Was er an seinem Kindergarten am besten findet? "Die Bäume, die Stöcke, das Moos", zählt Benedikt auf. Der Dreijährige ist eines von derzeit zehn Kindern im "Fuchsbau", dem Waldkindergarten in Adelsdorf, den es seit Oktober gibt. Bis nächstes Frühjahr wird er auf die Maximalanzahl von 22 Kindern wachsen.

Es ist Mittag. Benedikts Mama Marie Pakosz-Schnitzer holt ihn gerade ab. Ihr Sohn hat den Vormittag an der frischen Luft verbracht. "Er ist ausgeglichener", sagt sie über ihren Sprössling. Und im guten Sinne ausgepowert, fügt sie lachend hinzu.

Als er vorher in der Kinderkrippe war, sei er wie viele andere Kinder häufig krank gewesen. Magen-Darm, Schnupfen. Das sei vorbei seitdem er im Waldkindergarten die Zeit draußen verbringt.

Sie habe absolut nichts gegen konventionelle Einrichtungen. Im Gegenteil. Pakosz-Schnitzer ist vom Fach. Sie ist selbst Erzieherin in einem "normalen" Kindergarten, also einem, in dem sich Spiele, Basteln und Singen in vier Wänden abspielen und man nur raus geht, wenn es kein Schmuddelwetter hat. Nicht jedes Kind sei gleich. Das Konzept Waldkindergarten müsse zum Kind passen, sagt Pakosz-Schnitzer.

Und die Kleidung müsse stimmen: "Es kommt schon auf die Klamotten an." Wenn das Kind auch bei Wind und Wetter draußen ist, seien widerstandsfähige Matschhosen, Schuhe und Jacken aus hochwertigen Outdoor-Materialien ratsam.

Der Waldkindergarten befindet sich am Ortsrand Adelsdorfs in der Oesdorfer Straße. Auf freier Flur liegt dort eine mit Bäumen bewachsene Senke, vor langer Zeit ein kleiner Sandsteinbruch. Die Lage sei perfekt, sagt Tobias Kauper, Leiter des Waldkindergartens. "Wie ein natürlicher Zaun" würden die Wände des Steinbruchs wirken. "Auch schön windgeschützt."

Bauwagen als Rückzugsraum

Für den Fall, dass es einen Tag Dauerregen gibt oder es knackige Minusgrade hat, gibt es einen nagelneuen beheizten Bauwagen. Die Anschaffung hat 70.000 Euro gekostet. "Aber so oft, wie man denkt, kommt so ein Wetter gar nicht vor", sagt Kauper. Man sei aber ja nicht ideologisch verbohrt. Der Wagen stehe für die Kinder jederzeit offen. Man versuche nur, so viel Zeit wie möglich draußen zu sein. Mit Matsch spielen, Äste und Zweige sammeln, ein Erdloch buddeln: Das sei den Kindern sowieso das Allerliebste.

Das Hippie-Klischee des sich selbst überlassenen Wolfskindes sei Quatsch. Man habe ein festes Konzept wie alle anderen Kindergärten auch. Die Erzieher besuchen waldpädagogische Seminare, vernetzen sich mit anderen Waldkindergärten. Musik machen, Motorik, Wissensvermittlung, das stehe alles auf der Tagesordnung. Nur die Materialien seien anders. Naturnäher.

Das gilt auch für die Toilette: ein Kompostklo mit Rindenmulch-Spülung. Fließend Wasser kommt aus zwei Kanistern. Die Eltern wechseln sich jeden Tag ab damit, wer die vollen Kanister mitbringt. Der anfallende Müll wird von den Eltern zu Hause entsorgt.

Ausgebucht mit Warteliste

Eigeninitiative sei ein wichtiger Baustein, sagt Kauper. Demnächst wird gemeinsam ein alter Bauwagen hergerichtet. Ein Hauch Peter-Lustig-Romantik, der ankommt. Die Nachfrage sei enorm. "Für die nächsten Jahre sind wir ausgebucht" , sagt Kauper. Er könne leider nur auf die Warteliste verweisen.

Waldkindergärten sind nichts völlig Neues. Die Draußen-Betreuung verlässt langsam die Exotenecke. In Hemhofen, Tennenlohe oder Möhrendorf gibt es schon länger welche. Schlüsselfeld, Burghaslach und Geiselwind haben vor vier Jahren Pläne eines gemeinsamen Waldkindergartens verworfen.

Die Gemeinde Adelsdorf hat Neuland betreten. Der Gemeinderat war sich einig, dass man ein solches Angebot will. Doch man habe gemerkt, dass es so einfach nicht ist, sagt Bürgermeister Karsten Fischkal (FW).

Ein Verein als Träger

Die Kommune als Träger wäre rechtlich komplex gewesen. Deshalb hat man einen Verein gegründet. Die Eltern müssen Mitglied werden (24 Euro Jahresbeitrag) und können dann mitbestimmen. Fischkal ist Erster Vorsitzender. Kauper bildet mit Claudia Smits und Katrin Ullmer das Erzieherteam, angestellt beim Verein. Ab September kommt eine weitere Kraft dazu. Die Betreuung kostet das gleiche wie in den anderen sechs Kindergärten der Gemeinde, maximal 183 Euro, zuzüglich Essen, das warm geliefert wird.

Ein Bauwagen, ein Zelt, ein Plumpsklo. So einfach es klingt: Die Genehmigung sei kein Kinderspiel gewesen, sagt Fischkal. Der Grund: In Bayern gebe es noch keine einheitlichen Richtlinien für Waldkindergärten, was es fürs Landratsamt als Genehmigungsbehörde nicht einfacher gemacht habe.

So etwa beim Indianer-Tipi. Länger sei es hin und her gegangen, ob es ein statisches Gutachten braucht, ob der Brandschutz gewährleistet ist, sagt Fischkal. Aber man wurde sich einig. Im Tipi hängt nun in zwei Metern Höhe ein Teppichmesser, um notfalls einen Fluchtweg in die Zeltwand zu schneiden. Gegenüber hängt ein Feuerlöscher. Über dem Zelteingang wird ein Fluchtwegschild angebracht.

Sicherheit werde groß geschrieben, betont Fischkal. Die Bäume würden regelmäßig auf Astbruch und Eichenprozessionsspinner kontrolliert.

Davon wissen die Kinder natürlich nichts. Sie haben ihren Spaß. Bald gibt es Hochbeete in ausrangierten Badewannen. Wer die Zufriedenheit sieht, kann sich vorstellen, dass es nicht der einzige Waldkindergarten im Aischgrund bleiben wird.

Schnuppertag im Mai

Am Sonntag, 12. Mai, findet um 14 Uhr ein Tag der offenen Tür statt.

Infos gibt es unter www.waldkiga-fuchsbau.de