September ist Karpfenzeit, und viele Menschen im Aisch- und Seebachgrund freuen sich, wenn sie den ersten Karpfen der Saison verspeisen. Die katholische Pfarrei Hannberg hat deshalb am vergangenen Freitag erstmals eine Kultur- und Kirchenführung rund um das Thema "Karpfen und fränkisches Bier" angeboten. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt wurden Regeln für ein explizites Hygienekonzept festgelegt und die maximale Gästezahl auf 30 Personen festgelegt.

Ein Team des Sachausschusses Kunst, Kultur und Geschichte war ziemlich überrascht über das große Interesse, denn die vorhandenen Plätze waren innerhalb weniger Tage ausgebucht. Die Nachfrage nach einer Karpfen-Kulturführung war augenscheinlich sehr groß. Es wurde ein Paket mit drei Teilen angeboten: Kirchenführung, Bierverköstigung und Karpfenführung, inklusive Essen und Trinken.

Zu Beginn gab Kirchenführer Thomas Willert eine Einführung in die Geschichte der Wehrkirche Hannberg. Dabei war sein Schwerpunkt der Bezug zwischen Hannberger Kirchenburg, der Karpfenzucht im Seebachgrund und dem fränkischen Bier, eine Kombination, die bei den Gästen sehr gut ankam.

Der Bau der Wehrkirche Hannberg hing ganz wesentlich mit der Schenkung eines großen Bauernhofs mit Karpfenweihern in Oberlindach zusammen. Diese Schenkung an die Pfarrei Hannberg wurde 1464 von den Nürnberger Patrizier Johann Igelthaler vorgenommen. Durch die Erträge des Hofes sollte ein eigener Pfarrer angestellt werden.

Einst ein Marien-Wallfahrtsort

"Somit kann man sagen, dass die Karpfen des Seebachgrunds geholfen haben, die Pfarrei Hannberg aufzubauen", erklärte Willert den Gästen. Diese staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass Hannberg in der Vergangenheit ein bedeutender Marien-Wallfahrtsort war. Laut den Kirchenbüchern kamen an einem einzigen Sonntag im Jahr 1782 über 1200 Gläubige in den Gottesdienst. "Der Andrang zur Kirche in Hannberg und ihre Marienfiguren war so groß, dass sogar Pfarrer aus Forchheim, Höchstadt und Herzogenaurach bei der Kommunion mitaushelfen mussten", erläuterte Willert.

In der Folge entstanden zwei große Gasthäuser in Hannberg, die frühere Gastwirtschaft Winkelmann und die heute noch vorhandene Gastwirtschaft Baumüller. Erstere hatte ein Brau- und Backrecht, und so wurde mit den Hopfen aus dem Hannberger "Hopfengärtla" selbst Bier gebraut. Dieses wurde in den großen Felsenkellern in der Röhracher Straße gelagert.

Als nächste Station der Hannberger Kulturführung ging es in den 100 Meter langen Felsenkeller der Familie Winkelmann, denn dort war eine Bierverköstigung mit verschiedenen Bieren der Brauerei "Zum Löwenbräu" aus Neuhaus vorbereitet. In den kühlen Felsengängen konnte alle zwei Meter eine Einzelperson oder ein Ehepaar bei Kerzenlicht die Biersorten testen. Ergänzende Erklärungen zu den Biersorten und der Bierlagerung in Hannberg machten die Bierprobe zu einem Erlebnis.

Zum Abschluss wurde im Innenhof der Wehrkirche den Gästen lebende Fische in einem Behälter vorgestellt: Spiegelkarpfen, Graskarpfen, Schleien und Quappen. Danach führte Michael Wießner verschiedene Techniken des Abfischens mit Hilfe eines Wurfnetzes vor. Teile der Ausrüstung eines Teichwirts wie Kescher und ein großes Zugnetz standen als Dekoration zur Schau. Im Nachgang wurde den Gästen dann ein Karpfenessen mit fränkischem Bier an die Tische gebracht. Während in den Abendstunden die Wehranlage farbig beleuchtet wurde, genossen die Gäste Karpfen mit selbst gemachtem Kartoffelsalat.

"Es war eine sehr interessante Führung, und die Karpfen haben sehr lecker geschmeckt", fanden viele Gäste. Eine Wiederholung ist wahrscheinlich, denn die Nachfrage nach Karpfen, Kultur und Genuss ist vorhanden.