"Es ist das pure Leben. Mit all seinen Höhen und Tiefen, mit Chaos, Flexibilität, Offenheit und Ehrlichkeit", beschreibt Jasmin Siegfried ihre Tätigkeit als Jugendpflegerin. Sie leitet den Jugendtreff "2days" seit dessen Gründung vor sechs Jahren. Der Tag der offenen Tür im Storchennest am Ostermontag gewährte Einblick in die Lonnerstadter Jugendarbeit der vergangenen Jahre. Zwei Ausstellungen zum Thema Konfirmation wurden gezeigt.

"Vorher haben wir uns in einem Kellerraum der Gemeinde getroffen. Mit den Jahren sind wir aus dem aber rausgewachsen", erzählt Siegfried. Gemeinsam mit den Jugendlichen wurden die Räumlichkeiten des Storchennests, des Torhauses vor der Lonnerstadter Kirche, vor zwei Jahren hergerichtet. Mittwochs von 17 bis 20 Uhr treffen sich Jugendliche ab zwölf Jahren und freitags von 16 bis 18 Uhr Kinder zwischen sechs und elf Jahren.
Der Name des Treffs "2days" steht dafür, dass an zwei Tagen der Woche ein offener Treff stattfindet. "Das bedeutet, dass jeder einfach kommen darf", erklärt Siegfried. "Wir wollen eine Anlaufstelle sein, die auch vor Eltern geschützt ist." Gemeinsam wird gequatscht, gekocht, gebastelt, Musik gemacht, gespielt oder einfach nur auf der Couch entspannt.


Im Sommer nach Spanien

Ein Highlight ist die jährliche Jugendfahrt. Heuer geht es für die Jugendlichen in ein Ferienhaus an der Costa Brava in Spanien, wo sie zwei Wochen ihrer Sommerferien verbringen.

Elmira Manavi aus Ailsbach war als Teilnehmerin und später als Betreuerin bei den letzten Freizeiten dabei und besucht regelmäßig den Jugendtreff. "Meine Schwester hat mich vor ungefähr drei Jahren mitgenommen, und ich habe mich sofort wohlgefühlt", erinnert sich die 18-Jährige. Das ist für sie auch das Besondere.

"Gemeinschaftsgefühl - das macht den Jugendtreff aus. Man kommt rein und gehört gleich dazu. Man wird angenommen wie man ist."


Gestern und heute

Tritt man ins Treppenhaus des Jugendtreffs, begrüßen einen alte Bilder an den Wänden. Sie stammen zwar aus verschiedensten Jahren und Jahrzehnten, sehen sich auf den ersten Blick jedoch sehr ähnlich. Mädchen und Jungs, schick gekleidet, in mehreren Reihen geordnet und in die Kamera lächelnd. Auf den zweiten Blick erkennt man die unterschiedlichen Gesichter und Kleidungsstile, die von den schwarz-weißen Bildern aufgefangen wurden. Sie gewähren einen Blick auf die ehemaligen Konfirmanden Lonnerstadts bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Die Konfirmanden dieses Jahrs präsentierten sich bereits am Vormittag bei ihrem Vorstellungsgottesdienst. "Wir haben den Gottesdienst vorbereitet und komplett mitgestaltet. Auch Predigt und Lesung haben wir übernommen", erklärt Julika Hörs, eine von elf Jugendlichen, die sich auf ihren Konfirmationsgottesdienst am kommenden Sonntag freuen.

"Erst in den letzten 20 bis 30 Jahren entwickelte sich der Vorstellungsgottesdienst, den die Konfirmanden selbst kreativ ausgestalten dürfen", erklärt Pfarrer Jürgen Harder, der ihnen bei der Planung zur Seite stand. "Früher gab es ein Katechismusverhör, bei dem das Wissen der Konfirmanden geprüft wurde."

Wie sich die Konfirmation verändert hat und was sie bedeutet, zeigt die Ausstellung "Konfirmation im Wandel". Sie wurde aus dem Museum "Kirche in Franken" aus Bad Windsheim ausgeliehen und ist noch in den nächsten vier Wochen in der St.-Oswald-Kirche zu sehen. Lebensgroße Aufsteller, Infoplakate und persönliche Andenken schlagen den Bogen des Festes von der Reformation bis ins 21. Jahrhundert.

Nach sechs Monaten Dienst wurde Vakanzpfarrer Jürgen Harder im Vorstellungsgottesdienst verabschiedet, von einer Gemeinde, die er in sein Herz geschlossen hat. "Der Abschied fällt mir schwer", berichtet Harder. "Wir lassen ihn auch schwer gehen", erwidert Elke Stark vom Kirchenvorstand.

Der überreichte Harder ein köstliches Abschiedsgeschenk - eine Torte mit dem Bild der Lonnerstadter Kirche auf einer Oblate. Mit Bürgermeister Stefan Himpel aß Harder das erste Stück. "Das ist auch ein Symbol", erklärt Stark. "Wie das fehlende Stück in der Torte ist Pfarrer Harder ein Stück unserer Gemeinde, das nun wegbricht."