Wenn das runde Leder ruht, haben Randsportarten die Chance, sich auf einer größeren Bühne zu präsentieren. Dies möchten kleinere Vereine zu ihren Gunsten ausnutzen. So auch in Herzogenaurach. Seit 14 Jahren gehört das Neujahrsturnier des Billardclub '97 zu den etablierten Veranstaltungen im Frühjahr. Auch am vergangenen Samstag trafen sich wieder Sportler aus nah und fern, um sich im traditionellen 9-Ball miteinander zu messen.
Dabei präsentierte der BC '97 erwartungsgemäß eine attraktive Teilnehmerliste, die bereits im Vorfeld zahlreiche sehenswerte Partien versprochen hatte. Insgesamt 32 Spieler gingen beim 14. Neujahrsturnier an den Start. Namen wie Nicolas Ottermann, der für den BV Mörfelden-Walldorf in der 1. Bundesliga antritt, oder der italienische Nationalspieler Antonio Benvenuto lieferten wie auch in den Vorjahren unter den Augen des BCH-Vorstandes Klaus Richter sehenswerte Partien ab.

Letzterer verfolgte das Turnier, das von Samstagvormittag bis Sonntagmorgen um 6.30 Uhr andauerte, von Beginn an: "Es ist toll, dass wir jedes Jahr ein derart hochkarätiges Teilnehmerfeld zu uns locken können." Doch neben all den sowohl national als auch international erfolgreichen Billard-Künstlern schickte auch der Gastgeber drei Lokalmatadoren ins Rennen.

Besondere Motivation

Einer von ihnen war Adrian Schug. Bereits zum vierten Mal griff der 31 Jahre alte Polizist beim Neujahrsturnier zum Queue. Sonst vertritt er die Farben der Kreisliga-Mannschaft des Billardclubs Herzogenaurach. Obwohl mit dem kroatischen Nationalspieler Philipp Stojanovic ein haushoher Favorit kurz vor Turnierstart noch abgesagt hatte, schätzte Schug seine Konkurrenz als noch stärker als in den Vorjahren ein.
Einen Grund dafür sieht er in der Preisgeldregelung: "Bei vielen ähnlichen Wettbewerben bekommen die ersten acht Plätze ein kleines Preisgeld. Hier werden nur die besten Drei mit höheren Preisgeldern belohnt. Das motiviert die Spitzenspieler natürlich umso mehr." Für ihn selbst lief es zu Beginn durchwachsen. Zwar konnte Schug seine erste Partie mit 7:6 knapp gewinnen, allerdings musste er diese ausgerechnet gegen seinen Vereinskollegen Erich Fischer bestreiten. Im Folgespiel musste Schug, der vor Kurzem noch mittelfränkischer Meister im Spielmodus "14 und 1 und endlos" geworden war, allerdings seine erste Niederlage hinnehmen. Gegen den griechischen Nationalspieler Vangelis Vettas zog er mit 4:7 den Kürzeren.
Dass im Laufe eines langen und kräftezehrenden Turniertages auch die Profis Federn lassen, zeigte sich schon früh. So rutschte Vorjahressieger Bernd Jahnke von Fortuna Straubing in seinem ersten Spiel überraschend aus und musste sich über die Verliererrunde zurück ins Turnier kämpfen. Dort traf er unter anderem auch auf Adrian Schug. Resultat war eine deutliche 2:7-Pleite für den krassen Außenseiter aus Herzogenaurach und das damit verbundene frühzeitige Ausscheiden aus dem Wettbewerb.
Für den 31-Jährigen aber kein Beinbruch. Immerhin war er sich seiner Außenseiterrolle durchaus bewusst und wollte lediglich "einen momentanen Leistungstest" absolvieren. Schließlich steht dem Queueschwinger des BC '97 noch ein anspruchsvolles Aufstiegsrennen in der Kreisliga bevor, auf das er sich nun konzentrieren möchte.

Nach Satzverlust aufgetrumpft

Der Turniertag ging für Bernd Jahnke hingegen noch weiter. Nach seiner anfänglichen Niederlage gelang ihm sogar noch der Sprung ins Finale. Dort traf er auf Ottermann, der bis dahin eine makellose Bilanz vorzuweisen und jede Partie deutlich für sich entschieden hatte. Das Finale hielt, was es versprach. Nachdem Jahnke den ersten Satz gewinnen konnte, trumpfte sein Kontrahent daraufhin auf und fuhr einen knappen 11:9-Erfolg ein. Damit verhinderte Ottermann die Titelverteidigung Jahnkes und durfte sich über ein Preisgeld von 575 Euro und eine kostenlose Jahresmitgliedschaft beim BC '97 freuen. Auf dem dritten Platz landete der erst 20-jährige Aschaffenburger Patrick Gast, der als Bezirksligaspieler eher als Underdog eingestuft worden war und sich unauffällig durch das ganze Feld gekämpft hatte.