Das Urteil unseres Testers Wer in den Gottesdienst geht, um zur Ruhe zu kommen, um sich zum Nachdenken anregen zu lassen oder auch, um Orgelmusik zu genießen, der ist in Münchsteinach genau richtig. Wenn man die Klosterkirche betritt und die paar Stufen zu den Sitzbänken hinabgeht, fühlt man sich ein wenig ins Mittelalter versetzt, und es würde kaum verwundern, wenn plötzlich betende Mönche um die Ecke kommen. In der Kirche herrscht dank der schlichten, aber imposanten Architektur eine fast meditative Stimmung, die dazu einlädt, sich auf den Inhalt des Gottesdienstes einzulassen. Das Thema - in diesem Fall die Sorgen - wird immer wieder aufgegriffen, sodass jeder Besucher einen Anknüpfungspunkt finden kann. Pfarrer Markus Müller ist der Gemeinde während des ganzen Gottesdienstes nicht nur mit Blicken zugewandt, sondern öffnet sich auch mit Worten, gibt Persönliches preis und macht dadurch sowohl sich als auch die Bibelworte nahbar. Ein bisschen schade ist lediglich, dass der Gesang der Gläubigen von der Orgel komplett übertönt wird, was aber bei einem zahlreicheren Besuch eventuell anders sein kann.

Die Bewertung im Einzelnen

Einstieg:

Der Gottesdienst beginnt mit einem kleinen Orgelvorspiel, bevor Pfarrer Markus Müller die Gemeinde begrüßt und auch gleich den Wochenspruch "Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch" aus dem 1. Petrusbrief erwähnt. Dann stellt er den Bezug zum Alltag her, indem er kurz von einem Gespräch mit einem Gemeindemitglied über Sorgen berichtet. Musik: Die Akustik in der romanischen Münsterkirche St. Nikolaus mit ihrem hohen Mittelschiff ist grandios, das fehlerfreie Spiel der Organistin erfüllt den Kirchenraum. Der Gesang der Gottesdienstbesucher, die in überschaubarer Anzahl erschienen sind, verliert sich allerdings etwas in dem großen Gotteshaus.

Lesung:

Die Lesung wird von einer Lektorin flüssig vorgetragen und ist klar und deutlich zu verstehen. Inhaltlich nimmt sie mit dem Vortrag des 1. Petrusbriefs zunächst den Wochenspruch auf und trägt zum Thema "Sorgen" ergänzend einige Verse aus Matthäus 6 vor.

Predigt:

Auch in der Predigt, die Pfarrer Müller von der Kanzel aus hält, ist der rote Faden des Gottesdienstes hörbar, denn es geht um Sorgen und wie wir mit ihnen umgehen. Der Prediger wählt einen sehr persönlichen Einstieg, erzählt, worüber er sich sorgt, vom Klimaschutz bis zur Stabilität in Europa. Dann geht es kurz in die Vergangenheit, waren doch die Sorgen der Christen zu Petrus' Zeiten ganz andere, und wieder zurück in die Gegenwart. In aller Kürze schafft es Pfarrer Müller vom abstrakten Bibeltext zur konkreten Anregung für die Gläubigen.

Abendmahl:

Ein Abendmahl wurde bei diesem Gottesdienst nicht angeboten.

Segen: Der Gottesdienst wird mit dem üblichen Segen beendet. Nach einem kurzen Orgelnachspiel verabschiedet Pfarrer Müller jeden Besucher am Ausgang per Handschlag und wünscht einen schönen Sonntag.

Ambiente:

Das Münchsteinacher Münster ist ein romanischer Bau, der um 1180 fertiggestellt wurde und durch eine umfassende Renovierung zwischen 1965 und 1970 wieder seine ursprüngliche, fast mystische Schlichtheit zurückbekommen hat. Der barocke Altar und die barocke Kanzel bilden einen keineswegs störenden Kontrast zu den hohen steinernen Pfeilern, die das Mittelschiff begrenzen.

Kirchenbänke:

Die hölzernen Kirchenbänke haben eine gepolsterte Sitzauflage, die für einen bequemen Aufenthalt sorgt. Es gibt ausreichend Beinfreiheit zwischen den Reihen, und die Heizung unter den Bänken sorgt dafür, dass es zumindest an den Füßen nicht kalt wird. Um das ganze Kirchenschiff zu erwärmen, reicht das aber nicht aus, weshalb im Winter die Gottesdienste im Gemeindehaus abgehalten werden.

Beleuchtung:

Auch die Beleuchtung ist passend zum Bau schlicht gehalten. LED-Punktstrahler hängen an langen schwarzen Kabeln und sorgen dafür, dass die Liedtexte gut zu lesen sind. Prunkvolle Kronleuchter sucht man hier vergebens, und es gibt auch nur wenige kleine Fenster, die kaum Tageslicht einlassen. Es ist mittelalterlich düster, ohne bedrückend zu wirken.

Sinne:

Leise Orgelklänge dringen ans Ohr, schon bevor man die Kirche betritt, denn die Organistin spielt sich ein. Drinnen lautet das Motto "Weniger ist mehr", es gibt keine optischen Reize, die die Gläubigen davon abhalten könnten, sich ganz auf den Gottesdienst einzulassen.

Warum ein Gottesdiensttest? Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.