Die Berechnung ihrer Stundenlinien war hochkompliziert, in der Antike dienten Obelisken als Gnomon, also als Schattenstab, das Liniennetz war auf dem ebenen Boden aufgebracht.

In Rom ließ Kaiser Augustus eine riesige Sonnenuhr mit einem eigens aus Ägypten herangeschafften Obelisken als Gnomon errichten. Dieses "Solarium Augusti" mit imperialem Anspruch war zusätzlich mit der Ara Pacis - dem Altar des Friedens - und dem Mausoleum des Augustus kombiniert. Die Grundfläche auf die der annähernd 30 Meter hohe Obelisk seinen Schatten warf, maß über 150 mal 75 Meter.

Ein Liniennetz aus Bronze, gegliedert in die Abschnitte der Tierkreiszeichen hatte zur Folge, dass die Uhr stets korrekt abzulesen war, wenn die Benutzer die Jahreszeit richtig einzuordnen verstanden.
Dass die Konstruktion dieser Anlage eine hochkomplizierte Berechnung erfordert, mussten zwei Lehrkräfte an der Hauptschule Herzogenaurach erkennen, die 1996 im Pausenhof eine Sonnenuhr anlegten, die aber schon wenig später nachging. Augustus hatte seinerzeit den berühmtesten Mathematiker mit der Ausarbeitung des Liniennetzes beauftragt um dergleichen zu vermeiden.


Die Uhr hängt an der Wand

Gegen diese Sonnenuhren zu ebener Erde, setzten sich allmählich die uns bekannten an senkrechten Wänden durch. Auch in Herzogenaurach gibt es einige Sonnenuhren, die der Öffentlichkeit zugänglich angebracht sind, so in der Goethestraße, der Hauptstraße und zwei an der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena außerdem ehemals in der Schillerstraße.

Auf den Betrachter wirkt meist verwirrend, dass die Uhren nie richtig zu gehen scheinen. Dies liegt aber an mehreren Faktoren. Eine Sonnenuhr hatte zum Zeitpunkt ihrer Entstehung immer die Aufgabe, die jeweilige Ortszeit anzuzeigen. Heutzutage gehen die Uhren in Mitteleuropa nach Greenwicher Zeit MEZ, nach mitteleuropäischer Zeit, wofür der Nullmeridian von Greenwich bei London ausschlaggebend ist.
Außerdem herrscht im Augenblick Sommerzeit (MESZ), wodurch sich eine zusätzliche Zeitverschiebung um eine Stunde ergibt, die hinzugezählt werden müsste.

Da Kirchen in den allermeisten Fällen "geostet" wurden und daher immer mit einer Breitseite nach Süden wiesen, konnten die dort angebrachten Sonnenuhren nahezu das gesamte Tageslicht ausnutzen. Ob es bei der Konstruktion um eine ganz genaue Anzeige ging, ist fraglich, die Zeit wurde früher ohnehin nicht im Minutentakt abgerechnet, wie heute bei den Telefongesellschaften (bei einigen sogar im Sekundentakt).

Man richtete sich vielmehr nach der Dauer des Tageslichtes, die Handwerker arbeiteten meist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, das heißt im Sommer länger, dafür im Winter etwas kürzer. Die Gläubigen richteten ihren Gang zur Messe nach den Kirchenglocken aus. Und dennoch fanden Sonnenuhren lange Zeit Verwendung, erst als die mechanischen Uhren immer genauer wurden, verloren sie ihre Bedeutung.

Eine Sonnenuhr ist an der Südostecke des Langhauses der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena angebracht. Die Zeiten sind durch römische Zahlzeichen von sieben Uhr morgens über zwölf Uhr mittags bis 17 Uhr auf einer gemalten Buchrolle angebracht, ein eiserner Zeigestab wirft den Schatten. Zusätzlich sind vier Jahreszahlen angebracht. Die erste, 1649, ist wohl auf die erste Renovierung zu beziehen. Ebenso verweist die Jahreszahl 1870 mit der Beischrift Kurr auf eine Kirchenrenovation durch die Baufirma des Johann Kurr in Herzogenaurach. Weitere Renovierungen sind 1930 und 1982 an der Kirchenwand vermerkt. Eine Sonnenuhr neueren Datums findet sich in der Hauptstraße 20. Der Initiator ließ zusätzlich ein Sinnspruch anbringen.