Am Ende sind sie alle mehr oder weniger glimpflich davon gekommen. Das Urteil bescherte den insgesamt fünf Angeklagten Freiheitsstrafen zwischen zwölf und 22 Monaten - allesamt auf Bewährung. Und das war der Strategie der Anwälte geschuldet, daraus machte Richter Wolfgang Pelzl in seiner Urteilsbegründung am Erlanger Amtsgericht keinen Hehl: "Ohne Ihre Geständnisse wären Sie heute alle unmittelbar nach der Verhandlung in Haft gegangen."

Der Sachverhalt ist kurios: Ein Großenseebacher Gastronom, der mittlerweile in Baiersdorf wohnt und arbeitet, hatte Streit mit seinem damaligen Vermieter. Der habe ihren Mandaten immer wieder provoziert, erklärte die Verteidigerin des aus Pakistan stammenden Mannes. Die Streitigkeit landete vor Gericht. Von dieser Auseinandersetzung berichtete der Lieferdienstbesitzer später einem seiner Aushilfsfahrer, einem 20-jährigen Syrer. Es entstand die Idee, dem ehemaligen Vermieter einen Denkzettel zu verpassen.

Der 20-Jährige stattete also Ende März - mit seinem Zwillingsbruder und zwei weiteren Freunden im Gepäck - kurz nach Mitternacht dem Grundstück des Vermieters einen Besuch ab. Einer stand Schmiere, die anderen übergossen das Auto des Großenseebachers mit Benzin und steckten es mit einer Zigarette und einem angezündeten Taschentuch in Brand. Da das Auto wohl nahezu schrottreif war, entstand nur ein Schaden in Höhe von 800 Euro. Nur: Das Auto gehörte gar nicht der Zielperson des Angriffs, sondern dessen Schwägerin.

Der Auftraggeber befand sich derweil mit Bauchschmerzen in der Erlanger Uniklinik, zog aber ohne tiefergehende Untersuchungen wieder davon. Den Aufenthalt ließ er sich attestieren. Die Staatsanwaltschaft legte ihm das als selbstverschafftes Alibi aus.

Damit ist der Fall aber nicht vorbei: Bereits wenige Tage später wurde einer der vier Täter übel zusammengeschlagen - von zwei seiner Komplizen. Ihm wurde unter anderem gegen den Kopf getreten. Wieso es dazu kam, wurde im Prozess nicht abschließend geklärt: Die eine Version ist der Streit um eine Frau. Die andere, dass Ali M. (Name geändert) gegen den Willen seiner Freunde zur Polizei gehen wollte. Es folgten weitere Drohungen gegen ihn und seine Familie, doch er ließ sich nicht abbringen - und so landeten sie allesamt auf der Anklagebank. Einer von ihnen saß seit April in Untersuchungshaft, da er auch nach dessen Aussage weitere Drohungen via WhatsApp in Richtung Ali M. verschickte.

Hinter verschlossenen Türen

Kurz nachdem der Prozess begonnen hatte, wurde er auch wieder unterbrochen. Einer der Verteidiger beantragte ein Rechtsgespräch, also eine Verständigung von Anwälten, Staatsanwalt und Richter hinter verschlossenen Türen. Erst nach 45 Minuten trat Richter Wolfgang Pelzl wieder vor die Zuhörer und verkündete den Strafrahmen, auf den sich die Angeklagten einstellen können - wenn sie denn ein umfangreiches Geständnis ablegen.

Und so kam es dann auch: Drei der Angeklagten hatten schon vor der Verhandlung zumindest Teilgeständnisse abgelegt und gaben nun alles zu. Ebenso ihr Mitstreiter in U-Haft. Und auch der Gastronom stritt seine Beteiligung nicht länger ab.

Ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung wegen Anstiftung zur Brandstiftung wurden es für ihn am Ende, dazu 3800 Euro als Bewährungsauflage. "Es kommt nicht alle Tage vor, dass jemand vier Menschen zu so etwas bringt", sagte Richter Pelzl nach der Verkündung des Urteils. Zumal das Motiv der vier jungen Männer nicht klar erkennbar wurde, denn Geld sei angeblich keines geflossen.

Die Zwillinge müssen, zusätzlich zu ihren Bewährungsstrafen, ebenfalls zahlen: 2300 beziehungsweise 1600 Euro. Ali M. muss hingegen 160 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Bis auf ihn erhielt jeder der Angeklagten noch eine weitere Auflage: Je 200 Euro als Schadenswiedergutmachung an die Schwägerin des Vermieters - für die Brandstiftung am falschen Auto.

Noch nicht beendet ist das Verfahren um allzu authentische Deko im Freizeitland Geiselwind: Der Streit um Opas Grabstein am "Horrorhaus" geht in die nächste Runde. In einem Kieler Gerichtsgebäude ist eine Zeuge zunächst spurlos verschwunden: Der 70-Jährige saß drei Tage lang tot auf der Toilette.