"Ich bin ich selbst, wenn ich im Garten bin", schwärmt Petra Fischer. Vor eineinhalb Jahren zog sie mit ihrer Familie in das denkmalgeschützte Barockhaus von 1770. Viel wichtiger waren ihr aber die 1600 Quadratmeter, die sich hinter dem rosa-weißen Gebäude angliedern.

Diese boten der 45-Jährigen genügend Platz, um einen neuen Garten ganz nach ihrer Fantasie anlegen zu können. "Hier darf alles so wachsen, wie ich will", sagt sie. Schon als Kind pflegte Fischer ihr eigenes Beet im Garten der Großmutter und noch immer liebt sie es, draußen Zeit zu verbringen. Acht bis neun Stunden pro Tag ist sie in ihrem Garten und kann dort nicht nur beim Gärtnern ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Als Künstlerin malt sie und arbeitet mit Naturmaterialien. In ihrem Reich hat Fischer ein Ferienprogramm für Kinder angeboten. Neben dem Töpfern kann man bei ihr "Wild weaving" lernen.
"Man fertigt einen Rahmen aus Stöcken an und kann dazwischen mit Ranken, Zweigen und Gräsern weben."


Blumen als Farbtupfen

Die Materialien dafür stammen natürlich aus ihrem eigenen Garten, der rund 500 verschiedene Pflanzenarten beherbergt. Die Beete sind nach bestimmten Themen angelegt, die wiederum auf die jeweiligen Standortbedingungen angepasst sind. Im Waldgartenbeet wachsen Schattenpflanzen und in der Sonne erstrahlen die Blüten des Sommerstaudenbeets. Eine Reihenpflanzung kam für sie gar nicht in Frage. "Die Beete formen eine harmonische Wellenbewegung. Wie Farbtupfen mit einem Pinsel."

Das Konzept ihres Gartens ist fränkisch-englisch. "Ich bin ein totaler Fan von Englischen Gärten. Den englischen Stil habe ich mit fränkischen Pflanzen umgesetzt", erklärt sie. Das werde unter Experten auch "New German Style" genannt.

Durch ihre spontanen Einfälle kann ihr Garten jeden Tag anders aussehen. "Mein Mann scherzt immer, dass ich die Pflanzen doch erstmal 14 Tage stehen lassen soll, wo sie sind", lacht sie.

Um ihr Hochbeet am unteren Ende des Gartens verteilen sich viele Obst- und Gemüsearten. Brokkoli, Erbsen, Gurken, Tomaten, Sellerie, Zwiebeln, Himbeeren, Blau- und Erdbeeren sind nur einige davon. Auf den Wunsch ihrer Tochter gedeihen in einem Pflanzkasten sogar Honigmelonen - durchaus untypisch in Franken. Bald wird das Beet wohl einem Gewächshaus weichen müssen. "Ein Gewächshaus im viktorianischen Stil passt in meinen Garten und ist einfach schön", strahlt sie. In ihrer Pflanzenschule zieht Fischer Sprösslinge groß, die später entweder Platz im eigenen Beet oder in dem von Freunden und Bekannten finden werden.


Garten ist auch im Winter schön

"Ein Garten ist Teamarbeit", erklärt Fischer. Sandsteine erhielt sie zum Beispiel von einem Nachbarn, ein anderer half beim Bau des Hochbeets. Auch die Kinder helfen mit. Besonders ihre Teenager-Tochter genieße es, mit ihrer Mutter zu quatschen und Zeit füreinander zu haben: "Die Arbeit im Garten erdet total vom Alltagsstress."
Damit ihr Garten das ganze Jahr lang hübsch aussieht, hat sie Blumen gepflanzt, die in den unterschiedlichen Jahreszeiten blühen. Im Winter sorgen immergrüne Pflanzen und Buchsbäume für die gewünschte Struktur. Die unterschiedlichen Jahreszeiten vermisste sie während ihrer Zeit in Hongkong. Bevor die Architektin und Gartenplanerin in Franken ihre Wahlheimat fand, verbrachte sie dort mit ihrer Familie drei Jahre.


Garten im Einkaufszentrum

Sich mit chinesischen Hausfrauen gemeinsam die Nägel zu pflegen und Yogaübungen zu machen, wurde ihr aber schnell zu langweilig. "Ich habe für drei Monate in einer Mall einen Indoor-Garten konzipiert, gepflanzt und gewartet", erzählt sie. Die laute, wilde und enge Atmosphäre der Millionenmetropole verarbeitete sie in Bildern und Collagen. Mittlerweile scheint sie sich vom Kulturschock erholt zu haben.

Entspannung und Erholung findet sie in ihrer persönlichen Parkanlage. "Wenn ich mal eine Pause von der Gartenarbeit brauche, ist das hier mein Lieblingsplatz", erklärt Fischer und setzt sich auf einen Holzstuhl unter einem großen Nadelbaum. "Ich möchte mal ein Buch schreiben - mit Tipps und Tricks über das Gärtnern im Alter und wie man einen pflegeleichten Garten anlegt." Mit Blick auf ihr eigenes Grundstück fügt sie hinzu: "Ich möchte das nie aufgeben."

Seit diesem Jahr gehört ihr Garten zu den "Fränkischen Paradiesgärten". Über den Tourismusverband "Frankentourismus" bekommt man ihre Kontaktdaten. Ein Anruf genügt und schon kann jeder Interessierte zu Besuch kommen, mit Fischer fachsimpeln und eine Tasse Tee trinken. Ihr Traum ist ein englischer Schaugarten, der zu einem Ort der Begegnung werden soll. "Ich möchte mehr Bewusstsein wecken, wie schön Franken und Gartenkultur ist."