"Höchstadt, es war wieder ein Fest", postet Michl Müller auf seiner "Fatzebook"-Fan-Seite. Und Axel Rogner, Ex-Präsident des Höchstadter Eishockeyclubs (HEC), denkt nach jeder Veranstaltung, dass diese Show nicht mehr zu toppen sei. Aber Michl Müller, einer der bekanntesten fränkischen Kabarettisten Frankens, schafft es immer wieder. 1200 Besucher waren in die Höchstadter Aischtalhalle gekommen, um den unterfränkischen "Dreggsagg" zu sehen und zu hören. Für den war es schon fast ein Heimspiel: Zum achten Mal trat er in Höchstadt vor sein Publikum, eingeladen vom Höchstadter Eishockeyclub.
Wenn alles gut läuft, wird der Bad Kissinger - pardon Garitzer - Kabarettist auch im nächsten Jahr bei den "Alligators" zu Gast sein. "Wir haben einen sehr guten Draht zu ihm", sagt Rogner. Der HEC sei einer der ersten gewesen, der den aufgehenden Stern am Kabaretthimmel engagiert habe. Seit Monaten war die Veranstaltung ausverkauft - bis zur maximalen Auslastung der Halle.
Eine überaus beeindruckende Halle, wie Michl Müller findet. Selbst der Limburger Bischof würde sagen: "Da a paar Millionen reing'steckt und du hast a g'scheite Sakristei!" "Schluss! Aus! Fertig!" titelt der Jahresrückblick des Wortakrobaten, der gerne in den Aischgrund kommt: "Das merkst du schon, wenn du von der Autobahn runter fährst - durch Nackendorf durch - da wohnen normale Menschen!" Andere als die, die er das Jahr über genau beobachtet hat und über die er sich jetzt das Maul zerreißt.
In einem Pointen-Marathon ohnegleichen rast er mit Vollgas durch Skandale, Schlagzeilen und Ereignisse des vergangenen Jahres. Ein sehr ungewöhnliches Jahr, wie er findet: "Da muss sich einiges verschoben haben - nicht nur die Magnetfelder." Nichts und niemand bleibt ungeschoren. Mit spitzen Pfeilen zielt er natürlich zu allererst auf die Politiker. Ronald Pofalla zum Beispiel: "Warum der zur Bahn geht, wo er doch schon in der Regierung nix gerissen hat?" Und - "Wo geht denn dann der Ramsauer hin? Zu Aldi." "Panzer-Uschi" (Ursula von der Leyen) kommt ihm ebenso wenig aus wie "Balu der Bär" - Sigmar Gabriel, den er immer wieder auf der Bühne parodiert. Christian Wulff, Rainer Brüderle - "ich bin das Opfer meiner eigenen Dynamik", Winfried Kretschmann, "der Moses von Sigmaringen", "der Papagei" Claudia Roth und Söder als Heimatminister. "Hat unsere Heimat das verdient?" Keiner und keine entkommt seiner spitzen Zunge. Ein Lieblingsthema des unterfränkischen "Dreggsaggs" ist die Kanzlerin. Ihre Gestik - "das Heringsdösla" - hat er ebenso gut drauf wie ihre Taktik: "Was interessieren mich die Russen (auf Putin bezogen). Jetzt kommen die Chinesen." Mit der großen Koalition kann er überhaupt nichts anfangen: "Schwarz-Grün, des wär's gewesen!"
Wäre da noch Landesvater und "Sonnenkönig" Horst Seehofer. Dessen phänomenales Wahlergebnis ordnet der Kabarettist ein als "unsern geheimen Wunsch nach einer Monarchie". Bei der Landtagswahl wären erstmals die Bleistifte nicht angebunden gewesen. "Da hätt' man sogar was anderes als die CSU wählen könn'." Er kommt vom Hundertsten ins Tausendste, von der Bundestagswahl mit dem allerbesten Altweibersommer, "einem Vorteil für die Angie", über Renate Künasts "Veggie-Day" und Uli Hoeneß' Steuerprobleme. Er nimmt die Traditionen am Muttertag aufs Korn und die weihnachtlichen Lichterketten: "Ich wart' bloß, dass amol a Boeing in an Garten fällt, weil der Pilot denkt, er ist am Flughafen."
"Das ist Deutschland", seufzt Michl Müller ein ums andere Mal und weiß mit dem Tag der deutschen Einheit rein gar nix anzufangen: "Ziehst im Garten a Mäuerle rauf, kannst scho falsch verstanden werden." Aber es gibt auch noch ein Leben fernab der Politik. In Österreich zum Beispiel, wo der "VolksRock'nRoller" Andreas Gabalier zu Hause ist: "I bin a steirischer Bua, i kum aus Graz!" Es ist nicht nur die Sprache, es ist auch der Hüftschwung, der das Publikum begeistert mitgehen lässt. Dass ihm Hansi Hinterseer "das Leben gründlich versaut hat", weil Michls Mutter ihn immer als erfolgreiches Vorbild hingestellt hat, nimmt man ihm gerne ab.
Nachrichten wie die vom Meteoritenabsturz in Russland, dem Rücktritt des Papstes, über die Pferdefleischlasagne und den Berliner Flughafen lassen Michl nicht kalt. Er wundert sich über die "plötzliche Fruchtbarkeit der alten Männer" wie Fritz Wepper oder Ulrich Wickert. "Wenn die bei der Geburt dabei sind, kriegt das Wort Greis-Saal eine komplett neue Bedeutung."
Wenn Männer plötzlich Häkeln als Hobby entdecken und es in Berlin Uni-Sex-Toiletten gibt "für die, die sich nicht entscheiden können", versteht der Urfranke die Welt nicht mehr. Auch der "Amischmarrn" an Halloween und die Holifestivals sind ihm zuviel des Guten. Überhaupt war seiner Meinung nach früher alles anders, wenn nicht gar besser. Wenn eine Unicef-Studie heute verkündet, deutsche Kinder wären nicht glücklich, stellt er dagegen: "Mir Kinner wor'n glücklich."
Am sympathischsten ist der Michl, wenn er selbst vor Lachen nicht mehr weiter kann. Das kommt nicht selten bei seinen Liedern vor. "Hau nei", ruft er seinem Techniker zu, singt und hüpft über die Bühne. Ein Lied geht an die Adresse der Kanzlerin: "Angela ich moch dich . . ." Und man glaubt ihm, wenn er schlussendlich prophezeit: "Im neue Johr geht's genauso bescheuert weiter, wie des alte aufg'hört hat!"