden ist erlaubt.

B ei Kilometer 20 trennen sich unsere Wege. Michael geht auf die große 50-Kilometer-Runde. Ich biege nach links auf 30 Kilometer ab. Den Geschmack vom Kaiserschmarrn auf der Loosbühelalm habe ich noch im Mund. Das Großarl-Tal nennt sich auch Tal der Almen. Und jede Alm hält eine Spezialität für uns bereit. Auf der Bichl-Alm gab es Käsebrot, an der Filzmoosalm wurden wir mit Kuchen versorgt und an der Gerstreitalm erwarten uns Wurstbrote und warme Würstel.

Welche Wettbewerbe gibt es beim Mountainman?

Es werden drei Strecken angeboten: Strecke M mit 15 Kilometern und 900 Höhenmetern. Strecke L mit 30 Kilometern und 1560 Höhenmetern. Strecke XL mit 50 Kilometern und 2560 Höhenmetern. Es gibt eine vorgeschriebene Pflichtausrüstung und das Mindestalter beträgt 18 Jahre.

B eim Fotoshooting auf der Saukaralm lädt mich der Hüttenwirt spontan zu einem Marillenkuchen ein. "Heute Morgen frisch gebacken, gerade aus dem Ofen." Dann muss ich weiter auf die letzten Kilometer. Wer glaubt, man kann es nun locker ausklingen lassen, der ist falsch gewickelt.

Von nun an geht es steil bergab, technisch sehr anspruchsvoll. Wenn man ein Mountainman werden will, muss man bis auf den letzten Meter hochkonzentriert sein. Ein Sturz ist schnell passiert. Das erfuhr Sven am Tag vor dem Lauf bei den letzten Markierungsarbeiten. Eine kleine Unachtsamkeit hatte einen mehrfachen Bänderriss zur Folge. Dafür hat er einen Ehrenplatz im Zieleinlauf stellvertretend für alle Helfer und Unterstützer.

Wie geht es weiter mit dem Mountainman?

In drei Wochen endet die Serie in Reit im Winkl, wo 2018 alles begonnen hat. Wer an allen drei Events 2019 teilgenommen hat, erhält die Trioforia-Medaille. Ab 2020 soll jedes Jahr ein neuer Austragungsort dazukommen.

U nd zum Abschied gibt mir Jutta ihr Motto mit auf den Weg: "Habe Freude am Leben, denn alles ist vergänglich. Versuche, das zu machen, was dir Energie gibt." Danach geht es auf den Berg. Das jährliche Sonnenwendfeuer "Berge in Flammen" ist ein riesiges Spektakel in Großarl.

Run happy and smile!

Euer Querläufer