Es war ein offener, kampfbetonter Schlagabtausch, den sich die Handballerinnen der TS Herzogenaurach im Relegations-Hinspiel in der gut gefüllten Gymnasiumhalle mit dem HV Chemnitz lieferten. Die erfahrenen Gäste aus Chemnitz erwischten in Sachen Chancenverwertung einen Sahnetag und ließen ihre Abgezocktheit bei zwei Schwächephasen der Gastgeberinnen durchblitzen.
Die TSH ließ sich aber selbst von zwischenzeitlich sechs Toren Rückstand nicht schocken, kämpfte sich immer wieder heran und hatte durchaus Gelegenheiten, die Wende zu schaffen. "Wir haben den einen oder anderen freien Wurf nicht verwertet und waren bei Gegenstößen hier und da nicht konsequent. Aber wir haben auch gemerkt, dass gegen Chemnitz etwas drin ist und gehen deshalb mit Zuversicht ins Rückspiel", erklärte Trainer Mirko Scholten am Tag danach.


TS Herzogenaurach - HV Chemnitz 24:26

Das 1:0 durch Laila Schneidereit nach 56 Sekunden war in der ersten Halbzeit die einzige Führung für die TSH, die in der Folge zunächst die richtigen Antworten fand, nach zehn Minuten aber den Rhythmus verlor und über 5:6 mit 5:9 in Rückstand geriet. Eine Auszeit (14.) brachte nicht den gewünschten Erfolg, die hinten engagiert zupackenden und vorn kaltschnäuzigen Chemnitzerinnen zogen auf sechs Tore davon (21.). Daran änderte sich erst in den Schlussminuten der ersten Halbzeit noch etwas, Tore von Schneidereit, Laura Wedrich und Kristin Lang zum 11:14 ließen das TSH-Lager wieder hoffen.
So entwickelte sich in der zweiten Halbzeit ein offener, kampfbetonter Schlagabtausch, bei dem die Gastgeberinnen sich trotzdem lange mit vier bis fünf Treffern im Hintertreffen sahen. Doch Herzogenaurach bewies Moral, kämpfte sich Mitte der zweiten Halbzeit - gestützt auf eine starke Kira Knauer im Tor - Treffer um Treffer heran. Über 14:18 (36.) vekürzten Sarah Stephan, Saskia Probst, Lang und Wedrich bis auf 19:20 (45.). Das Team des Trainerduos Klaus Watzinger und Mirko Scholten hatte also noch eine Viertelstunde Zeit, die Wende zu schaffen.


Kein Ding der Unmöglichkeit

Doch eine weitere Auszeit hatte nicht die erhoffte Wirkung, zumal mit Lang wenig später ein Aktivposten vom Platz gestellt wurde (53.). Die Köpfe ließen die Herzogenauracherinnen vor 350 lautstarken Zuschauern aber zu keinem Zeitpunkt hängen, verkürzten durch einen Siebenmeter von Wedrich zwei Sekunden vor Schluss zumindest noch auf 24:26 und erhielten sich die Chance, beim Rückspiel in Chemnitz am morgigen Dienstag, den erhofften Klassenerhalt sicherzustellen. Drei Tore Unterschied sind kein Ding der Unmöglichkeit.
Das sah auch Scholten so: "Die Mannschaft hat sich unglaublich weiterentwickelt und hätte sich ein weiteres Jahr 3. Liga absolut verdient. Wir fahren jetzt nach Chemnitz, gewinnen mit drei Toren Unterschied - und dann ist alles gut. Die Halle wird brennen, aber mit der Einstellung, die wir ab der 45. Minute an den Tag gelegt haben, ist alles möglich. Und auch taktisch können wir noch nachlegen."
Im Rückspiel ist die TSH vielleicht noch um eine personelle Option reicher: Viktoria Egle sollte schon am Samstag ihr Comeback geben, wurde aufgrund eine leichten Mandelentzündung aber geschont.
TSH: Knauer, Gerling - Stephan (2), Wedrich (6/2), Bestle (4), Probst (5), Schneidereit (5), Lang (2), Merz, Erdmann, Theobald, Mittelheisser, Müller-Tegel