Sie wollen nach außen ein deutliches Zeichen setzen und der Öffentlichkeit mitteilen, dass Gewalt und Rassismus an ihrer Schule keine Chance haben. Sophie Herla, Paula Kaiser und Alexander Krisch von der Schülermitverwaltung (SMV) des Höchstadter Gymnasiums sind zusammen mit Direktor Bernd Lohneiß die treibenden Kräfte für das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

Das Höchstadter Gymnasium möchte sich damit in die Gruppe von bereits über 1000 Schulen in Deutschland einreihen, die sich an dem von Schülern für Schüler gestalteten Projekt beteiligen. Kinder und Jugendliche sollen die Möglichkeit bekommen, das Klima an der Schule aktiv mitzugestalten und sich gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden.

Zehntklässler engagieren sich

"Die Idee für eine Beteiligung an dem Projekt steht schon
länger im Raum", sagt Schulleiter Lohneiß. Jetzt habe man mit den drei SMV-Vertretern Mitstreiter gefunden, die erst in der zehnten Klasse sind und sich noch einige Jahre engagieren können. Und das wollen sie auch tun.

Um den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" zu bekommen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Mindestens 70 Prozent aller an der Schule Aktiven - dazu zählen Schüler und Hausmeister ebenso wie Lehrer und das Reinigungspersonal - verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, bei jeder Form von Diskriminierung und bei Konflikten einzuschreiten. Darüber hinaus muss im Jahr mindestens ein Projekt organisiert werden. Dies könne beispielsweise ein Vortrag gegen Rechtsextremismus sein, wie er am Gymnasium auch schon stattgefunden hat, sagt Lohneiß.

"Wir wollen damit den Ruf unserer Schule verbessern", nennt Schülerin Sophie Herla den Hauptgrund für die Beteiligung an dem Projekt. Auch die Höchstadter Realschule mache bereits mit. Den Initiatoren am Gymnasium geht es in erster Linie um die Außenwirkung. Einen konkreten Anlass dafür, jetzt eine "Schule ohne Rassismus" zu werden, haben die Initiatoren nicht.

Nur Hänseleien

Schwerere Fälle von Gewalt oder Mobbing kenne er an seiner Schule nicht, sagt der Direktor. Kleinere Hänseleien würden dagegen schon mal vorkommen, räumt er ein. Lohneiß appelliert an seine Schüler, sobald sie etwas bemerken, sofort die Lehrer zu informieren und notfalls auch nicht davor zurückzuschrecken, zur Polizei zu gehen. Dies gelte besonders auch, wenn Aktivitäten aus der rechten Szene bemerkt werden.

Teil eines Netzwerks

Erfüllt das Höchstadter Gymnasium die Voraussetzungen, bekommt es ein Zertifikat und wird Teil des Netzwerks. Der Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ist weder ein Preis noch eine Auszeichnung, sondern eher eine Selbstverpflichtung für Gegenwart und Zukunft. "Eine Art Tüv-Siegel", sagt Alexander Krisch. Es dürfe niemand mehr wegschauen, der die Verpflichtung unterschrieben hat. Und man könne die Mitschüler auch daran erinnern, dass sie unterschrieben haben, ergänzt Paula Kaiser.

Alle sollen unterschreiben

Kein Thema ist am Höchstadter Gymnasium Rassismus. "Wir haben immer mehr Kinder mit ausländischen Wurzeln", sagt Lohneiß, auch Gastschüler aus Brasilien, Ungarn und der Ukraine. Die Integration beginne schon in der fünften Klasse, wenn die ausländischen Schüler an der Weihnachtsfeier Lieder in ihren Landessprachen singen.
Nach Weihnachten wollen die Initiatoren mit der großen Unterschriftensammlung beginnen. Ihr Ziel sind dabei aber nicht nur die benötigten 70 Prozent aller am Gymnasium aktiven, sondern wenigstens 90.
Als Auftakt für die Bewerbung um den Titel hatte das Höchstadter Gymnasium am Montagabend das "Bochabela String Orchestra" aus Südafrika zu einem Konzert eingeladen. Die jungen afrikanischen Musiker begeisterten in der Schulturnhalle.