"Wir sind engagiert, modern und aktiv!" Kreisbäuerin Evi Derrer vertrat beim Landfrauentag im Forum der Barmherzigen Brüder ihre Mitstreiterinnen so, wie sie sich heute darstellen: als selbstbewusste Managerinnen im ländlichen Raum, die sich um Betrieb und Familie kümmern.

Daneben sorgten sie dafür, dass sich die Dörfer von ihrer schönsten Seite zeigen, und stellten Aktionen, Bildungsveranstaltungen und Freizeitaktivitäten auf die Beine, so die Kreisbäuerin weiter, die sich über den Besuch zahlreicher Gäste aus Politik, Landwirtschaft und von Behörden freute.


Alles dreht sich um "Heimat"


"Heimat" - ein Begriff, der die vielfältigsten Definitionen zulässt, stand als großes Thema über dem Treffen der Landfrauen. Dazu hatte sich die Kreisbäuerin in Dekan Kilian Kemmer einen Festredner geholt, der es verstand, seine Zuhörer zu fesseln.

Nicht nur für Evi Derrer bedeutet Heimat "tausend Erinnerungen, Sicherheit und Geborgenheit". Heimat ist für die Kreisbäuerin gleichbedeutend mit Existenz und Lebensgrundlage. "Wir sind Erzeuger von Milch, Fleisch, Eiern, Obst und Gemüse. Wir sind aber auch Energiewirte und geben dem Landkreis ein facettenreiches Gesicht." Nicht zuletzt mit den Kochvorführungen, die laut Evi Derrer echte "Highlights im Landkreis" geworden sind.

Dass sie zudem Tradition und Brauchtum einen hohen Stellenwert beimessen, steht den Landfrauen gut zu Gesicht. So zum Beispiel beim Landfrauenchor, der unter der Leitung von Sandra Haagen "Der Buu, der schleicht zum Apfelbaam" in schönster fränkischer Mundart sang.


Ort zum Wohlfühlen


Dekan Kemmer scherzte, dass er zwar schon oft, "aber noch nie mit so vielen feschen Madeln" im Forum war. Das Thema "Heimat", für das laut Kemmer eigentlich Markus Söder zuständig wäre, beleuchtete er als Festredner in all seinen Facetten. Zwar nicht in Mundart, dafür aber mit historischem Hintergrund. Heimat stelle die Frage nach Identifikation und Verwurzelung. Das könne sowohl die angestammte Heimat sein, da wo man geboren und aufgewachsen sei, als auch die Wahlheimat oder der Ort, an dem man sich wohlfühle.

Dass der Begriff häufig manipuliert werde, sei an der deutschen Geschichte abzulesen. Heimat verkomme dann zur Ideologie, ja zum Wahn. Zur Zeitgeschichte, zum Rechtsruck bei den Wahlen in Deutschland und Österreich bis hin zu Trumps "America first" war es dann nur noch ein kleiner Sprung.


Gefährlicher Trugschluss


Heimat scheine etwas Verlorenes zu sein, kam es dem Festredner angesichts der nostalgisch verbrämten Fernseh- und Filmproduktionen in den Sinn. Man dürfe sich jedoch nicht dem Trugschluss hingeben, dass früher alles besser war. Heimat müsse erkannt werden als Tradition, die es weiterzugeben gelte. "Heimat wird aber schnell etwas Museales, wenn man sie nicht mitnimmt in die Zukunft."