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Pommersfelden
Dienstjubiläum

Seit 40 Jahren im Rathaus

Irene Beck hat die Entwicklung der selbstständigen Gemeinde Pommersfelden vom 1. Januar 1980 an miterlebt.
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Hinter der Rathaustür liegt seit 40 Jahren der Arbeitsplatz von Irene Beck.    Foto: Evi Seeger
Hinter der Rathaustür liegt seit 40 Jahren der Arbeitsplatz von Irene Beck. Foto: Evi Seeger

Die Jahreswende 1999/2000 wird Irene Beck nie vergessen: Kein Sekt, kein Punsch zu Silvester. "Damit wir fahren konnten, wenn etwas passiert", sagt sie heute. Denn zum Jahreswechsel war ein Horrorszenario für die gesamte digitale Datenwelt mit Ausfall sämtlicher Netzwerke angekündigt.

Nicht nur Irene und ihr Mann Hans Beck (WB Sambach), Bürgermeister der Gemeinde Pommersfelden, "hockten sprungbereit auf dem Sofa". Auch die Feuerwehren standen Gewehr bei Fuß. Man war "für den Ernstfall gerüstet". Passiert sei Gott sei Dank nichts. Allerdings habe es in der Silvesternacht in Steppach gebrannt, erinnert sich Irene Beck zum Jahreswechsel 2019/2020. Auch dies ist für sie ein denkwürdiger Tag.

Am 1. Januar 1980, vor genau 40 Jahren trat sie ihren Dienst im Pommersfeldener Rathaus an. Damals noch unter ihrem Mädchennamen Irene Burkard, Tochter der Bäckerseheleute aus Pommersfelden. Zusammen mit einer Kollegin und dem (2018 verstorbenen) Bürgermeister Erwin Ruhl, den Altbürgermeistern Georg Reicheneder (Steppach) und Kurt Höfer (Oberndorf) galt es, die Verwaltung aufzubauen. Eineinhalb Jahre nach der Gebietsreform und der Verwaltungsgemeinschaft mit der Gemeinde Frensdorf hatte die Gemeinde Pommersfelden zum 1. Januar 1980 Selbstständigkeit erreicht.

Ein Rathaus ohne Toilette

Mit einem Rathaus, in dem es in der Übergangszeit - bis die alte Milchsammelstelle umgebaut war - nicht einmal eine Toilette gab. Die Frauen gingen zum Nachbaranwesen Ruhl, die Männer in den nahen Gasthof. 1983 seien die neuen Hausnummern eingeführt worden. "Das alte Büchlein mit den Hausnummern habe ich heute noch in meinem Schreibtisch. Ein Griff und ich hab's", sagt sie - allen digitalen Daten zum Trotz. Apropos Digitalisierung: Die neue Welt der Computer hat Irene Beck "von Null auf Hundert" miterlebt. Und dass sie der Typ sei, "der immer ,hier‘ geschrien hat", wenn es darum ging, sich Arbeit aufzuladen, erzählt sie. Was in einer kleinen Gemeinde nicht immer unproblematisch sei, denn "da wird man mit allem konfrontiert".

So auch 1995/1996, eine nahezu schicksalshafte Zeitspanne. "Ich werde das nie vergessen", sagt sie zurückblickend. Im Oktober 1995 verstarb der damalige Geschäftsleiter der Gemeinde durch einen Verkehrsunfall. "Wir mussten erstmals einen Haushaltsplan erstellen." Eine Aufgabe, vor der sie noch nie gestanden hatte. Dazu kamen die umfangreichen Vorbereitungen für die Kommunalwahlen 1996, aus denen dann ihr Mann Hans Beck als Bürgermeister hervorging. Als einen Zufluchtsort in dieser schwierigen Phase empfand sie immer das Landratsamt Bamberg. Noch heute ist sie dankbar für die Unterstützung, die ihr durch die dortigen Mitarbeiter zuteil wurde.

Arbeit mit Menschen

Damit, dass ihr Mann Bürgermeister wurde, habe sie nie Probleme gehabt, erzählt sie. Nur, dass er sehr viel Arbeit mit nach Hause genommen habe "und wir dann daheim weiter gemacht haben". Dennoch - sie habe alles sehr gern gemacht und keinen Schritt bereut. Zuvor hatte Irene Beck als Sachbearbeiterin bei Schaeffler im Export gearbeitet.

Als sie in die Gemeindeverwaltung gewechselt sei, wo sie sehr viel weniger verdiente als bei ihrem früheren Arbeitgeber, sei sie von vielen belächelt worden. Im Bäckereigeschäft ihrer Eltern aufgewachsen, habe sie jedoch immer gern Kontakt mit Menschen gehabt. Das habe ihr auch geholfen, wenn es in den 40 Jahren um wirklich substanzielle Dinge ging: Um Brände und schwere Unglücksfälle in der Gemeinde. Wenn es galt, zusammen mit dem Bürgermeister den Betroffenen zu Hilfe zu kommen. "Gespräche zu suchen und Lösungen zu finden", ist das Lebens- und Berufsmotto von Irene Beck. Nicht zuletzt kam ihr das auch bei der "Asylarbeit" in den vergangenen Jahren zugute. "Ich habe viel gelernt über andere Kulturen und Lebensweisen." Eine Zeit, die sie nicht missen möchte. Heute gibt es in der Gemeinde keine Flüchtlinge mehr. Die Kontakte sind aber nicht abgebrochen: Grußkarten aus ganz Deutschland treffen auch heute noch bei ihr ein.