Johannes Funke durchsiebt das Saatengemisch mit den Fingern, das er in seiner Handfläche hält. Endlich ist die Blühmischung eingetroffen, auf die er gewartet hat. "Die Firma hatte Engpässe, weil die Nachfrage nach dem Volksbegehren Artenvielfalt so groß war."

Der Landwirt aus Neuhaus hat im Zuge der Unterschriftensammlung allen Interessierten zusätzlich angeboten, auf einem Teil seiner Agrarbodens Patenschaften für Blühflächen zu übernehmen, um sich aktiv für den Artenschutz einzusetzen.

Der Grund, den er dafür zur Verfügung stellt, ist 12.000 Quadratmeter groß. Er selbst legt noch einmal das doppelte an Boden dazu. In dieser Zeit bewirtschaftet Funke die Fläche nicht ackerbaulich.

Für 100 Quadratmeter zahlt man 50 Euro, die Laufzeit ist vorerst auf zwei Jahre angesetzt. "Aber ich werde alle Paten nach dem ersten Jahr noch einmal fragen, ob sie weiterhin dabeibleiben möchten", stellt Funke in Aussicht.

Mehr als gedacht

Von Anfang Februar bis in den März konnte man sich bei dem 34-Jährigen melden. Das haben auch viele getan. 70 Patenschaften konnte der Agraringenieur vergeben. "Es haben mehr mitgemacht, als gedacht, teilweise auch über den Landkreis hinaus", sagt er zufrieden.

Die Paten sollen außerdem namentlich auf einem Schild genannt werden, das der Agraringenieur nach der Aussaat zudem an der Ackerfläche platzieren möchte.

Die Blühwiesen dienen den Insekten vor allem als Nahrungshabitat, erklärt Funke. Trotz der verzögerten Lieferung sei es noch nicht zu spät, die Saat jetzt auszustreuen, sondern vielmehr genau der richtige Zeitpunkt. Auch gelte es noch, den anstehenden Kälteeinbruch und den Spätfrost abzuwarten. Doch nach der Aussaat sollen Malven, Sonnenblumen, verschiedene Arten von Klee und noch einige Sorten mehr gedeihen. "Alles heimische Arten, die die Insekten annehmen", verrät Funke.

Blühwiesen als Nahrungsquelle

Im Moment gebe es überdies noch keine Nahrungsarmut für Insekten, sagt der Landwirt, denn der Frühling lässt die Natur in voller Blüte stehen. Eng werde es dann Ende Juli, wenn das Getreide abreift. "Das ist die Zeit, in denen es den Insekten an Nahrung fehlt", so Funke. Dann kämen die Blühflächen voll zum Tragen.

Denn nicht nur der Bienenerhalt bedürfe der Beachtung, wie es Schwerpunkt des Volksbegehrens war, sondern vielmehr ein Großteil der übrigen Insekten. "Eigentlich sind es ja alle Insekten, die Hilfe brauchen", bedauert Funke.

26 Paten in Uehlfeld

Auch bei der Bio-Landwirtin Mirjam Prechtel-Knapp aus Voggendorf kann man Pate für eine Blühfläche werden. Die 46-Jährige, die mit ihrem Mann den Biohof Prechtel betreibt, wollte etwas für die Uehlfelder Gemeinde tun, nachdem dort rund 350 Einwohner für das Volksbegehren unterzeichnet hatten.

Auf der zwei Hektar großen Fläche, die ihr dafür zur Verfügung steht, habe sie vorher Mais angebaut. Einen Anteil von 100 Quadratmetern Größe vergibt sie für 60 Euro. "Manche haben auch mehr als einen Anteil übernommen", erzählt sie. Für die Paten gibt es bei ihr noch ein besonderes Dankeschön dazu: ein Glas vom eigenen Honig, denn Prechtel-Knapp ist zudem ausgebildete Imkerin.

Bisher haben sich bei ihr 26 Paten gefunden. "Es hätten mehr sein können", sagt sie, denn die Landwirtin hat auf vielen Wegen Werbung für diese Möglichkeit gemacht, beispielsweise durch Postkarten, die sie unter anderem in Bio-Läden ausgelegt hat oder über das Mitteilungsblatt der Gemeinde. Gleichzeitig räumt Prechtel-Knapp aber ein, dass viele Bewohner in Uehlfeld einen eigenen Garten hätten, der ihnen selbst Grünflächen biete.

"Jede Blume bringt etwas"

"Mein Ziel war es auch, den Leuten den Spiegel vorzuhalten", begründet die Landwirtin ihr Blühflächen-Angebot, denn eine Unterschrift zu leisten sei einfach, aber in anderen Lebensbereichen würden viele nicht so umweltbewusst handeln, beispielsweise beim Einkauf günstiger Lebensmittel.

Insgesamt bereue sie es nicht, Blühflächen-Patenschaften anzubieten, denn sie habe viele positive Rückmeldungen erhalten. "Jede Blume bringt etwas", meint Prechtel-Knapp außerdem.

Landwirt Funke wird in den nächsten Tagen noch einmal die Erde beackern. Die Saatmischung brauche ein feines Saatbett, da die Samen unterschiedlich groß sind und deswegen auch eine andere Ablagetiefe brauchen, erklärt er. "Momentan ist die Erde auch noch zu feucht."

So wird auf mehreren Feldern im Landkreis in den kommenden Wochen hoffentlich einiges zu blühen beginnen.