"Dass es so weit gekommen ist, bereue ich zutiefst", gestand der Angeklagte aus Höchstadt am Mittwoch vor der Zweiten Strafkammer des Nürnberger Landgerichts. Zur Last gelegt wurden dem 29-Jährigen unter anderem räuberischer Diebstahl, Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Nun erging das Urteil. Und das fiel aus Sicht des Angeklagten positiv aus: Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Unterbringung in einer Psychiatrie wurde vom Gericht abgelehnt.

Im Mittelpunkt der Abschlussplädoyers am zweiten und letzten Verhandlungstag stand die Frage nach einer Gefahr für die Allgemeinheit. Zwar betonte der zuständige Staatsanwalt den "reflektierten Eindruck" des unter paranoider Schizophrenie leidenden Angeklagten während der Verhandlung im Gegensatz zu dessen Impulsivität im Rahmen der vier Tatgeschehen.
Doch wollte er auch ein gewisses Gefährdungspotential für die Allgemeinheit nicht ausschließen. Der Verteidiger des jungen Mannes hingegen verwies auf die Ausnahmesituationen, in welchen sein Mandant die von ihm auch im Wesentlichen eingeräumten Taten begangen hatte. Den Hammer, der aus dem Diebstahl geringwertiger Sachen einen strafrechtlich relevanten Diebstahl mit Waffen machte, habe der Angeklagte lediglich als eine Art Talisman bei sich getragen. Bestätigt wurde diese Annahme durch die Tatsache, dass das Werkzeug bei keiner der Taten gegen Menschen eingesetzt worden war.

Heute, rund ein Jahr nach den Geschehnissen, sei sein Mandant einsichtig und sich seiner schweren Erkrankung bewusst. Der Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt in Neumarkt stelle in Kombination mit der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten und einer Beschäftigungstherapie aktuell einen geregelten Tagesablauf sicher.

Den "merkwürdigen" Eindruck des Angeklagten zur Tatzeit bestätigte auch ein Polizeibeamter, der als Zeuge erschienen war.

Eines der Hauptanliegen des Gerichts bestand daneben in der Erörterung, ob es sich bei der Körperverletzung einer Krankenpflegerin des Erlanger Bezirkskrankenhauses um eine vorsätzliche Tat handelte. Eine hierzu geladene Zeugin konnte aber auch nicht zur Aufklärung dieser Frage beitragen. Der vernommene Sachverständige wies vor allem auf den früheren Drogenmissbrauch des Angeklagten hin. Einen direkten Zusammenhang zwischen dessen Konsumverhalten und den begangenen Taten konnte er jedoch nicht feststellen. Die Körperverletzung sei aufgrund der akuten psychotischen Verfassung des Angeklagten, der sich deshalb zu dieser Zeit auch in Behandlung befand, jedenfalls im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen worden. Im Rahmen der anderen Taten könne zumindest von verminderter Schuldfähigkeit die Rede sein.

Die Ablehnung des Sicherungsantrags begründete das Gericht damit, dass dem Angeklagten im Rahmen der Körperverletzung, die Resultat einer unübersichtlichen Rangelei war, kein direkter Vorsatz vorgeworfen werden konnte. Zudem verneinten die Richter eine bestehende Allgemeingefährdung mit der Begründung, der Angeklagte habe sich immer nur gegen einen bestimmten Personenkreis gewehrt - in den vorliegenden Fällen hauptsächlich gegen Polizeibeamte und Klinikmitarbeiter, die mit solchen psychischen Erkrankungen vertraut seien. Ebenfalls für den Angeklagten sprach, dass er zuvor noch nicht ernsthaft mit dem Gesetz in Konflikt geraten war.
Den Freispruch möchte der Vater einer jungen Tochter nun nutzen, um seine Krankheit weiterhin mithilfe entsprechender Behandlungen in den Griff zu bekommen.