So kann man ein Eishockey-Spiel kaum gewinnen: Fast immer ein Gegentor in Unterzahl, so gut wie nie ein Treffer in Überzahl. Nach zwei Siegen in Folge riss die kleine Serie des Höchstadter EC bei den Blue Devils Weiden (3:6). Sieben Aspekte des Nord-Derbys der Oberliga Süd.

1 Minute und elf Sekunden waren rum, da erzielte Anton Seewald auf Vorlage von Michail Guft-Sokolov das 1:0 für die Alligators. "Es war eine glückliche Führung", sagte Höchstadts Teammanager Daniel Tratz hinterher. Später lief es umgekehrt. "Im zweiten Drittel war es Einbahnstraßen-Hockey, wir hatten Chancen ohne Ende. Der Knackpunkt waren die Zeitstrafen und das 5:3 für Weiden", so Tratz. Der 30-Jährige hatte den Puck beim Abstauber von Dennis Palka (40.) nicht hinter der Linie gesehen. Die Proteste der Aischgründer liefen ins Leere. Apropos Lehr: Für Tratz war Devils-Goalie Philip Lehr der Spieler des Spiels. Fangquote: 92 Prozent.

2 Treffer steuerte Ralf Herbst bei. Sein Doppelschlag in der 25. und 26. Minute nach Doppelpass mit Barry Noe und per Abstauber nach einem Noe-Schuss leitete die fünfte Niederlage der Mittelfranken und den siebten Sieg der Oberpfälzer ein.

3-facher Vater wurde der Co-Kommentator des beim Internet-Streamingdienst Sprade-TV übertragenen Spiels. Deshalb verabschiedete sich Daniel Sommer nach dem ersten Durchgang vom Mikrofon. Ein Baby pro Drittel - der gesund geborene Nachwuchs ist bereits ganz auf das Hobby des Papas getrimmt, daran ändert auch der Nachname nichts.

4 Unparteiische waren am Dienstag auf dem Eis: Zwei statt ein Hauptschiedsrichter und zwei Linienrichter. Hintergrund ist, dass der Deutsche Eishockey-Bund den Rhythmus und damit die Qualität der Referees hochhalten möchte, während der Nachwuchs und die unteren Ligen pausieren. Aber nur dort, wo es das Hygienekonzept zulässt. "In Höchstadt geht es aufgrund der Gegebenheiten nicht", teilt DEB-Pressesprecher Ruben Stark mit. Für die Hausherren war es bereits der zweite "Testlauf", die Gäste kamen das erste Mal in den Genuss eines schwarz-weißen Quartetts. Ungewohnt war es deshalb wohl für Domantas Cypas, der bei seinem Check gegen Tomas Rubes auch einen Schiri umwarf. Der Referee konnte weitermachen, Cypas musste für zwei Minuten auf die Bank, für den Topscorer der Devils endete die Begegnung mit einer ausgekugelten Schulter.

5 Mal musste ein Höchstadter in Weiden auf die Strafbank. Eigentlich keine dramatische Zahl, aber "die Unterzahlen haben uns das Spiel gekostet. Da müssen wir cleverer werden", resümierte HEC-Stürmer Thilo Grau. Im Fünf-gegen-Fünf war sein Team stärker, gab 37 Schüsse auf das gegnerische Tor ab (Weiden: 23). "Da wäre mehr drin gewesen, aber es fehlte einfach das Glück", sagte der Torschütze zum 3:4 in der 29. Minute.

6 Tore erzielte Weiden - zum dritten Mal in dieser Saison. Für Höchstadt war es die zweite Begegnung in dieser Spielzeit mit einem halben Dutzend Gegentoren. Für das 1:1 zeichnete Marco Pronath per Abstauber in der 13. Minute verantwortlich. Der 27-Jährige stand 2015/16 für die Alligators in der Bayernliga auf dem Eis.

7 der neun Gegentore in den beiden vergangenen Spielen kassierte Höchstadt in Unterzahl. Lag das nun am schlechten Auftreten des HEC mit einem Mann weniger? Oder am starken Powerplay der Gegner Lindau (drei Treffer in Überzahl) und Weiden (4)? Der Trainer der Blue Devils ließ sich bei der Pressekonferenz ohne Presse nach dem Duell am Dienstag nur so viel entlocken: "Die Special-Teams machen viel aus. In Unterzahl waren wir top." Die Gastgeber hielten sich in ihren insgesamt acht Strafminuten nämlich schadlos.