Kein Tor in den letzten fünf Minuten - eine Auszeichnung für die Torhüter Klemen Ferlin vom HC Erlangen und Malte Semisch vom TSV GWD Minden. Aber auch ein Zeichen für eine verkrampfte Offensive beim 21:21 - vom Spielverlauf her war das Ergebnis in der Bundesliga-Partie gerecht. So wirklich zufrieden war indes keiner der beiden Handballklubs.

Von Beginn an war das Spiel zwischen Erlangen und Minden am Samstagabend umkämpft. Mindens Kevin Gulliksen markierte durch einen Tempogegenstoß-Treffer die Führung, Doruk Pehlivan netzte zum 2:0 ein. Das erste Tor der Erlanger erzielte Christopher Bissel in der vierten Minute - 1:2. Nach elf Minuten war der GWD bereits mit 6:3 in Führung, dann traf einer der gefährlichsten Schützen der Bundesliga: Sime Ivic (12.).

Sime Ivic wechselt nach Leipzig

Wie die Erlanger am Freitag bekannt gaben, wird Ivic den Verein am Saisonende verlassen und nach Leipzig zum SC DHfK wechseln. Der 1,95 Meter große Kroate war 2019 zu den Erlangern gekommen. "Sime hat sich menschlich und sportlich großartig bei uns präsentiert", wird HCE-Geschäftsführer René Selke auf der Vereins-Homepage zitiert. Dennoch konnte sich der HC Erlangen mit dem Kroaten nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen. Dafür unterschrieb dieser bis 2024 in Leipzig. "Neben seiner Wurfkraft verfügt Sime auch über ein hohes Spielverständnis", sagte DHfK-Trainer André Haber über den Neuzugang.

Wunschspieler kehrt zurück

Für Ivic wechselt dafür Christoph Steinert vom SC Magdeburg zu den Franken zurück. Ab dem 1. Juli wird der 30-jährige Juniorenweltmeister von 2011 mit Antonio Metzner gemeinsam das Linkshänder-Duo im Rückraum bilden. "Steini war der Wunschspieler unseres Trainers Michael Haaß, der vor allem seine Zuverlässigkeit, Kampfkraft und Abwehrstärke schätzt", sagte Selke. "Sein Abgang nach Magdeburg hatte uns 2019 geschmerzt, weil er seinerzeit wohl unser bester Rückraumspieler war. Dass er sich trotz diverser anderer Angebote für uns entschieden hat, freut uns sehr."

Erste Führung nach 26 Minuten

Doch noch spielt Ivic für den HCE. Seine Treffer waren im Spiel gegen den TSV GWD Minden genauso wichtig wie die starke Leistung von Antonio Metzner in der ersten Hälfte. Mit einer beherzten Aktion erzielte Metzner das 5:7 (16.). Durch die Treffer von Metzner und Bissel schafften es die Franken, auf 8:9 heranzukommen (21.). Tarek Marschall und Hampus Olsson warfen die Erlanger erstmals in Führung (10:9, 26.). Die Gäste mussten aufgrund einiger Verletzter im Abwehrzentrum improvisieren, der HCE biss sich rein. Mit der knappen 12:11-Führung ging es in die Pause.

Bei den Gästen konnte der Ex-Erlanger Carsten Lichtlein nicht mehr weitermachen. Der Torwart wurde wegen einer Handwurzelverletzung geschont. Für ihn kam Malte Semisch. Der HC Erlangen zwang seinen Gegner nach Wiederbeginn ins Zeitspiel, doch weil Metzner die Zeitstrafe sah, konnte Christoffer Rambo den 12:12-Ausgleich erzielen (33.). Beide Mannschaften lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, die Führung wechselte immer wieder hin und her. Nach einem Doppelschlag von Ivic führte der HCE in der 48. Minute mit 19:18, aber die Ostwestfalen glichen durch den Schlagwurf von Juri Knorr wieder zum 19:19 aus (50.). Die Treffer von Ivic sorgten für die Zwei-Tore-Führung der Erlanger (53.), aber weil Ivic kurz danach die Zeitstrafe sah, kam der GWD in Überzahl wieder zum 21:21-Ausgleich.

"Auch wenn wir im zweiten Durchgang nicht mehr so fahrig gespielt haben, haben wir es nicht geschafft, uns gute Torchancen zu kreieren", sagte HC-Trainer Michael Haaß. "Meine Mannschaft hat dennoch bis zum Schluss gekämpft und deshalb mache ich meinem Team dahingehend keinen Vorwurf. Dennoch müssen wir es schaffen, trotz unserer dünnen Besetzung, wieder mehr Torgefahr auszustrahlen."

HC Erlangen: Ferlin/Ziemer - Jaeger, Kellner (2), Firnhaber, Ivic (7/2), Bissel (2), Schäffer, Metzner (4), Olsson (2/1), von Gruchalla, Marschall, Overby (1), Mosindi, Link (2), Büdel