Mit September, dem ersten Monat mit einem "R", beginnt für Feinschmecker eine besondere Jahreszeit. In der Region umso mehr, als der "Aischgründer Spiegelkarpfen" nicht nur ein geschützter Begriff ist, sondern als Spezialität eine lange Tradition hat.

Die Eröffnung der Karpfensaison, in der Vergangenheit im Aischgrund als besonderes Ereignis "zelebriert", fiel in diesem Jahr coronabedingt kleiner aus. Die maßgebenden "Säulen" der Karpfenwirtschaft im Aischgrund kamen bei Walter und Marianne Jakob in Mühlhausen in kleiner Runde zusammen.

Corona und die Auswirkungen der Krise waren das Thema. Das Netzwerk habe hervorragend funktioniert, war allgemeiner Tenor. Alle blicken optimistisch in die Zukunft. Die Karpfenwirtschaft im Aischgrund habe sich sozusagen an den eigenen Haaren aus der Krise gezogen.

Es geht auch um Tourismus

Etwas wehmütig erinnerte sich Gerald Brehm, Vorsitzender des Vereins Karpfenland Aischgrund, an Zeiten, als am 1. September "beim wichtigsten Ereignis im Jahr" der Karpfen um Mitternacht in fröhlicher Runde verspeist wurde. Wichtig sei, dass Teichwirtschaft, Gastronomie und Politik Hand in Hand gehen, betonte Brehm. Dabei gehe es nicht nur um das "Produkt Karpfen", sondern auch um die Landschaft und den Tourismus. Die Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft sei als "Nahtstelle zu Wissenschaft und Forschung" von großer Bedeutung, so Brehm.

"Es hat uns getroffen wie ein Schlag", sagte deren Leiter Martin Oberle. Kurz vor der Karwoche, der ganz wichtigen Zeit für die Aischgründer Spezialität, habe Corona zugeschlagen. Die Verunsicherung sei groß gewesen. "Auf dem kleinen Dienstweg und mit gesundem Menschenverstand" habe man den Teichwirten mit vielen guten Ratschlägen helfen können. Daneben seien Werbestrategien entwickelt und eine Internetseite aufgebaut worden. Als wichtig habe sich das To Go-Geschäft erwiesen. "Im Moment läuft's ja", auch wenn die beliebten "Fischpartien" in diesem Jahr ausfallen. Die Gastronomie sei zwar eingeschränkt, aber nicht geschlossen. Für die Zukunft sieht Oberle Möglichkeiten, den Karpfen ab Hof und im Lebensmitteleinzelhandel stärker zu vermarkten.

Karpfen heuer gut gewachsen

Die Karpfen seien in diesem Jahr so gut gewachsen wie nie zuvor, erklärte Walter Jakob, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Aischgrund. "Kleine Karpfen wird man heuer eher suchen müssen." In der Oberpfalz und in Tschechien hätten die Teichwirte ihre Fische in die Teiche "zurücksetzen" müssen. Obwohl die Fische jetzt auf den Markt drängen, sei er vorsichtig optimistisch. "Unsere Region ist so gefestigt, dass wir dagegen halten können."

Begeistert hat Jakob vor allem, wie schnell und unbürokratisch in solchen Situationen entschieden werden könne. Eine Sorge hat er dennoch: Bei Kieferndorf sei der erste Fischotter aufgetaucht. Das dürfe man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wo der Otter sei, gebe es keine Frösche und Amphibien mehr.

Thomas Müller-Braun, ehemaliger Geschäftsführer der Teichgenossenschaft Neustadt/Aisch, sah das etwas anders: Daran sei nicht der Otter allein schuld, sondern die hohe Konzentration von Störchen im Aischgrund, meinte er augenzwinkernd.

"Der Karpfen gehört zu unserer Tradition", so Landrat Alexander Tritthart (CSU). Er sei aber auch ein Wirtschaftsfaktor. Jetzt sei es wichtig, wieder in eine gewisse Normalität zu kommen. Die Gastronomie sei zwar "einigermaßen durch die Krise gekommen". Dennoch wolle er dazu aufrufen, wieder in die Gastwirtschaften zu gehen.

Kreativität in Corona-Zeiten

Kreativität sei in Krisenzeiten gefragt, fand Klaus Meier, Bürgermeister von Neustadt/Aisch und Vorsitzender der LAG Aischgrund. In Neustadt habe sich der "Karpfen to go" bewährt. Zudem finde zusammen mit dem samstäglichen Bauernmarkt ein Karpfenmarktplatz statt. Der Marktplatz in Neustadt werde bestuhlt und sei bei schönem Wetter voll besetzt.

Mehr Schaden scheint die Krise im Tourismus angerichtet zu haben. "Mitten im Anlauf ging gar nichts mehr", sagte Gästeführerin Christiane Kolbet. Bis Mai seien 30 Veranstaltungen ausgefallen. Ab Juni sei es wieder zaghaft angelaufen. Obwohl ihre Touren problemlos seien, weil viel im Freien stattfinde, sei die Zurückhaltung noch groß. In das Programm des kommenden Jahres will Kolbet noch mehr Aktivitäten im Freien und weniger Aufenthalte in geschlossenen Räumen aufnehmen. "Im März kam der Stillstand" auch bei Karpfenkönigin Svenja. In den Monaten zuvor habe sie schon schöne Erlebnisse gehabt, unter anderem in der Münchner Residenz.

Teich-Kulturpark geplant

Bei Doro Jordan von der FLAG Aischgrund (Fischereilich lokale Aktionsgruppe) "dauert aufgrund der Krise alles ein wenig länger". Jordan ist mit der Gestaltung des Teich-Kulturparks beschäftigt. Das Projekt wird in 22 Gemeinden mit Teichen Stationen für eine Kulturrunde mit Schau-Tafeln schaffen, Rad- und Wanderwege aufzeigen.

Für Thomas Oppelt, Karpfenland-Geschäftsführer, liegt die Zukunft des Aischgrunds im Rad- und Wandertourismus. Während der Krise habe er verstärkt Interesse aus der Region selbst festgestellt. Was bei vielen zu der Erkenntnis geführt habe, dass der Aischgrund "große Schätze vor der eigenen Haustüre hat". Einen zunehmenden Trend verzeichnete Oppelt im Wohnmobil-Tourismus. Die Anfrage nach Campingplätzen habe sich verstärkt. Künftig werde man sich auf Touristen auf der Durchreise einstellen und Übernachtungsmöglichkeiten schaffen müssen. "Ich bin optimistisch. Die Region hat ein starkes Potenzial", so Oppelt.

Entgrätete Variante

Die Tendenz der Verbraucher gehe ganz eindeutig zum entgräteten Karpfenfilet, antwortete Walter Jakob auf die Frage. Diese Köstlichkeit, von Marianne Jakob und von Renate Rückel im rustikalen Ambiente serviert, wurde in der Runde - selbst von ausgesprochenen Freunden des traditionellen halben Karpfens - gepriesen. "Es schmeckt nicht nur köstlich, auch die Hände bleiben sauber", stellte Landrat Tritthart fest.