"Da steckt Kraft dahinter - und das spürt man auch", sagt Hermann Fritz Block. Es sei kaum zu glauben, was man in diesem "Haus" mental erlebe. Spätestens jetzt wird der Zuhörer neugierig auf das, was Block beschreibt.
Der Mann aus dem Unterallgäu ist der "Architekt" einer "Burg" aus lebendigem Material.


Im Tal der Reichen Ebrach


Südlich von Stolzenroth soll die Anlage im Wiesengrund wachsen. Gleich nebenan lagen einst die Wasserburgen der Herren zu Stolzenrothe und Liebenau. Die Umrisse der einstigen Burganlagen im Tal der Reichen Ebrach sind aus der Luft sogar noch zu erkennen. Die neue "Burg" wird aus Lindenholz gepflanzt und ist in der Form den einstigen Wasserburgen nachempfunden.

Bislang ist nur der Grundriss zu erkennen. Das "wachsende Haus" ist ein Projekt zur Umwelt- und Bewusstseinsbildung. Tina Sickmüller, Chefin des Heinershofs, einem Hort und Schulbauernhof, hat es mit ihren Schützlingen aufgelegt.


Entschleunigung das Ziel


Um den Faktor "Zeit" geht es bei diesem Projekt. Vor dem Hintergrund der heutigen "Beschleunigungsgesellschaft", die sich ein "immer schneller, immer weiter und immer mehr" auf die Fahne geschrieben habe, sagt Sickmüller.

Die ökologischen Folgen seien offensichtlich. Dabei habe die Natur ein anderes Zeitmuster und einen ganz eigenen Rhythmus, findet sie. Dahin müsse man ein Stück weit wieder zurückkommen.

"Wir pflanzen hier eine neue Zeitkultur, praktisch ein Haus für unsere Urenkel." Das wachsende Gebäude aus Lindenholz sei ein Gegenpol zur Beschleunigung, somit ein Symbol der Langsamkeit.

Auf einer Fläche von 8,50 mal 4,50 Metern ist das Haus angelegt. Im rechteckigen Grundriss wurden 200 Winterlinden-Setzlinge gepflanzt. Bereits mit Wurzeln, so dass sie schon bald austreiben werden. Während Weidenruten kurzlebig sind, könnten Linden bis zu 300 Jahre alt werden, erklärt Block.


Richtfest in fünf Jahren


"In fünf Jahren können wir Richtfest feiern", freut sich Tina Sickmüller schon jetzt. Dann könne man "das Dach" oben zusammenziehen. Das Besondere sei, dass die Stellen, an denen sich die Äste kreuzen, zusammenwachsen und eine stabile Wand bilden sollen. Die künftigen Triebe würden wiederum überkreuzt, so dass eine Art Gitter entsteht.

Hermann Block wird das Projekt begleiten, bis das Dach geschlossen ist. Im kommenden Herbst wird er die zu stark gewachsenen Triebe reduzieren. Die schwächeren sollen so genug Licht und die gleichen Wachstumschancen bekommen.

Im Herbst wird auch ein "Burgenweg" als Hecke aus Feldahorn angelegt. "Er führt rings herum und zwingt dazu, wie bei den Burgen früher das Haus zu umrunden." Durch einen Torbogen könne der Besucher dann eintreten.


Spiel- und Freizeitwiese


Die Wiese, auf der die Burg aus Lindenholz angelegt wurde, ist Eigentum des Heinershofs. Es soll die Spiel- und Freizeitwiese der Kinder werden, sagt Sickmüller. Die Burg könne Schatten- und Ruheplatz für die Jungen und Mädchen sein. Aktuell werden auf dem Heinershof im Hort 40 Kinder betreut. Hinzu kommen die vielen Schulklassen, die meist eine Woche auf dem Schulbauernhof zubringen. "Viele Bewohner aus dem Ort haben sich schon umgeschaut, was hier im Talgrund passiert", sagt Monika Pflaum, Tina Sickmüllers "rechte Hand". Dem Projekt dürfte das durchaus entgegen kommen.


Auch ein Wanderweg ist geplant


Langfristig sei ein Wanderweg zum Thema Zeit geplant. Im Herbst solle dafür ein Arbeitskreis gebildet werden.
Sickmüller möchte Interessierte aus den umliegenden Ortschaften zum Mitmachen ermuntern. 2018 solle das Thema Zeit mit Eltern, Großeltern und Kindern als Zielgruppe umgesetzt werden. Handwerk, Brot backen, Gärtnern, all das seien Bereiche, in denen Zeit eine Rolle spiele.

Weitere Inforamtionen gibt es im Internet unter der Adresse www.heinershof.de.