Verlängerte Weihnachtsferien, so könnte man eine Entscheidung des fränkischen Automobil- und Industriezulieferers Schaeffler optimistisch betrachten. Eine überraschende Entscheidung, wäre eine andere Möglichkeit.
Schaeffler wird einen Teil seiner Produktion ab Weihnachten zeitweise stilllegen, gab das Unternehmen bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2012 bekannt. Denn in diesem Jahresabschnitt habe das Unternehmen einen kräftigen Gewinneinbruch hinnehmen müssen.

"Es sind im Grunde nur fünf Arbeitstage", erklärt der Erlanger IG-Metallchef Wolfgang Niclas. Er geht davon aus, dass ein Großteil der Arbeitnehmer in dem Betrieb sich über diesen "Zwangsurlaub" nicht einmal ärgere. "Die Zeit war stressig genug und der Abbau der Zeit erfolgt über die meist prall gefüllten Zeitkonten." Sicher werde der eine oder andere auch in den Minusbereich rutschen, doch das sei wieder einzuarbeiten.

Maschinen stehen still

Das Problem läge allerdings in einem ganz anderen Bereich. Denn das Unternehmen entferne sich zum Beispiel von einer Aussage, einer Direktive, die es selber aufgebaut habe. Denn in vielen Arbeitskampfverhandlungen ging es immer wieder um die Fragen der nötigen Nachtarbeit, der Sonn- und Feiertagsarbeit. "Dort wurde uns immer wieder verdeutlicht, dass die teuren Maschinen amortisiert werden müssen, diese Art der Arbeit deshalb unerlässlich sei." Nun sei es kein Problem, die zehn Tage, respektive fünf Arbeitstage, die Tore zu schließen.

Trotz der wenig erfreulichen Zahlen gebe es für den gesamten Konzern kein "pauschales Schlüsselabgeben", hatte Schaeffler-Sprecher Marcus Brans zuvor erläutert. Die Geschäfte im asiatischen Raum oder in Nordamerika würden zum Beispiel weiter gut laufen, betonte er. In Westeuropa laufe es allerdings nicht so rund.

Es bestehe dennoch "kein Anlass zur Panik", erklärte Niclas. Von Kurzarbeit sei an den Standorten in Herzogenaurach und Schweinfurt sei "überhaupt nicht die Rede". In Schweinfurt, erklärte er bei einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk, "ist allerdings vorgesehen, den Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung zu nutzen. Das heißt, dass bei einem Teil der Belegschaft ihre Wochenarbeitszeit auf 32,5 Stunden verkürzt werden soll, und zwar voraussichtlich für einen Zeitraum von sechs Monaten." Niclas lobte, dass man bei Schaeffler in Erwartung von mehr Wachstum neue Mitarbeiter im dreistelligen Bereich eingestellt habe.

Ein Konzept ist nötig

Jetzt gehe es darum, diesen "Überhang abzufedern". Nur, und das komme zur Betrachtung der stillstehenden Maschinen dazu, sei der Umgang mit dieser Entscheidung. Er fordert, dass man Konzepte entwickeln müsse, damit der Arbeitsplatz gesichert sei, aber auch die Zukunft des Konzerns.

Ob das Ziel 14/14 noch erreichbar sei, mochte er nicht beurteilen (im Jahr 2014 mindestens 14 Milliarden Euro Umsatz zu erwirtschaften). Denn das Umfeld, gerade in der Autoindustrie, werde immer schwieriger. Letztlich gehörten dann die Gespräche mit der Bundesregierung dazu. Diese soll die alten Bedingungen in der Krisensituation 2009 wieder herstellen. Das heiße, dass Mitarbeiter bis zu 24 Monate in Kurzarbeit gehen können. Weiterhin sollten Leiharbeiter dieselbe Möglichkeit erhalten. "Dies sichert ein Unternehmen", ist Niclas überzeugt.

Trübe Aussichten

Für das vierte Quartal 2012 rechnet Schaeffler nicht mit einer Belebung des weltweiten Wirtschaftswachstums. Die bestehenden Unsicherheiten insbesondere im Euroraum und ein geringeres Wachstum in Asien trüben die Aussichten. Mit Blick auf das Schlussquartal sagte Geißinger: "Es ist aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass sich in wichtigen Teilmärkten das volatile, herausfordernde Umfeld weiter fortsetzen wird. Wir erwarten einen weiteren Rückgang des Bedarfs im vierten Quartal."