Es ist keine leichte Aufgabe, die die Schaeffler-Mitarbeiter bekommen haben. Zur Zeit ist eine 20-köpfige Gruppe von der Niederlassung aus Brasov, Rumänien, zu Gast. Die Besucher werden mittels Dolmetscher von den Höchstadter Kollegen angelernt. Denn bald werden sie ihren Job machen.

"Die Kollegen geben sich Mühe und sind an der Sache orientiert", sagt Betriebsratsvorsitzender Roland Holler, fügt aber hinzu: "Dass die Stimmung besonders gut ist, kann ich nicht sagen."

Bei Schaeffler in Höchstadt weht derzeit ein kalter Wind ins Werk. Im November wurde angekündigt, 90 Stellen in der Industriesparte abzubauen und nach Rumänien zu verlagern. Seitdem haben die Geschäftsführung und der Personalrat verhandelt. Das Ziel: Den Wandel im Höchstadter Werk so sozial wie möglich zu gestalten.
Eigentlich seien es 120 Stellen, die wegfallen, so Holler. Aber durch Abfindungen und Altersteilzeit würde sich die Zahl der betroffenen Kollegen wohl auf etwa 90 reduzieren. Die Gespräche hierzu laufen an.

Geschnürt wurde ein "Zukunftspaket", das nun vorliegt. Ein Eckpunktepapier, das jetzt in den Interessensausgleich geht. Drei bis vier Wochen, schätzt Holler, dann gebe es Konkretes beim Stellenumbau.

Für den Betriebsrat wichtig: Das Info-Institut habe die Verlagerung nach Rumänien auf Wirtschaftlichkeit geprüft. "Das Ergebnis war deckend mit dem des Arbeitgebers", sagt Holler. Die Abteilung Drehverbindungen sei in Höchstadt nicht mehr haltbar.

Am Dienstag fanden für jede Schicht Informationsveranstaltungen mit der Werksleitung statt. Der Betriebsrat hat 700 Flugblätter zum Jobsicherungskonzept verteilt.

Mit der Werksleitung machen sich die Betriebsräte nun daran, für die vom Stellenabbau Betroffenen eine Lösung zu finden. "Auch wenn es nicht für jeden eine Traumlösung sein wird", sagt Holler. Von vielen sei nun Flexibilität für neue Arbeiten gefordert.


Keine Kündigungen, gleicher Lohn

Wichtig sei: Jeder erhalte einen gleichwertigen Job von der Eingruppierung her. Es gebe keine Kündigungen. Weder für solche, die Abfindungen ablehnen, noch für solche, die nicht in ein anderes Werk verlegt werden wollen. Und auch für die Leiharbeiter kämpft der Betriebsrat. Nun fängt sich das Job-Karussell an zu drehen. Es beginnt eine große Umverteilung. Einerseits auf die Werke in Herzogenaurach oder Hirschaid.


Kapazitäten werden geschaffen

Aber auch in Höchstadt seien Kapazitäten frei, beziehungsweise die Schaffung ausgehandelt, so Holler. Man habe die Firma darauf verpflichtet, zu prüfen, ob freie Produktionsflächen wiederbelebt werden können. Für Anfang 2019 wurde zudem eine schon länger angedachte Produktlinie im Eckpunktepapier festgeklopft.

Weiterhin soll wohl in eine eigene Nietmaschine am Standort investiert werden. Bisher wird diese Arbeit in anderen Werken erledigt. Auch eine neue Entwicklungsabteilung für Leichtbau soll aufgebaut werden. Zudem soll das Werk in Höchstadt künftig Angebote bei firmeninternen Ausschreibungen an Land ziehen können.
Für Höchstadt sei das Zukunftspaket trotz des harten Umbaus "eine Perspektive", so Holler. "Es ist eine gute Nachricht, weil die Ausgangsposition eine andere war."

Schaeffler ist mit rund 1700 Beschäftigten der größte Arbeitgeber Höchstadts. Auch Bürgermeister Gerald Brehm (JL) begrüßt daher, dass es für die betroffenen Mitarbeiter weiter gehen soll. "Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass es gelingt, den Stellenabbau anderweitig zu kompensieren."


Klares Bekenntnis zum Standort

Gerade, wenn man nach Elfershausen schaue, wo jüngst ein Werk mit 260 Arbeitern aufgelöst wurde, könne man aus Höchstadter Sicht "froh und dankbar" sein. Er erkennt ein klares Bekenntnis zum Standort. Auch Betriebsrat Holler sieht das so. Erst kürzlich wurden der Neubau bezogen und ein neuer Parkplatz angelegt. 2018 soll eine neue Pforte gebaut werden. Für Holler ein Symbol: "So etwas macht man ja nur, wenn man den Standort stärken will."