Einen 33,5 Meter hohen Baum stellten bei der Kirchweih in Großenseebach die Kerwasburschen am Wochenende neben dem Festzelt auf. Stilgerecht wurde er mit den zwei Pferden von Herbert Müller aus dem Wald zum Festplatz gefahren.
Bereits die Schlachtschüssel am Donnerstag brachte zahlreiche Interessenten nach Großenseebach. Eingespielt hat es sich inzwischen, dass der FSV-Förderverein den Vorstand des Großenseebacher Sportvereins bei der Arbeit um die Organisation der Kerwa unterstützt. Über 100 Helfer halten somit die Kerwa "am Laufen".
Bereits vor dem Bieranstich war das Festzelt beim Sportheim gut gefüllt. Das gute Wetter hatte es ermöglicht, dass vor dem Zelt genauso viele Gäste saßen wie im Zelt selbst.
Der Vorsitzende des FSV, Norbert Jakobs, begrüßte die Gäste und würdigte die 40 Kirchweihburschen und ihren Oberortsburschen Sebastian Denk ganz besonders, denn sie trügen das Programm der Kerwa.


Seeberger braucht sieben Schläge

Bürgermeister Bernhard Seeberger (FW) musste sieben Schläge aufwenden, bis das erste Bier in die Krüge fließen konnte. Für die musikalische Umrahmung des Anstichs sorgten die Leutenbacher Musikanten. "Es war beim Anstich noch nie so viel los wie in diesem Jahr!", konnte Jakobs rückblickend auf den Freitag sagen.
Der Kerwasbaum, ein Prachtexemplar von Fichte mit einer schönen Krone, war im Korporationswald gefällt und von den Pferden Mirabelle und Marille von Herbert Müller unter Musikbegleitung nach Großenseebach gebracht worden. Um das gute Stück beim Baumaufstellen in die Senkrechte zu hieven, hieß es für die Ortsburschen alle Kräfte zu sammeln. Auch wenn der Baum trotz seiner Größe eher schlank war, bedeutete es natürlich viel Arbeit beim Aufstellen. Aber es war gar keine Frage, dass der große Baum möglichst weit zu sehen sein sollte. Denn dadurch dient er für die anderen Ortschaften im Seebachgrund als Messlatte, die es zu erreichen gilt. Ein Übertreffen ist ohnehin kaum möglich.
In die Äste der Spitze wurden bunte Bänder eingeflochten und das obere Stück des Baumstammes in den fränkischen Farben rot und weiß umwickelt. Zusätzlich erhielt die Spitze eine rot-weiße Frankenfahne, oberhalb des Kranzes mit rot-weißen Bändern wurden ebenfalls drei rot-weiße Fahnen am Stamm angebracht. Im liegenden Zustand befreiten zwei Mann den Stamm mit einer Kette von losen Rindenteilen.
Das Aufstellen unter dem bewährten Kommando von Manfred Weiser erfolgte wie früher mit den sogenannten Schwalben, das heißt Heubäumen, die allerdings in der heutigen Zeit an den Spitzen mit Schwerlastgurten oder Ketten verbunden werden.
"Die Schwalben machen einen kräftigen Schub, dann steht die Leiter gerade", lautete Weisers Kommando. Während die Kirchweihburschen ins Schwitzen kommen, behält Weiser in jeder Situation den Überblick. "Schaut jetzt gut aus, wir kriegen das schon hin", meint er zur Gesamtsituation. Während des Hochhievens mit fünf Paar Schwalben wurde nahe am Loch eine mannshohe Leiter immer wieder nachgerückt, um den Baum zusätzlich zu stützen. Begleitet von den kritischen Blicken der älteren Großenseebacher wurde der Baum Stück für Stück in die Senkrechte gehoben. Als der Baum nach mehrmaligem Nachrücken der Schwalben aufrecht im Loch stand, wurde er verkeilt. Unter dem Absingen von Kirchweihliedern wurde das Loch abgedeckt. Erst danach konnten sich die Akteure im Zelt von der Anstrengung erholen.