Ein Treppenhaus, vier Stockwerke, 2856 Stufen - was den einen oder anderen Otto-Normal-Sportler bereits beim Lesen ins Schwitzen bringt, war für 27 Hobbysportler am Sonntag eine gelungene Mittags-Herausforderung. Der sechste Erlanger Treppenlauf, der vom Amt für Gebäudemanagement im kleinen Rathaus in der Schuhstraße traditionell veranstaltet wird, hatte in diesem Jahr seine bisherigen Teilnehmerzahlen übertroffen. Der erfahrene Erlanger Treppenläufer Christian Riedl landete einen souveränen Start-Ziel-Sieg.

Insgesamt 17 Runden mussten alle Teilnehmer durch das gesamte Treppenhaus drehen. Unter Zeitmessung wurde bis hoch in den vierten Stock gesprintet, von dort aus wieder in das Erdgeschoss zurückgekehrt und diese Tour stolze 16 Mal wiederholt. Dabei kristallisierten sich bereits unmittelbar nach Startschuss zwei Favoriten heraus.


Mit Thomas Drechsler und Riedl übernahmen von Beginn an zwei erfahrene Laufsportler die Führung. Hinter ihnen tummelten sich hingegen zahlreiche Freizeitsportler, die sich sichtlich bemühten, den engen Parcours zu meistern. Die meisten von ihnen waren Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Angehörige, die erste Erfahrungen mit der Randsportart machten. Riedl hingegen ist selbst unter den Profi-Treppenläufern ein erfahrener Hase.
Erst vor wenigen Wochen entschied er den 38. Empire State Building Run Up in New York für sich.

Für den 34-Jährigen war der überschaubare Wettkampf im Erlanger Rathaus daher eher eine lockere Trainingseinheit. "Das ist eigentlich kein typischer Treppenlauf hier", sagte Riedl, "dadurch, dass es auch mal ebene Abschnitte gibt und alles sehr eng und verwinkelt ist, kann man das nicht unbedingt mit professionellen Treppenlauf-Veranstaltungen vergleichen. Spaß hat es trotzdem gemacht." Exakt 26 Minuten brauchte er, um 17 Mal in den vierten Stock und wieder zurück zu rennen.

Hawaii, New York, Paris

Dabei fiel auf, dass er im Gegensatz zu seinen Kontrahenten eine andere Taktik hatte. "Ich habe versucht, mit einem Schritt immer gleich drei, vier Stufen mitzunehmen. Gerade beim Abwärtslaufen kann man somit ordentlich Tempo geben", erklärte er. Mehrmals in der Woche trainiert der werdende Vater für solche Wettkämpfe. Der einstige Triathlet, der 2013 bereits beim Ironman auf Hawaii antrat und das Ziel auch erreichte, sucht sich geeignete Park- und Wohnhäuser, um Stufensprints zu trainieren. Eine eher ungewöhnliche Sportart, die für Riedl aber einen besonderen Reiz hat.

"Es ist ein Jedermann-Sport. Jeder kann sich ohne spezielles Training mal daran versuchen, wie hier beim Erlanger Treppenlauf. Für mich liegt der Reiz darin, dass ich besonders schnell an mein körperliches Limit komme", sagt der Physiker, der zwei Minuten vor seinem Verfolger Drechsler ins Ziel lief. Mit Hawaii und New York hat sich Riedl bereits zwei Ziele erfüllt. Nun möchte er die Trendsportart auch nach Deutschland bringen. Umso mehr freute es ihn, dass auch Erlangen allmählich auf den Geschmack des Towerrunnings gekommen ist.

"Dieser Treppenlauf hier ist ein Anfang. Aber es wäre natürlich auch toll, wenn sich ein hiesiger Laufsportverein dafür entscheiden würde, so einen Wettkampf mal zu veranstalten", so der 34-Jährige, für den es in knapp drei Wochen nach Paris geht. Der Eiffelturm wartet - und mit ihm 1665 Stufen, die erklommen werden wollen.