Den Wunsch nach niedrigen Lebensmittelpreisen und artgerechter Tierhaltung in Einklang zu bringen, ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Vor allem in jüngster Vergangenheit stehen immer wieder Missstände im Bereich der Tierhaltung in der Diskussion.

Auch als Reaktion darauf entschied sich der Bayerische Bauernverband nun, die Öffentlichkeit über "Nutztierhaltung mit den vorhandenen Standards" zu informieren. Am Samstagvormittag lud man deshalb zu einem Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Stefan Müller (CSU) auf den Hof von Familie Dietsch in Kleinweisach.

"Wir sind ein mittelständischer landwirtschaftlicher Betrieb mit 800 Mastplätzen. In unserer Gegend ist das zahlenmäßig an der unteren Grenze", erklärt Familienoberhaupt Günter Dietsch. Aufgrund von Platzmangel im Dorf und Geruchsemissionen hat er 1994 seinen Mastbetrieb außerhalb der Ortschaft angesiedelt. Weil er großen Wert auf kurze Wege legt, findet die Vermarktung seiner Mastschweine ausschließlich regional statt - bei einem Metzger in Uehlfeld.

In diesem Zusammenhang ärgert sich Dietsch über die vielen von der EU vorgegebenen Auflagen für Fleischer. "Sie sorgen dafür, dass große Schlachtkonzerne im Vorteil sind und die kleinen Metzger nach und nach aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie die Bestimmungen nicht mehr erfüllen können und so ihre Zulassungen verlieren", meint der Landwirt.

Stefan Müller vor Ort

Allgemein ist er empört über das Mehr an bürokratischem Aufwand, das die neuen EU-Verordnungen mit sich bringen. Auch Dietschs Sohn und Nachfolger im Betrieb Thomas beobachtet diese Entwicklung kritisch. "Man will etwas für die Landwirtschaft tun, zerstört dadurch aber in Wirklichkeit die kleinbäuerliche und mittelständische Schicht", fürchtet der junge Mann.

Mit diesen Befürchtungen wandte er sich auch an Stefan Müller, dessen Arbeitsschwerpunkt als Staatssekretär im Bildungsministerium nur wenige Berührungspunkte mit der Landwirtschaft mit sich bringt. Als Vorbereitung auf das Treffen in dem kleinen Ortsteil Vestenbergsgreuths hat er sich deshalb mit einem kürzlich erschienenen Gutachten des wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beschäftigt. Dieser gibt eine Handlungsempfehlung für Politik und Wirtschaft und geht dabei kritisch auf Defizite im Bereich des Tier- und Umweltschutzes ein.

Müllers Anliegen sei es, vorgeschlagene Änderungen im Bereich der Nutztierhandlung auf ihre Praxistauglichkeit zu testen. "Dafür muss der Dialog mit den Landwirten als den in erster Linie Betroffenen gesucht werden. Sie müssen in solche Prozesse einbezogen werden", findet der Politiker. Um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen, begleitete er Günter und seine Frau Monika Dietsch sowie deren Söhne Thomas und Jochen in den Mastbetrieb.

"Auf diese Weise möchten wir nicht nur zeigen, wie in unserem Betrieb gearbeitet wird, sondern auch mit Vorurteilen aufräumen", sagt Günter Dietsch. Neben Kreisbäuerin Evi Derrer war unter anderem Frank Siebinger, Dienststellenleiter des Bauernverbandes in Herzogenaurach, zu dem Termin erschienen. Letzterer ist immer wieder empört über das "riesige mediale Echo" der Landwirtschaftskritiker und möchte diesen Stimmen die Sicht der Landwirte entgegenhalten.

Zehn Tiere pro Box

Im Mastbetrieb demonstrierte Günter Dietsch seinen Gästen den Fütterungsvorgang und verschaffte ihnen einen Überblick über die Haltung der Schweine, die unabhängig von ihrer Größe in Gruppen von je zehn Tieren pro Box untergebracht werden. Etwa ein halbes Jahr befinden sie sich immerhin hier, bevor es zum Schlachter geht.