Wie feiern Flüchtlinge das Osterfest? In Armenien gehören rote Eier dazu. Für eine syrische Familie ist Ostern der Muttertag.
Es ist 16 Uhr und Kaffeezeit bei Familie Grigoryan. Es gibt Schokoladenkuchen mit einer besonderen Verzierung, dazu armenischen Tee. Auf dem Wohnzimmertisch und auf dem Esszimmertisch steht eine Schale mit keimenden Maiskörnern, die bereits zu einem kleinen Strauß herangewachsen sind. Dies symbolisiert den Frühling, sagt mir der 11-jährige Narek. Ein Blick in die kleine Wohnung genügt und man weiß, hier wohnt eine christliche Familie, denn die Osterdekoration ist nicht zu übersehen.
Rote Ostereier
"In Armenien wird Ostern mit roten Eiern gefeiert. Sie werden zusammen mit den Schalen der roten Zwiebel gekocht. So erhalten sie die rote Farbe. Sie sind ein wichtiges Symbol", erklärte Mher Grigoryan, während die Familie seine Aussagen bestätigt. Seine fünfköpfige Familie ist vor zwei Jahren hier in Höchstadt angekommen. "Für uns ist Ostern ein großes Fest, das nach 48 Tagen Fasten beginnt. Während des Fastens essen wir vegetarisch und Fisch, aber kein Öl" sagt er. "Und Spinat, aber keine Butter", ergänzt seine 7-jährige Tochter Nare.
Eine Woche vor Ostern gibt es einen Kindertag. Jeder in der Familie bekommt ein Ei. "Die Kinder spielen mit den rot-gefärbten Eiern. Das Spiel heißt Eier schlagen. Die roten Eier sind gut für deinen Bauch und schützen gegen böse Augen", sagt Nare. Am Karfreitag wird dann Reis mit Gemüse gegessen.
Anders als in Deutschland
"Bei uns gibt es keine Osterhasen - bei uns ist das ein Marienkäfer. Die rote Farbe der Marienkäfer und der Eier symbolisiert das Blut von Jesus", betont Narek. "Und das Ei den Globus", ergänzt der 38-jährige Vater von drei Kindern, während seine Frau, Gohar Harutyunyan, die ihr sechs Monate altes Baby Awetis füttert, mir die Bilder von Dekorationen mit roten Eiern zeigt. "Jesus ist doch gestorben, jeder Tropfen von seinem Blut ist für jeden Menschen", betont Narek wieder. "In Armenien bin ich immer zur Kirche gegangen, wir haben die Kerzen angemacht und sie nach Hause gebracht. Das wärmt dein Haus und gibt uns Licht von Jesus. Am Ostermontag sind wir wie alle anderen zum Friedhof gegangen und haben Weihrauch geräuchert. Aber hier haben wie keine Chance, das zu machen", sagt Grigoryan.
Ostern ist Muttertag in Syrien
Bei Familie Ibrahim Alghrawy ist Ostern anders. Hier ist viel los. Die aus Syrien stammende Familie lebt seit fast drei Jahren hier in Höchstadt. In der Küche bereitet die Mutter Dalal Alhamzawy arabischen Kaffee. Draußen spielt der 12-jährige Al Rayan, der Älteste von vier Kindern. Im Wohnzimmer schaut die kleine Taleen ihre Lieblings-Cartoons auf KITA an. Ihre vierjährige Schwester Alwatin ist mit dem Smartphone ihrer Mutter beschäftigt. "Komm, erzähl mir, was ihr gestern getan habt", rufe ich den beiden Mädchen zu.
Doch da kommt die Mutter herein. "Wie feiern Sie Ostern?", frage ich. "Für uns ist es der Muttertag", antwortet Dalal und wird sehr emotional und weint. Meine Frage hat sie an ihre verstorbene Mutter erinnert. Ich versuche, sie zu beruhigen. Dann sagt sie, "dieser Tag ist uns sehr wichtig. Wir haben ihn immer mit meiner Mama gefeiert. Meine beiden Omas und meine Tanten waren da, die ganze Familie hat sich versammelt, es war ein großes Familienfest. Wir haben im Wald gegrillt. Alle Kurden feierten diesen Tag und wir, die Araber auch. Es war wie ein Zuckerfest.
Die Nachbarn beschenkt
Wir hatten auch christliche Nachbarn und haben uns gegenseitig beschenkt. Für uns ist Ostern der Beginn des Frühlings. Wir tauschten Geschenke, besonders für Mütter - alle Frauen bekamen Geschenke. Es ist eine Zeit, Mütter zu ehren. Wir feierten mit vielen Süßigkeiten, die Kinder bekamen viele Geschenke, zum Beispiel neue Kleider" erklärt Dalal. "Ich vermisse meine Großmutter, meine Tante, alle eigentlich", wirft Al Rayan ein, der inzwischen zu uns gekommen ist.
"In Syrien wurden alle Straßen geschmückt", sagt Lujayn. "Wie wird es dieses mal gefeiert?", fragte ich. "Mit Kuchen", antwortet Al Ryan schnell. "Ich denke, Mama wird einen Kuchen backen, wie in Syrien. Aber unser Vater ist krank, vielleicht gibt es nichts Besonderes. Am liebsten wäre ich in Syrien, meine Freunde und ich haben immer mit Spielzeugpistolen gespielt. Es hat Spaß gemacht."
Jane Ayeko-Kümmeth
"Ostern in einem fremden Land"
Ich muss nur die Innenstadt laufen, und schon stellt sich dieses Gefühl ein. Das ist leider nicht nur auf Ostern beschränkt.
Mit anderen Worten: die Syrischen Moslems haben rein gar nichts mit Ostern zu tun. Aber warum befragt man sie dann? Im Prinzip weiß das doch jeder hier! Aber immer wieder will man sie in unser Boot holen und tut so als ob sie zu uns gehöre.