Kein Weg ist zu weit, keine Herausforderung zu groß und kein Ziel zu hochgesteckt, als dass Joey Kelly es nicht erreichen könnte. Diesen Eindruck konnte man zumindest bei seinem Vortrag in der Höchstadter Aischtalhalle gewinnen.

Hauptsächlich tritt der Extremsportler, den Birgit Völker eingeladen hatte, in Wirtschaftskreisen auf. Dass der Besuch des TV-Stars und ehemaligen Musikers auch bei einer anderen Klientel ankommt, war schnell klar. Bereits im Vorverkauf brachte man 600 Karten an den Mann. An der Abendkasse kamen rund 50 dazu. Und auch der Protagonist selbst war von dem "phänomenalen Ansturm" überrascht: "Also ich wäre wegen mir heute Abend nicht gekommen."

Ihr Ziel, die Schüler "aus der Komfortzone herauszulocken", hatten Direktor Bernd Lohneiß und Elternbeiratsvorsitzende Ute Schwarm erreicht. Als die Lichter in der Halle erloschen, wurde "der irre Ire" mit tosendem Applaus empfangen. Allerdings beklagte er sich umgehend mit einem Augenzwinkern: "Wenn es so dunkel ist, bekomme ich Angst. Da denke ich, ich muss singen."

Dass es bei Kellys Programm "No Limits" keineswegs ernst zugehen würde, machte er schnell klar. So muteten die ersten zehn Minuten seines Auftritts mehr wie eine Comedyshow an.



Familiengeschichte

Durch seine Selbstironie, insbesondere bezogen auf die eigene Familiengeschichte, hatte der 42-Jährige das Publikum aber im Handumdrehen gepackt. Los ging es mit seiner Kindheit in der Musikerfamilie um Vater und "Querdenker" Dan Kelly, der mit den zwölf Kindern in den 70er-Jahren aus einer Notsituation heraus die Band "The Kelly Family" gründete. Zunächst lebte man getreu dem Motto "Der Hut lügt nicht" von Spenden auf den Straßen Europas. 1994 gelang der Gruppe der kommerzielle Durchbruch.



Eine Glaubensfrage

Den Glauben an Erfolg habe man nie verloren, betonte Kelly. Seine Botschaft: Glück ist kein Zufall. Wie ein Maschinengewehr plauderte der ehemalige Popstar 80 Minuten lang aus dem Nähkästchen. "Einmal haben wir nach einem Konzert zu Hause bei Pavarotti Spaghetti gekocht. Das war der Wahnsinn", sagt Kelly, der reichlich Bild- und Videomaterial mitgebracht hatte, rückblickend voller Stolz. Am Ende von Kellys musikalischer Karriere standen 20 Millionen verkaufter Platten.

Joey Kelly, der viele Jahre als Geschäftsführer der Band tätig und als "Rebell" verschrien war, sah sich nie als reinen Musiker. Eine Wette mit seiner Schwester Patricia habe ihn zum ersten Triathlon geführt. "Beim Schwimmen war ich nicht nur Letzter, sondern wäre fast untergegangen", erinnert sich Kelly, der ohne Training angetreten war. Bald wurde Sport aber zum wichtigsten Teil seines Lebens.



Idealer Ausgleich

Noch während der Tourneen trainierte er regelmäßig, meistens nachts nach den Konzerten. Sogar Michael Jackson habe er wegen eines Wettkampfs beinahe versetzt. Ausdauersport sei der ideale Ausgleich für die Belastungen in Beruf, Schule oder Privatleben.

Bald waren dem Sportler "normale" Triathlons nicht mehr genug. Er nahm längere Rennen auf sich. Krank und mit Füßen voller Blasen absolvierte er einen Wüstenlauf über 280 Kilometer oder einen Ultramarathon durch Schnee und Eis in Alaska. "Mein Ziel war nie die Bravo oder Bunte, sondern das Podest", so der Ausnameathlet.
Mit der erfolgreichen Teilnahme an acht Ironman-Triathlons in einem Jahr hält er den Weltrekord. Jüngstes Projekt des Läufers war der Deutschlandlauf von der Nordsee zur Zugspitze. Zu Fuß, ohne Geld oder Proviant absolvierte er die 900 Kilometer.

Auch von seiner Teilnahme an zahlreichen Raab-Events berichtete er. Dass er zu Stefan Raab privat keinen Kontakt hat, überraschte viele Zuhörer.

Für die Gage des Gasts kam der Höchstadter Unternehmer Joachim Völker auf, der Kelly im Namen der Deutschen Vermögensberatung engagiert hatte. "Fächer wie Zielsetzung, Durchhaltevermögen und Disziplin werden in der Schule nicht gelehrt. Aber es ist wichtig, Kindern und Jugendlichen diese Dinge zu vermitteln", findet Völker. Der Erlös von 3000 Euro wurde dem Gymnasium gespendet.


"Motivation ist bei mir immer da"

Noch vor seinem Auftritt nahm sich Joey Kelly Zeit für ein Gespräch.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre eigene Schulzeit?
Joey Kelly: In einer Schule war ich selbst nie. Meine Geschwister und ich sind aufgewachsen wie Schausteller, waren immer unterwegs. Bevor wir mit der Musik angefangen haben, war mein Vater Lehrer. Er hat uns unterrichtet. Vermisst habe ich aber nichts.

Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Sie zum Extremsport geführt hat?
Vor 18 Jahren bin ich durch Zufall zum Ausdauersport gekommen. Ich hatte geglaubt, dass ich einen Jedermann-Triathlon schaffen kann. Im Ziel habe ich zwar geschworen, so etwas nie wieder zu machen. Aber dann ist es doch anders gekommen.

Glauben Sie, dass man mit mentalem Training alles erreichen kann?
Nein. Man muss sich selbst Ziele setzen und diese in den eigenen Alltag einfließen lassen. Man darf sich nicht auf Motivationstraining verlassen. Auch ich selbst sehe mich nicht als Mentaltrainer an, sondern möchte einfach einen Impulsvortrag bieten, um zu zeigen, dass die Grenzen für uns alle weiter sind als wir denken.

Sehen Sie bei der heutigen Jugend ein Defizit in Sachen Sport und Teamgeist?
Mein Vater ist 1930 geboren und damals gab es in der Schule noch keinen Sportunterricht. Inzwischen wird der Stellenwert von körperlicher Stärke und Ausdauer anerkannt. Ich weiß, es wird oft erzählt, dass heute alles schlimmer ist als früher und die Kinder immer dicker werden. Aber ich kann das nicht bestätigen. Ein Stück weit ist es aber auch schul- und erziehungsbedingt. Der Direktor hier am Gymnasium beispielsweise ist selbst Sportler und ich bin mir sicher, dass die Schüler davon profitieren. Auch, wenn Kinder heute viel Zeit im Netz verbringen, sollte man nichts pauschalisieren.

Wer ist Ihr persönliches Vorbild?
Den belgischen Triathleten Luc Van Lierde finde ich großartig, weil seine Leistungen phänomenal sind. Auch Bergsteiger Reinhold Messner inspiriert mich.

Sind Sie selbst manchmal undiszipliniert?
Ich arbeite sieben Tage die Woche, fast 24 Stunden. Ich mache das alles freiwillig. Manchmal bin ich müde, das gebe ich zu. Aber trotzdem macht mir die Arbeit immer unwahrscheinlich viel Spaß. Weniger schön war es beispielsweise, heute 700 Kilometer mit dem Auto hierher zu fahren, oft steht man stundenlang im Stau. Aber das hat nichts mit Motivation zu tun. Die ist bei mir immer da.

Das Gespräch führte Mona Lisa Eigenfeld.