Der Begriff Inklusion ist heute in aller Munde. Das bedeutet, dass behinderte Menschen in den ganz normalen Alltag eingebunden werden sollen.

"Ist es da noch zeitgemäß, eine solche Werkstatt zu bauen?" Günther Allinger, Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder warf diese Frage beim Richtfest für das neue Werkstattgebäude auf und - er beantwortete sie auch sogleich. Eine solche Werkstatt sei wichtig für die Menschen, die auf einen beschützenden Rahmen angewiesen seien. Einen Rahmen, der sie nicht so stark emotional und psychisch fordere.

Menschen mit besonderen Begabungen

Für Allinger ist es "eine Aufgabe für die Zukunft, Arbeitsangebote für behinderte Menschen zu schaffen". Arbeit, bei der sie sich einbringen und verwirklichen, ja zeigen können, welche Leistungen zu erbringen sie in der Lage sind.
"Behinderte sind Menschen mit besonderen Begabungen, was oft nicht richtig wahrgenommen wird", betonte Allinger. Diese Begabungen gelte es umzusetzen, indem man ihnen einen Arbeitsplatz biete, an dem sie sich ausdrücken könne.

Auf dem Gelände der Barmherzigen Brüder, im Eingangsbereich direkt an der Bundesstraße 470, entstehen solche Arbeitsplätze. Der von Architekt Albert Kastner geplante Gebäudekomplex hat eine umbaute Fläche von 2400 Quadratmetern. Die Kosten sind auf 3,5 Millionen veranschlagt. Grundsteinlegung war am 19. Juni dieses Jahres. Mit der Fertigstellung wird im Spätsommer 2014 gerechnet.

Richtfest heißt "Halbzeit"

"Es war ein langer Weg", betonte Günther Allinger. Gut zwei Jahre sind von der Planung bis zum Richtfest, das am gestrigen Montag gefeiert wurde, ins Land gezogen. Dass nun "Halbzeit" ist, zeigt der Richtbaum, neben dem Zimmerermeister Matthias Zimmermann mit seinem Richtspruch Glück und Segen auf Bau und Bauherrn herab rief. Ein bunter Richtkranz ließ Bänder und Tücher im Wind flattern. Die Gäste konnten sich Tücher zur Erinnerung mitnehmen.

Werkstattleiter Detlev Troll wird sich wohl gerne an diesen Tag erinnern. Denn in dem Gebäudekomplex werden 70 Arbeitsplätze für geistig und psychisch behinderte Menschen entstehen. Derzeit sind in den Benedikt-Menni-Werkstätten 220 behinderte Menschen beschäftigt. Es liege jedoch bereits die Anerkennung für 240 Arbeitsplätze vor. Die werden spätestens dann benötigt, wenn das von der Einrichtung geplante Wohnheim an der Bechhofener Straße mit 32 Wohnplätzen fertig gestellt ist.

In den vorhandenen Werkstätten sei es einfach zu eng geworden, erklärt der Werkstattleiter. Künftig wolle man kleinere Arbeitsgruppen bilden, was Menschen mit Einschränkungen sehr entgegen komme. Nicht alle Beschäftigten wohnen auch auf dem Gremsdorfer Gelände: "Rund 60 Externe kommen täglich aus der Region in die Werkstätten zur Arbeit", sagt Detlev Troll.

Jetzt wird alles geräumiger

In dem neuen Werkstattgebäude sollen künftig die Abteilungen Lebensmittelverpackung, Kartonagen, und Auftragsarbeiten für Großbetriebe untergebracht werden. Auch die Landschaftspflege, die für verschiedene Kommunen ausgeführt wird, werde im Neubau ihren Platz finden. Die Werkstatt sei dann auch offen für neue Aufträge, erklärte Troll.