Auch wenn Statiker Thomas Leyh mit der Hand größere Stücke aus den Eichenbalken auf dem Dachstuhl der Höchstadter Stadtpfarrkirche St. Georg herausbrechen kann, eine Gefahr für die Statik des Gotteshauses besteht deswegen noch lange nicht.

Das versicherte Leyh gestern bei einem Ortstermin hoch über dem Kirchplatz. Dort ist Sven Landgesell mit Kollegen der auf solche Arbeiten spezialisierten Zimmerei Lederer aus Flachslanden schon seit Tagen dabei, schadhafte Stellen im Dachstuhl-Gebälk auszubessern. Sechs Wochen planen sie am Dachstuhl von St. Georg mit zwei bis drei Leuten noch ein. Für mehr ist auf dieser Baustelle auch kein Platz.

Hausherr Dekan Kilian Kemmer will erst das "Innenleben" unter dem Dach in Ordnung bringen, ehe die Decken im Mittel- und den beiden Seitenschiffen restauriert werden können.


Pilzbefall und Nagekäfer

Statisch ist die Kirche in einem guten Zustand, stellt Thomas Leyh fest. Nur in den beiden Seitenschiffen gibt es schon länger feuchte Stellen. Die Ursache hatte Leyh schnell ausgemacht. Über den massiven Holzbalkendecken hatte man vor Jahren Mineralfaser-Dämmstoff verlegt. In den drang Wasser ein, die Dämmung saugte sich voll wie ein Schwamm.

Das nasse Holz wurde von Pilzen befallen und in den vorgeschädigten Baustoff bohrte sich der gescheckte Nagekäfer. Dieses Insekt lässt an den Eichenbalken drei Zentimeter Außenhaut stehen, zerstört aber das Innere der Balken. Aufgabe der Zimmerleute ist es jetzt, das noch aus der Zeit um 1730 stammende Holz des Dachstuhls Stück für Stück zu untersuchen und die schadhaften Stellen auszutauschen.

Auf zusätzliche Dämmung über den Balkendecken wird künftig ebenso verzichtet wie auf die Mineralfaser-Decke über dem Tonnengewölbe des Hauptschiffs. In diesem Gerüst aus Latten, Stroh und Kalk sammelte sich Feuchtigkeit aus der Luft in der Kirche, die durch die dichte Dämmung nicht entweichen konnte. Die dadurch entstandenen Schäden an der Stuckdecke werden jetzt Kirchenmaler der Bamberger Firma Dörfler sanieren.

Die Feuchtigkeit an der Decke kommt von den Menschen in der Kirche. "Nach Christmette oder Osternacht müssten wir eiimmer zwei Stunden durchlüften", sagt der Dekan. Um künftig für bessere Luft im Gotteshaus zu sorgen, werden Sensoren eingebaut, die die Fenster automatisch öffnen, wenn frische Luft gebraucht wird. Daneben wird die komplette Technik in der Kirche erneuert.

Ob Kemmers Wunsch, das Knarzen der Treppen hinauf auf die Emporen abzustellen, auch erfüllt werden kann, ist noch offen.