Im letzten Saisonspiel der A-Klasse 1 ER/PEG gab Marek Mintal sein Debüt für Victoria Erlangen und machte seinem Spitznamen alle Ehre. Dabei tat sich der Favorit lange schwere gegen eine gute Heimelf aus Frauenaurach, setzte sich aber auch dank des Treffers des "Phantoms" mit 3:1 durch. Mit diesem Sieg erzwangen die Erlanger ein Entscheidungsspiel um Platz 2, bei dem sie heute 18.30 Uhr in Spardorf auf den Stadtrivalen SG Siemens Erlangen treffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Mintal dabei erneut die Schuhe für die Victoria schnürt, ist groß, denn der Gewinner dieser Partie steigt direkt in die Kreisklasse auf. Der Verlierer muss in die Relegation.


Ein bescheidener Sportsmann

Ja, es hat Marek Mintal Laune gemacht wieder auf dem Spielfeld zu stehen. "Es war schön nach langer Zeit mal wieder zu spielen.
Wenn du gewinnst, dann macht es natürlich noch mehr Spaß", sagte der Slowake nach der Partie in Frauenaurach und grinste verschmitzt auf die Frage, ob er denn weiter machen würde bei den Spaßkickern aus Erlangen: "Ich muss hier noch mal mit dem Führungspersonal sprechen wegen meiner Vertragsverlängerung." Dass die Victoria keine Scheu vor großen Namen hat, hat schon das Beispiel Sasa Ciric bewiesen, der auch nur einmal aus Spaß mitkickte, wie einer der Gründungsväter der Victoria, Frank Kawretzke, erzählte. "Und dann sind es vier Jahre geworden."
Dass der Ex-Profi nicht den großen Zampano auf dem Spielfeld herauslassen würde, war irgendwie klar. Denn zu bescheiden hatte der 38-Jährige schon während seiner Profizeit agiert und war nicht für große Sprüche bekannt. Auf dem Feld bei der Victoria war es dann auch ähnlich. Fair entschuldigte sich der Ex-Torschützenkönig der Bundesliga bei jedem Foul, großen Szenenapplaus gab es von allen Zuschauern, als der Slowake einen Angriff alleine vor dem Tor abbrach, um den Ball ins Aus zu spielen, weil ein Gegenspieler im Zweikampf verletzt auf dem Boden liegen geblieben war.


Keine Brührungsängste

Ansonsten bewegte sich der Offensivmann sehr gut, wirkte austrainiert, spielte kaum Fehlpässe und dirigierte gut seine Mitspieler. Auch die Namen aller Mitspieler kannte Mintal - nicht selbstverständlich, wenn man das erste Mal mit neuen Mitspielern agiert. Dass dann am Ende noch ein Tor heraussprang, passte zu dem Spiel mit dem Hauptdarsteller. "Das Tor war natürlich schön, das gehört dazu.", freute sich Mintal dann auch und kassierte ein Lob von einem kleinen Fan, der neben dem durch den starken Regen tropfnassen Star stand. Und auch seine Kollegen hatten keine Berührungsängste vor dem Ex-Profi. "Ich habe Marek vor der Partie gesagt, dass er jetzt endlich mit einem gescheiten Zehner zusammen spielt", sagte beispielsweise Taner Koc, der sich freute, einmal mit dem Slowaken aufzulaufen.


Ein echtes Schnäppchen

Alles begann für Marek Mintal bei MŠK Žilina als der damals 19-Jährige gleich in seinem ersten Spiel in der ersten Liga seines Heimatlandes einen Treffer erzielte. Nach und nach erkämpfte sich der Offensivmann einen Stammplatz in seinem Heimatverein und durfte sogar mit zu Olympia nach Syndey, auch wenn er nur beim Spiel gegen Japan eingesetzt wurde. 2002 folgte das Debüt in der slowakischen Nationalmannschaft, ein Jahr später wurde der 1. FC Nürnberg auf den Nachwuchsmann aufmerksam und verpflichtete ihn für den Schnäppchenpreis von 100 000 Euro.
Es sollte eine erfolgreiche Liäson werden, denn bereits im ersten Jahr in der zweiten Liga wurde der Offensivallrounder Torschützenkönig und arbeitete an seinem Ruf als Torphantom. Innerhalb von vier Jahren erzielte Mintal in drei verschiedenen Ligen die meisten Treffer. Denn vor seinem Wechsel zum Club gelang ihm dieses Kunststück in der slowakischen Liga, und auch im deutschen Oberhaus war der Stürmer nicht zu stoppen. Mit dem Club gelang auch noch der Pokalsieg 2007, dem allerdings der Abstieg in die zweite Liga folgte. Trotz einiger Angebote blieb Mintal in Nürnberg und sorgte mit einen Treffer in der Aufstiegsrelegation gegen Cottbus für die Rückkehr in die Bundesliga.


Stabilisator in der U23

2011 - Mintal war zuvor nur noch Ergänzungsspieler beim Club gewesen - ließ der Slowake seine Karriere bei Hansa Rostock ausklingen. Allerdings endete das Engagement mit dem Abstieg in die dritte Liga, obwohl das Phantom im letzten Spiel gegen Greuther Fürth noch ein Tor zum Unentschieden beisteuerte. 2012 ging es zurück zum Club, wo Mintal bei der U23 für Stabilität sorgen sollte. Zusätzlich übernahm der verdiente Spieler ein Traineramt in der U19, das er noch heute ausfüllt.
Nach elf Treffern in 30 Spielen hängte Marek Mintal und seine Fußballschuhe endgültig an den Nagel - zumindest sah es danach aus. Doch Victoria Erlangen überzeugte den sympathischen Sportler, noch einmal in der A-Klasse anzugreifen. "Schauen wir mal, ob ich noch mal spiele", sagte der Ex-Profi nach der Partie - man könnte es auch als nicht ganz ernst gemeinte Drohung für kommende Gegner der Victoria sehen.