Nicht nur, dass am Rednerpult das Schild "Jetzt ist Schulz" lehnte. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich als Hauptrednerin machte auch deutlich, was sie von der Union hält. "Vollkommen beseelt komme ich vom größten SPD-Aschmittwoch in Vilshofen", gab sich die Abgeordnete noch am Abend ganz euphorisch.

Mit dem Aschermittwoch sei der Wahlkampf eröffnet: "Wir wollen gewinnen! Wir wollen, dass Martin Schulz ins Kanzleramt geht", erklärte die Abgeordnete unter Beifall bei der gut besuchten Veranstaltung in de Braustube Heller. So sei mit ihm die Zuversicht gewachsen und er bringe neue Kraft und Spaß in den Wahlkampf. "Martin Schulz ist immer einer von uns geblieben. Nie abgehoben. Er redet mit den Menschen auf Augenhöhe - so wie er auch mit allen wichtigen Staatsmännern und -frauen in Europa und weltweit auf Augenhöhe verhandelt". Und wieder gab es Beifall der zahlreichen Genossen.

Die Union hoffe, dass die Party nach dem Aschermittwoch bald vorbei sei und sie ihren Kater behandeln könne. "Da müssen wir die Schwarzen aber enttäuschen. Im Gegenteil: Wir machen ernst - und haben Spaß dabei! Denn mit Martin Schulz in den Wahlkampf zu ziehen, ist wie mit einem Hochgeschwindigkeitszug - klar: ohne Bremsen! - Richtung Kanzleramt. Adrenalin pur. Ich freue mich darauf".

Schulz habe im Willy-Brandt-Haus mit einem Paukenschlag den Deckel geöffnet und die SPD schnellte steil nach oben, denn sie mache gute Politik in der Regierung, nicht die Union. "Der Zug rollt und zwar mit voller Kraft". So liege vor der SPD ein Jahr, das fundamentale Weichenstellungen bringen wird, für Deutschland, für Europa und für die ganze Welt. Die Rednerin warf auch einen Blick zurück, so habe das Jahr 2016 manchem den Atem verschlagen.

Es wurde in der USA ein Baulöwe und Multimillionär sowie Veranstalter von Schönheitswettbewerben zum mächtigsten Mann der Welt gewählt. Ein Pöbler, der Frauen, Menschen mit Behinderungen und Minderheiten beschimpfe und verhöhne. Einer, der über kein einziges durchdachtes politisches Konzept verfüge und für den Belgien eine wunderschöne Stadt sei. Die USA drohen laut Rednerin zu einem Ort der Finsternis zu werden. Ein Land, das sich einmauert. Ein Land, das Menschen ausgrenzt und Muslimen die Einreise verwehrt. Ein Land, in dem sich Reiche schamlos weiter bereichern können. Ein Land, das die Stärke des Rechts durch das Recht des Stärkeren ersetzen will.

Allerdings sei Trump nicht der Einzige, der auf einer weltweiten nationalistischen und populistischen Welle schwimmt und die demokratischen und offenen Gesellschaften herausfordert. Dass mit dem neuen Präsidenten einem Angst und Bange werden könne, " ich sehe mit Sorge in die Zukunft", betonte eingangs auch Peter Prokop, der für die urlaubende Ortsvorsitzende Renate Schroff den Abend eröffnet hatte.

Martina Stamm-Fibich schwenkte zurück nach Europa und nach Großbritannien, wo es die Rechtspopulisten mit Lügen geschafft hätten, eine Mehrheit für den Brexit zu mobilisieren und der konservative Ministerpräsident David Cameron leise pfeifend die Bühne verließ. Aber auch in Osteuropa, wie Ungarn und Polen, schränken nationalistische Regierungen die Meinungs- und Pressefreiheit ein und beschneiden die Rechte ihrer Parlamente. "Die Pressefreiheit ist ein Grundpfeiler der Demokratie", betonte die Abgeordnete unter Beifall.

Dazu komme noch der neue Sultan am Bosporus, der gerade dabei sei, Atatürks Demokratie in eine Diktatur zu verwandeln. Aber nicht nur im Osten, auch bei den Nachbarn im Nordwesten stehen die Zeichen auf Sturm, so steht in den Niederlanden mit Geert Wilders "einer der größten Brunnenvergifter" zur Wahl. Aber auch Frankreich gebe Anlass zur Sorge.

Mit: "Man könnte fast sagen: Für eine gute Wetterlage und gute Stimmung braucht es uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten! Wir sorgen für die Lichtblicke!", schwenkte die Rednerin zurück nach Deutschland. So sei mit Frank-Walter Steinmeier der dritte Sozialdemokrat in das höchste Amt der Bundesrepublik gewählt worden. Wie seine Vorgänger Gustav Heinemann und Johannes Rau stehe er für die besten Seiten Deutschlands. Martin Schulz habe auch gleich klar gemacht, worum es 2017 geht: "Die SPD will dieses Land führen. Und ich will Kanzler der Bundesrepublik Deutschland werden."

Die Wahlen in Saarland, Schleswig Holstein und Nordrhein-Westfalen machen die Union unruhig. Die Rednerin wörtlich: "Gute Argumente gegen uns haben sie nicht. Was tun sie also? Mit Dreck werfen und sie stecken den Medien falsche Nachrichten über Schulz zu. Auch die AfD dichtet natürlich fleißig ihre Lügengeschichten. Ein durchschaubares Spiel, auf das die Wählerinnen und Wähler nicht reinfallen werden."

Angela Merkel sei in ihrer Partei und in der Bevölkerung umstritten wie nie zuvor in ihrer Kanzlerschaft. Zu oft habe sie allein entschieden. Zu oft habe sie es versäumt, den Menschen ihre Politik zu erklären. Angela Merkel habe sich von der Bevölkerung entfernt und den Zenit ihrer Kanzlerschaft lange überschritten.

Beispiel Europa. Merkel habe zugelassen, dass Deutschland in der EU als Oberlehrer aufgetreten ist. Ganz vorne dabei: Wolfgang Schäuble. In der Finanzkrise und der Flüchtlingsfrage habe sie die Chance verpasst, Europa weiter zu einen. Neid, Missgunst und Egoismus seien stattdessen in Europa wieder hoffähig geworden. "Das ist die Saat für den Aufstieg der Rechtspopulisten in Ungarn, Polen, Niederlande und Frankreich." Merkels Zeit als starke Frau Europas laufe ab. Dabei werde jetzt immer klarer, wie wichtig die EU ist. Eingeklemmt zwischen Brexit und Trumps Devise "Amerika first" werde die EU nur bestehen können, wenn sie einig ist und geschlossen handelt. Wenn die EU zerbricht, wie Trump es sich wünscht, stehe das größte Friedensprojekt seit dem zweiten Weltkrieg auf dem Spiel. Für ein geeintes und solidarisches Europa stehe aber Martin Schulz wie kein zweiter.


Horst Seehofer sehe seine Hauptaufgabe offensichtlich immer mehr darin, seine Macht in Bayern zu sichern und mögliche Nachfolger wegzubeißen. Seinen Wirtschaftsminister Markus Söder würde er am liebsten sofort nach Berlin ins Bundeskabinett verschicken, um ihn endlich los zu werden. Seehofer sehe sich immer mehr als König Horst-Ludwig der Zweite. Und lobe die "Konsequenz" und die "Geschwindigkeit", mit der "sein Gesinnungsgenosse" Trump seine Wahlversprechen Punkt für Punkt umsetze.

Eine weitere Luftnummer sei die FDP. Da müsse man schon genau hinschauen, um noch etwas zu finden. Am Ende stoße man dann nur noch auf Christian Lindner, die FDP-One-Man-Show. Wenn die FDP am 24. September erneut an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, sei es das gewesen mit der großen alten liberalen Partei. Dann werde die Partei von Theodor Heuss, Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher, Gerhard Baum oder Hildegard Hamm-Brücher nur noch im Haus der Geschichte in Bonn zu finden sein.

Aber die FDP sei nicht der einzige Krisenfall. Da gebe es zum Beispiel auch noch die Linkspartei. Im Westen gebühre ihr weiterhin der Preis für die beste Nebenrolle. Einfluss habe sie dort nicht. Sie bleibe hier ein Sammelbecken für Altkommunisten und gescheiterte Möchtegern-Politiker. Und in Ostdeutschland bröckelt - jedes Jahr ein Stück mehr - ihre Basis und laufe in Scharen zu den Rechtspopulisten über. Und Sarah Wagenknecht treffe sich sogar mit Frauke Petry zum gemütlichen Plausch. Sie flirte mit einer Partei, die Rassismus und offenen Faschismus in ihren Reihen dulde. Eine Partei, die versuche, die Grenzen des Anstands immer weiter nach rechts zu verschieben.

"Wir Sozialdemokraten werden nie vergessen und immer daran erinnern, dass es die Hitler-Faschisten waren, Hand in Hand mit Reaktionären und Deutschnationalen, die unser Land in die größter Katastrophe seiner Geschichte getrieben haben". Deshalb sei es auch richtig und wichtig, wenn Martin Schulz sagt: "Die Partei der Höckes, Gaulands und Petrys ist keine Alternative für Deutschland, sondern sie ist eine Schande für die Bundesrepublik." Und: "Unser Versprechen gilt - heute wie früher: Die SPD ist das Bollwerk gegen Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Intoleranz und Ausländerfeindlichkeit. Wie sie es immer in ihrer 154-jährigen Geschichte war. Keine Chance den rechten Hetzern und Brandstiftern!"

Martin Schulz stelle die "Soziale Gerechtigkeit" ins Zentrum seines Wahlkampfes. Denn ist es gerecht, wenn Menschen, die Vollzeit hart arbeiten, trotzdem auf Geld vom Staat angewiesen sind, um gerade mal so eben durchzukommen? Ist es gerecht, wenn sich Familien kaum noch einen Urlaub leisten können, weil das Geld gerademal reicht, um die steigende Mieten und die notwendige private Altersvorsorge zu zahlen? Ist es gerecht, wenn der Bäcker an der Ecke ehrlich seine Steuern zahlt, während Großkonzerne Milliardengewinne in Deutschland machen und diese ins Ausland verschieben, um bei uns so gut wie keine Steuern zu zahlen? Ist es gerecht, wenn Milliarden aufgebracht werden, um Banken zu retten, während unsere Schulen oder Polizeiwachen verrotten? Ist es gerecht, wenn Finanzmanager oder Konzernchefs Millionen verzocken oder Unternehmen an die Wand fahren und dafür noch mit exorbitanten Boni oder Ruhegeldzahlungen belohnt werden?

Dazu erklärte die Abgeordnete: "Ich habe manchmal den Eindruck, dass bei Teilen der deutschen Wirtschaftselite jegliches Gefühl für Maß, Anstand und Verantwortung verloren gegangen ist. Die haben aus Merkels "Wir schaffen das!" einfach "Wir raffen das!" gemacht. Auch so kann man den notwendigen Zusammenhalt einer Gesellschaft zerstören." Und: "Die Sozialdemokraten werden wieder für mehr Gerechtigkeit sorgen und neues Vertrauen in den Sozialstaat und Demokratie aufbauen."

Eingangs referierte Bürgermeister German Hacker kurz über Herzogenaurach mit aktuell 24 600 Einwohnern und über 22 500 Arbeitsplätzen, eine Zunahme um rund 6 000 seit 2008.